Die PEG-Ratio, kurz für Price/Earnings to Growth, erweitert das Kurs-Gewinn-Verhältnis um das Gewinnwachstum. Ein hohes KGV muss nicht teuer sein, wenn die Gewinne schnell wachsen. Die PEG-Ratio macht genau das sichtbar und erlaubt einen faireren Vergleich zwischen wachstumsstarken und langsam wachsenden Unternehmen.
Die Formel
PEG-Ratio = KGV ÷ erwartetes jährliches Gewinnwachstum in Prozent
Das Wachstum wird als Zahl ohne Prozentzeichen eingesetzt. Meist verwendet man die Prognose für die nächsten drei bis fünf Jahre, manchmal auch das vergangene Wachstum, berechnet etwa als CAGR.
Ein Beispiel
| Kennzahl | Unternehmen A | Unternehmen B |
|---|---|---|
| KGV | 30 | 12 |
| Erwartetes Gewinnwachstum pro Jahr | 25 % | 4 % |
| PEG-Ratio | 1,2 | 3,0 |
Auf den ersten Blick wirkt Unternehmen B mit einem KGV von 12 deutlich günstiger. Berücksichtigt man das Wachstum, ist A günstiger bewertet: Anleger zahlen bei A pro Prozent Wachstum deutlich weniger.
Wie man die PEG-Ratio deutet
| PEG-Ratio | Übliche Deutung |
|---|---|
| unter 1 | günstig im Verhältnis zum Wachstum |
| um 1 | fair bewertet |
| über 1 | teuer im Verhältnis zum Wachstum |
| über 2 | sehr hohe Erwartungen eingepreist |
Bekannt gemacht hat die Faustregel der US-Fondsmanager Peter Lynch. Er schrieb, das KGV eines fair bewerteten Unternehmens sollte etwa seiner Wachstumsrate entsprechen, eine PEG-Ratio von 1 also.
Die Grenzen der PEG-Ratio
- Prognosen sind unsicher: Die Kennzahl hängt stark von Analystenschätzungen ab, die oft zu optimistisch sind.
- Dividenden fehlen: Unternehmen mit hoher Ausschüttung wachsen langsamer, bieten aber Ertrag. Eine Variante, die PEGY-Ratio, addiert deshalb die Dividendenrendite zum Wachstum.
- Risiko fehlt: Ein hoch verschuldetes Unternehmen mit gleichem Wachstum ist riskanter.
- Ungeeignet bei sehr niedrigem oder negativem Wachstum: Dann ergibt die Formel keine sinnvollen Werte.
- Zyklische Gewinne: Bei Rohstoff- oder Autowerten schwanken Gewinne stark, das verzerrt sowohl KGV als auch Wachstum.
Ein Vergleich von drei Aktien
Die Stärke der PEG-Ratio zeigt sich beim Vergleich von Unternehmen mit sehr unterschiedlichem Wachstum. Die folgende Tabelle zeigt drei fiktive Aktien.
| Aktie | KGV | Erwartetes Gewinnwachstum pro Jahr | PEG-Ratio |
|---|---|---|---|
| A (Versorger) | 12 | 3 % | 4,0 |
| B (Konsumgüter) | 20 | 10 % | 2,0 |
| C (Technologie) | 35 | 30 % | 1,2 |
Nach dem KGV wirkt Aktie A am günstigsten und C am teuersten. Die PEG-Ratio dreht das Bild um. Gemessen am erwarteten Wachstum ist C am günstigsten bewertet. Ob die Erwartung von 30 Prozent Wachstum realistisch ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Woher die Wachstumsrate kommt
Für die PEG-Ratio wird eine Wachstumsrate des Gewinns je Aktie benötigt. Dafür gibt es drei Quellen. Erstens die Schätzungen von Analysten für die nächsten drei bis fünf Jahre, die bei Datenanbietern als Konsens veröffentlicht werden. Zweitens das historische Wachstum, gemessen etwa als CAGR über die letzten fünf Jahre. Drittens die Prognosen des Unternehmens selbst. Jede Quelle hat Schwächen: Analysten sind oft zu optimistisch, die Vergangenheit lässt sich nicht einfach fortschreiben und Unternehmen haben ein Interesse an guten Aussichten. Wer die PEG-Ratio nutzt, sollte deshalb angeben oder zumindest wissen, welche Wachstumsrate zugrunde liegt.
Ein Rechenbeispiel Schritt für Schritt
Eine Aktie kostet 120 Euro, der erwartete Gewinn je Aktie für das nächste Jahr liegt bei 5 Euro. Das KGV beträgt 120 ÷ 5 = 24. In den letzten fünf Jahren ist der Gewinn je Aktie von 2,50 auf 4,40 Euro gestiegen. Das entspricht einer CAGR von (4,40 ÷ 2,50)1/5 − 1 = 12 Prozent. Die PEG-Ratio liegt damit bei 24 ÷ 12 = 2,0. Rechnet man mit der Analystenschätzung von 16 Prozent Wachstum, sinkt die PEG-Ratio auf 1,5. Schon die Wahl der Wachstumsrate verändert das Ergebnis deutlich.
Ergänzende Kennzahlen
Weil die PEG-Ratio stark von einer Prognose abhängt, empfiehlt sich der Abgleich mit weiteren Kennzahlen. Der Free Cashflow zeigt, ob das Gewinnwachstum auch in der Kasse ankommt. Das Verhältnis aus Enterprise Value und EBITDA berücksichtigt die Verschuldung. Und die Dividendenrendite ist bei reifen Unternehmen mit geringem Wachstum oft aussagekräftiger als die PEG-Ratio, die dort wenig taugt.
PEG-Ratio mit Dividende
Für ausschüttungsstarke Unternehmen gibt es eine Abwandlung: die dividendenbereinigte PEG-Ratio. Dabei wird die Dividendenrendite zur Wachstumsrate addiert. Ein Versorger mit KGV 12, 3 Prozent Wachstum und 5 Prozent Dividendenrendite kommt dann auf 12 ÷ 8 = 1,5 statt 4,0. Die Variante berücksichtigt, dass Aktionäre einen Teil ihrer Rendite direkt als Ausschüttung erhalten.
Wer die PEG-Ratio konsequent anwendet, notiert sich neben dem Ergebnis immer auch die verwendete Wachstumsrate und deren Quelle. So lässt sich später prüfen, ob die Annahmen eingetreten sind.
Am Ende bleibt die PEG-Ratio ein Werkzeug für den ersten Überblick. Sie zeigt schnell, ob eine hohe Bewertung durch starkes Wachstum gedeckt sein könnte, ersetzt aber nicht die Analyse von Geschäftsmodell, Bilanz und Wettbewerb.
Peter Lynch, der die Kennzahl in den 1980er-Jahren bekannt machte, nutzte sie vor allem, um überbewertete Wachstumswerte zu erkennen. Ein Unternehmen mit einem KGV von 40 und nur 10 Prozent Wachstum war für ihn deutlich zu teuer.
Fazit
Die PEG-Ratio verbindet Bewertung und Wachstum in einer Zahl und verhindert, dass Wachstumsunternehmen vorschnell als zu teuer abgetan werden. Sie ist aber nur so gut wie die Wachstumsprognose und sollte mit anderen Kennzahlen wie dem Free Cashflow kombiniert werden.
Fragen und Antworten
Was ist die PEG-Ratio?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis geteilt durch das erwartete jährliche Gewinnwachstum in Prozent.
Was ist eine gute PEG-Ratio?
Werte unter 1 gelten als günstig, um 1 als fair und über 1 als teuer im Verhältnis zum Wachstum.
Wer hat die PEG-Ratio bekannt gemacht?
Der US-Fondsmanager Peter Lynch hat die Kennzahl in seinen Büchern populär gemacht.
Wann ist die PEG-Ratio ungeeignet?
Bei Unternehmen mit sehr geringem, negativem oder stark schwankendem Gewinnwachstum.
Was ist eine gute PEG-Ratio?
Werte um 1 gelten als fair, darunter als günstig, darüber als teuer. Entscheidend ist, wie verlässlich die Wachstumsprognose ist.
Warum funktioniert die PEG-Ratio bei Versorgern schlecht?
Weil deren Gewinn kaum wächst und ein großer Teil der Rendite aus der Dividende stammt.
Quellen
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov – investor.gov
- BaFin, Geldanlage in Aktien – bafin.de
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.