Der Basiswert, im Englischen Underlying, ist das Instrument, auf das sich ein Derivat bezieht. Optionen, Futures, Optionsscheine, Zertifikate und andere abgeleitete Produkte haben keinen eigenständigen Wert, ihr Preis ergibt sich aus der Entwicklung dieses Bezugsobjekts. Steigt oder fällt der Basiswert, verändert sich der Wert des Derivats nach festen, im Vertrag oder in den Produktbedingungen beschriebenen Regeln.
Das Wertpapierhandelsgesetz definiert Derivate in § 2 Abs. 3 WpHG ausdrücklich über ihren Bezug zu einem Basiswert: Ihr Wert hängt unmittelbar oder mittelbar vom Preis oder Maß eines solchen Bezugsobjekts ab. Wer ein Derivat verstehen will, muss deshalb zuerst den Basiswert kennen.
Welche Basiswerte es gibt
| Art | Beispiele | typische Derivate |
|---|---|---|
| Aktien | einzelne Unternehmen | Aktienoptionen, Optionsscheine, Discount-Zertifikate |
| Indizes | DAX, S&P 500, Euro Stoxx 50 | Indexfutures, Indexoptionen, ETFs mit Hebel |
| Anleihen und Zinsen | Bundesanleihen, Referenzzinssätze | Bund-Future, Zinsswaps |
| Währungen | Euro gegen Dollar, Yen, Franken | Devisenfutures, Devisenoptionen |
| Rohstoffe | Öl, Gold, Weizen, Kupfer | Rohstofffutures, Rohstoff-Zertifikate |
| Volatilität | VIX, VSTOXX | Volatilitätsfutures |
| Kryptowerte | Bitcoin, Ether | Futures, börsengehandelte Produkte |
Manche Basiswerte sind selbst schon abgeleitet. Ein Future auf den VIX bezieht sich auf einen Index, der wiederum aus Optionspreisen auf den S&P 500 berechnet wird. Ein Optionsschein auf einen Indexfuture hat sogar zwei Ebenen über dem eigentlichen Markt.
Kontraktgröße und Bezugsverhältnis
Wie stark ein Derivat auf den Basiswert reagiert, hängt von zwei Größen ab. Bei börsengehandelten Futures und Optionen legt die Terminbörse eine feste Kontraktgröße fest. Beim DAX-Future der Eurex entspricht ein Indexpunkt beispielsweise 25 €. Steigt der Index um 132 Punkte, verändert sich der Wert eines Kontrakts um 3.300 €. Die Varianten Mini und Micro erklärt der Beitrag zum DAX-Future.
Bei verbrieften Produkten wie Optionsscheinen oder Zertifikaten heißt die entsprechende Größe Bezugsverhältnis. Es gibt an, auf wie viele Einheiten des Basiswerts sich ein Papier bezieht.
Ein Rechenbeispiel
Ein Call-Optionsschein auf die fiktive Lindqvist AG hat einen Basispreis von 80 € und ein Bezugsverhältnis von 0,1. Ein Schein bezieht sich also auf ein Zehntel Aktie. Die Aktie notiert bei 83,40 €.
| Größe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Abstand zum Basispreis | 83,40 − 80,00 | 3,40 € |
| innerer Wert je Schein | 3,40 × 0,1 | 0,34 € |
| Aktie steigt um 2,15 € | (85,55 − 80,00) × 0,1 | 0,555 € |
| Veränderung innerer Wert | 0,555 − 0,34 | +0,215 € |
Der Kurs des Scheins liegt in der Praxis meist über dem inneren Wert, weil ein Zeitwert hinzukommt. Der innere Wert zeigt aber, welcher Teil des Preises direkt vom Basiswert abhängt.
Referenzkurs und Bewertungszeitpunkt
Für die Abrechnung eines Derivats kommt es nicht auf irgendeinen Kurs des Basiswerts an, sondern auf einen genau definierten Referenzpreis. Bei Indexoptionen und Indexfutures der Eurex ist das an Verfallstagen ein eigens ermittelter Schlussabrechnungspreis, der auf einer Intraday-Auktion beruht. Zertifikate auf deutsche Aktien beziehen sich häufig auf den Xetra-Schlusskurs, solche auf US-Aktien auf den Schlusskurs der Heimatbörse in New York. Weichen Börsenplätze voneinander ab, kann das am Bewertungstag einen spürbaren Unterschied machen.
Physische Lieferung oder Barausgleich
Am Laufzeitende wird ein Derivat entweder durch Lieferung des Basiswerts oder durch Zahlung eines Geldbetrags erfüllt. Bei Indizes ist nur ein Barausgleich möglich, weil sich ein Index nicht liefern lässt. Aktienoptionen an der Eurex werden dagegen meist effektiv beliefert: Wer eine ausgeübte Call-Option verkauft hat, muss die Aktien tatsächlich liefern.
Bei Rohstoff-Futures entscheidet die Kontraktspezifikation. Viele Agrar- und Energiekontrakte sehen eine physische Lieferung an festgelegte Lagerorte vor. Privatanleger schließen solche Positionen deshalb vor dem Liefertermin, um nicht plötzlich Tonnen von Getreide oder Barrel Öl abnehmen zu müssen.
Was bei Kapitalmaßnahmen passiert
Ändert sich der Basiswert durch einen Aktiensplit, eine Kapitalerhöhung oder eine Sonderausschüttung, passt die Börse oder der Emittent die Ausstattung des Derivats an. Bei einem Split im Verhältnis 1 zu 3 wird der Basispreis einer Option gedrittelt, die Zahl der zugrunde liegenden Aktien verdreifacht. Ziel ist, dass der wirtschaftliche Wert für den Inhaber gleich bleibt.
Ordentliche Dividenden führen dagegen in der Regel nicht zu einer Anpassung. Sie sind im Preis von Optionen und Futures bereits über die erwartete Ausschüttung berücksichtigt. Eine außergewöhnlich hohe Sonderdividende kann hingegen eine Anpassung auslösen.
Bedeutung für Anleger
Wer Derivate kauft, übernimmt alle Risiken des Basiswerts, oft verstärkt durch einen Hebel. Ein Knock-out-Zertifikat auf eine Aktie kann wertlos verfallen, wenn der Basiswert eine Schwelle berührt, auch wenn er sich danach wieder erholt. Hinzu kommt bei verbrieften Produkten das Ausfallrisiko des Emittenten: Geht die ausgebende Bank in die Insolvenz, hilft auch ein gut laufender Basiswert nicht.
Ein Blick in die Produktbedingungen beantwortet die wichtigsten Fragen: Welcher Kurs genau gilt als Referenz, etwa Xetra-Schlusskurs oder Abrechnungspreis einer Terminbörse? Zu welchem Zeitpunkt wird er festgestellt? Und wie wird bei Marktstörungen verfahren? Einen Überblick über börsengehandelte Optionen gibt der Beitrag Optionen handeln.
Grenzen und Risiken
Der Preis eines Derivats folgt dem Basiswert nicht immer eins zu eins. Zeitwert, Zinsen, erwartete Dividenden und die Schwankungsbreite beeinflussen ihn zusätzlich. Bei illiquiden Basiswerten können Spreads stark steigen. Wenn der Basiswert nicht gehandelt wird, etwa an Feiertagen oder bei einer Kursaussetzung, stellen Emittenten oft keine oder nur eingeschränkte Kurse.
Fazit
Der Basiswert ist die Grundlage jedes Derivats und bestimmt Chancen, Risiken und Abwicklung. Kontraktgröße oder Bezugsverhältnis legen fest, wie stark das Produkt auf Kursänderungen reagiert. Wer Basiswert, Referenzkurs und Anpassungsregeln kennt, kann ein Derivat deutlich besser einschätzen.
Fragen und Antworten
Was ist ein Underlying?
Underlying ist der englische Begriff für den Basiswert, also das Instrument, auf das sich ein Derivat bezieht, etwa eine Aktie, ein Index oder ein Rohstoff.
Was bedeutet ein Bezugsverhältnis von 0,1?
Ein Wertpapier bezieht sich auf ein Zehntel des Basiswerts. Kursänderungen des Basiswerts wirken sich entsprechend nur zu einem Zehntel auf den inneren Wert aus.
Kann ein Derivat mehrere Basiswerte haben?
Ja. Korb-Zertifikate oder Express-Zertifikate mit mehreren Aktien beziehen sich auf mehrere Basiswerte gleichzeitig, oft zählt dann der schwächste.
Muss ich den Basiswert am Laufzeitende abnehmen?
Nur bei Kontrakten mit physischer Lieferung. Viele Produkte für Privatanleger werden bar abgerechnet, bei Futures lässt sich die Position vor dem Liefertermin schließen.
Quellen
- Wertpapierhandelsgesetz, § 2 Begriffsbestimmungen
- Eurex – Produktübersicht und Kontraktspezifikationen
- BaFin – Derivate und Zertifikate
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.