Die WACC-Formel berechnet die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens – auf Englisch Weighted Average Cost of Capital. Sie beantwortet die Frage, welche Rendite ein Unternehmen auf sein gesamtes eingesetztes Kapital mindestens erwirtschaften muss, damit Aktionäre und Gläubiger zufrieden sind. Der WACC ist damit die zentrale Hürde in fast jeder Unternehmensbewertung und bei der Frage, ob eine Investition Wert schafft oder vernichtet.
Definition: Zwei Kapitalgeber, zwei Preise
Ein Unternehmen finanziert sich aus zwei Töpfen. Eigenkapitalgeber tragen das höchste Risiko, weil sie erst nach allen anderen bedient werden; entsprechend verlangen sie die höhere Rendite. Fremdkapitalgeber haben vertraglich zugesicherte Zinsen und einen Vorrang im Insolvenzfall, daher ist ihr Kapital günstiger. Der WACC mischt beide Kostensätze nach ihrem Anteil an der Gesamtfinanzierung.
Die WACC-Formel
WACC = EK ÷ (EK + FK) × rEK + FK ÷ (EK + FK) × rFK × (1 − s)
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| EK | Marktwert des Eigenkapitals, in der Regel die Marktkapitalisierung |
| FK | Marktwert des verzinslichen Fremdkapitals, oft näherungsweise der Buchwert |
| rEK | Eigenkapitalkosten, meist mit der CAPM-Formel ermittelt |
| rFK | Fremdkapitalkosten vor Steuern, etwa die Rendite ausstehender Anleihen |
| s | Ertragsteuersatz des Unternehmens |
Der Faktor (1 − s) bildet den sogenannten Tax Shield ab: Zinsen mindern den steuerpflichtigen Gewinn, weshalb Fremdkapital nach Steuern günstiger ist als sein Nominalzins.
Der Steuersatz in Deutschland
Eine Kapitalgesellschaft zahlt 15 Prozent Körperschaftsteuer (§ 23 KStG) zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf (§ 4 SolZG), zusammen 15,825 Prozent. Hinzu kommt die Gewerbesteuer: Die Steuermesszahl von 3,5 Prozent (§ 11 GewStG) wird mit dem Hebesatz der Gemeinde multipliziert. Bei einem Hebesatz von 400 Prozent ergeben sich 14 Prozent, insgesamt also knapp 30 Prozent. Für Bewertungen wird daher häufig mit rund 30 Prozent gerechnet. Zu beachten ist, dass Zinsen bei der Gewerbesteuer nur teilweise abzugsfähig sind und die Zinsschranke hohe Zinsaufwendungen begrenzt; der tatsächliche Steuervorteil fällt deshalb oft etwas kleiner aus.
Rechenbeispiel
Die fiktive Holtmann Maschinenbau AG hat eine Marktkapitalisierung von 640 Mio. Euro und verzinsliche Finanzschulden von 260 Mio. Euro. Die Eigenkapitalkosten werden nach CAPM mit 9,1 Prozent angesetzt, die Fremdkapitalkosten vor Steuern mit 4,8 Prozent, der Steuersatz mit 30 Prozent.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gesamtkapital | 640 + 260 | 900 Mio. Euro |
| Gewicht Eigenkapital | 640 ÷ 900 | 71,1 % |
| Gewicht Fremdkapital | 260 ÷ 900 | 28,9 % |
| Fremdkapitalkosten nach Steuern | 4,8 % × (1 − 0,30) | 3,36 % |
| Beitrag Eigenkapital | 71,1 % × 9,1 % | 6,47 % |
| Beitrag Fremdkapital | 28,9 % × 3,36 % | 0,97 % |
| WACC | Summe | 7,44 % |
Holtmann muss also auf jeden investierten Euro mindestens rund 7,4 Prozent nach Steuern erwirtschaften, damit beide Kapitalgebergruppen ihre geforderte Rendite erhalten.
Bedeutung für Anleger: Diskontsatz und Werthürde
Der WACC im DCF-Modell
In einem Discounted-Cashflow-Modell werden die künftigen freien Cashflows eines Unternehmens mit dem WACC abgezinst. Das Ergebnis ist der Unternehmenswert (Enterprise Value), von dem die Nettoschulden abgezogen werden, um den Wert des Eigenkapitals zu erhalten. Wie der Enterprise Value als Kennzahl funktioniert, ist in einem eigenen Beitrag erläutert; welche Cashflows hier verwendet werden, beschreibt der Beitrag zum Free Cashflow.
Wie empfindlich das Ergebnis auf den WACC reagiert, zeigt eine einfache Rechnung: Angenommen, Holtmann erzielt im kommenden Jahr einen freien Cashflow von 52 Mio. Euro, der danach dauerhaft um 1,5 Prozent pro Jahr wächst. Der Unternehmenswert ergibt sich als 52 × 1,015 ÷ (WACC − 1,5 %).
| WACC | Unternehmenswert |
|---|---|
| 6,9 % | 977 Mio. Euro |
| 7,4 % | 895 Mio. Euro |
| 7,9 % | 825 Mio. Euro |
Ein halber Prozentpunkt mehr oder weniger verschiebt den Wert um 70 bis gut 80 Mio. Euro – das ist mehr als ein Zehntel der Marktkapitalisierung. Bewertungen, die einen einzigen WACC ohne Bandbreite angeben, sollten Anleger deshalb mit Vorsicht lesen.
Der WACC als Maßstab für Rentabilität
Vergleicht man den WACC mit dem ROIC, also der Rendite auf das investierte Kapital, zeigt sich, ob ein Unternehmen Wert schafft. Liegt der ROIC dauerhaft über dem WACC, entsteht ökonomischer Mehrwert. Liegt er darunter, vernichtet Wachstum sogar Wert, weil jede neue Investition weniger einbringt, als das Kapital kostet. Für diesen Vergleich wird der operative Gewinn nach Steuern, der NOPAT, herangezogen.
Auch in der Rechnungslegung spielt der WACC eine Rolle: Bei Werthaltigkeitstests nach IAS 36 nennt der Standard die gewichteten Kapitalkosten ausdrücklich als möglichen Ausgangspunkt für den Abzinsungssatz.
Grenzen und Risiken
- Eingangsgrößen sind Schätzungen: Beta, Marktrisikoprämie und Fremdkapitalkosten beruhen auf Annahmen. Kleine Änderungen wirken sich, wie gezeigt, stark auf den Wert aus.
- Veränderliche Kapitalstruktur: Die Formel unterstellt konstante Gewichte. Plant ein Unternehmen, Schulden stark abzubauen oder aufzunehmen, verändert sich der WACC über die Zeit.
- Mehr Schulden sind nicht automatisch günstiger: Steigt der Fremdkapitalanteil, wird das Eigenkapital riskanter und teurer; gleichzeitig verlangen Gläubiger höhere Zinsen, was sich oft in einem schlechteren Kreditrating zeigt.
- Ein Satz für alle Projekte: Konzerne mit sehr unterschiedlichen Sparten haben eigentlich je Sparte eigene Kapitalkosten. Ein einheitlicher Konzern-WACC bevorzugt riskante und benachteiligt sichere Geschäfte.
Fazit
Der WACC verbindet Eigenkapital- und Fremdkapitalkosten zu einem Satz, der als Abzinsungsfaktor und als Rentabilitätshürde dient. Die Formel ist einfach, ihre Eingangsgrößen sind es nicht. Wer Unternehmensbewertungen liest oder selbst rechnet, sollte die Annahmen hinter dem WACC prüfen und immer mit einer Bandbreite arbeiten.
Fragen und Antworten
Wie berechnet man den WACC?
Eigenkapitalanteil mal Eigenkapitalkosten plus Fremdkapitalanteil mal Fremdkapitalkosten nach Steuern. Die Anteile beziehen sich auf die Marktwerte beider Kapitalarten.
Warum wird beim Fremdkapital der Steuersatz abgezogen?
Weil Zinsen den steuerpflichtigen Gewinn mindern. Das senkt die effektiven Kosten des Fremdkapitals.
Was ist ein typischer WACC?
Bei großen, stabilen Unternehmen in Europa liegen Schätzungen häufig im mittleren einstelligen Prozentbereich, bei jungen oder hoch verschuldeten Firmen deutlich darüber. Der Wert hängt stark vom Zinsniveau ab.
Was bedeutet ein ROIC unter dem WACC?
Das Unternehmen erwirtschaftet auf sein Kapital weniger, als dieses kostet. Zusätzliches Wachstum vernichtet dann rechnerisch Wert.
Quellen
- Körperschaftsteuergesetz, § 23 Steuersatz
- Solidaritätszuschlaggesetz, § 4 Zuschlagsatz
- Gewerbesteuergesetz, § 11 Steuermesszahl und Steuermessbetrag
- IFRS Foundation: IAS 36 Impairment of Assets
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.