Der RSI (Relative-Stärke-Index) gehört zu den bekanntesten Indikatoren der Chartanalyse. Er misst, wie stark die Kursgewinne im Vergleich zu den Kursverlusten der letzten Tage waren, und verdichtet das zu einem Wert zwischen 0 und 100. Viele Trader nutzen ihn, um überkaufte und überverkaufte Situationen zu erkennen.
Wer hat den RSI entwickelt?
Der RSI stammt vom US-Techniker J. Welles Wilder, der ihn 1978 in seinem Buch über technische Handelssysteme vorstellte. Wilder entwickelte im selben Werk auch andere bis heute bekannte Indikatoren wie den Parabolic SAR und den ADX. Der RSI ist ein sogenannter Oszillator: Er schwingt in einem festen Band, statt dem Kurs direkt zu folgen.
Die Formel
Die Berechnung erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird das Verhältnis RS aus durchschnittlichem Gewinn und durchschnittlichem Verlust gebildet, standardmäßig über 14 Perioden:
RS = Durchschnittlicher Gewinn der letzten 14 Perioden ÷ durchschnittlicher Verlust der letzten 14 Perioden
RSI = 100 − 100 ÷ (1 + RS)
Ein Beispiel: Lag der durchschnittliche Tagesgewinn zuletzt bei 1,20 Euro und der durchschnittliche Tagesverlust bei 0,60 Euro, beträgt RS = 2. Der RSI liegt dann bei 100 − 100 ÷ 3 = 66,7. Wilder verwendete für die Durchschnitte eine geglättete Variante, die neuere Werte etwas stärker gewichtet. Moderne Chartprogramme rechnen das automatisch.
Wie man den RSI liest
| RSI-Wert | Übliche Deutung |
|---|---|
| über 70 | überkauft – die Aufwärtsbewegung war sehr stark |
| 50 | neutral – Gewinne und Verluste halten sich die Waage |
| unter 30 | überverkauft – die Abwärtsbewegung war sehr stark |
Überkauft heißt nicht automatisch, dass der Kurs fällt. In einem starken Aufwärtstrend kann der RSI wochenlang über 70 bleiben. Umgekehrt bleibt er in einem Crash oft lange unter 30. Viele Trader warten deshalb ab, bis der RSI die Marke wieder kreuzt, also etwa von über 70 zurück unter 70 fällt, bevor sie das als Signal werten.
Divergenzen: das wichtigere Signal
Aussagekräftiger als die festen Marken sind oft Divergenzen. Von einer bärischen Divergenz spricht man, wenn der Kurs ein neues Hoch erreicht, der RSI aber ein niedrigeres Hoch als zuvor ausbildet. Der Aufwärtsschwung verliert dann an Kraft. Bei einer bullischen Divergenz macht der Kurs ein neues Tief, der RSI aber nicht mehr. Divergenzen kündigen keine Trendwende sicher an, sie sind eher ein Warnzeichen, genauer hinzusehen.
Welche Einstellung ist die richtige?
- 14 Perioden sind der Standard und für Tages- und Wochencharts verbreitet.
- 9 oder weniger Perioden machen den RSI empfindlicher. Das nutzen kurzfristige Trader beim Day-Trading oder Scalping, allerdings mit mehr Fehlsignalen.
- 21 bis 25 Perioden glätten den Indikator und passen eher zum Swing-Trading oder zu längeren Anlagehorizonten.
- Engere Grenzen wie 80 und 20 filtern in volatilen Märkten Fehlsignale heraus.
Typische Fehler
- Den RSI gegen einen starken Trend handeln, also in einem Aufwärtstrend nur wegen eines Werts über 70 verkaufen.
- Den Indikator isoliert betrachten, ohne Trend, Unterstützungen und Nachrichtenlage.
- Zu viele Einstellungen ausprobieren, bis die Vergangenheit perfekt passt. Das funktioniert in der Zukunft selten.
Sinnvoll ist eine Kombination mit Trendinstrumenten wie der 200-Tage-Linie. Ein Beispiel dafür zeigt unsere Auswertung der Dow-Jones-Aktien über und unter dem GD 200. Auch die Stimmung am Markt, etwa der Fear-and-Greed-Index, liefert zusätzlichen Kontext.
Fazit
Der RSI ist ein einfacher und schneller Weg, die Kraft einer Kursbewegung einzuschätzen. Die Marken 70 und 30 zeigen Extreme, aber keine sicheren Wendepunkte. Am meisten bringt der Indikator, wenn man ihn mit dem übergeordneten Trend kombiniert und auf Divergenzen achtet.
Fragen und Antworten
Was bedeutet ein RSI von über 70?
Ein RSI über 70 gilt als überkauft. Die Kursgewinne der letzten 14 Perioden waren deutlich stärker als die Verluste. Ein Verkaufssignal ist das allein nicht.
Was bedeutet ein RSI unter 30?
Ein RSI unter 30 gilt als überverkauft. Der Kurs ist stark gefallen, eine Erholung ist möglich, aber nicht sicher.
Welche Periode ist beim RSI üblich?
Standard sind 14 Perioden. Kurzfristige Trader nutzen oft 9, längerfristige 21 oder 25 Perioden.
Ist der RSI das Gleiche wie die relative Stärke nach Levy?
Nein. Die relative Stärke nach Levy vergleicht den aktuellen Kurs mit dem Durchschnitt über einen längeren Zeitraum, der RSI nach Wilder vergleicht Gewinne und Verluste innerhalb eines Zeitraums.
Quellen
- CME Group, Einführung in technische Indikatoren – cmegroup.com
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov – investor.gov
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.