At the Money (ATM) heißt eine Option, deren Basispreis genau oder nahezu auf Höhe des aktuellen Kurses des Basiswerts liegt. Zusammen mit den Begriffen In the Money (ITM) und Out of the Money (OTM) bildet sie das, was im Optionshandel als Moneyness bezeichnet wird: die Unterscheidung von Optionen danach, ob ihre sofortige Ausübung Geld bringen würde. Die Abkürzung ATM begegnet Anlegern in Optionsketten, Strategiebeschreibungen und Volatilitätsdaten ständig.
Definition der drei Zustände
Entscheidend ist der Vergleich zwischen dem Basispreis (Strike) und dem aktuellen Kurs des Basiswerts. Für Calls und Puts gelten spiegelbildliche Regeln:
| Zustand | Call (Kaufoption) | Put (Verkaufsoption) | Innerer Wert |
|---|---|---|---|
| In the Money (im Geld) | Kurs über Basispreis | Kurs unter Basispreis | positiv |
| At the Money (am Geld) | Kurs ≈ Basispreis | Kurs ≈ Basispreis | null oder nahe null |
| Out of the Money (aus dem Geld) | Kurs unter Basispreis | Kurs über Basispreis | null |
Da Basispreise in festen Abständen gelistet werden, trifft selten ein Strike exakt den Kurs. Als At the Money gilt daher meist der Basispreis, der dem aktuellen Kurs am nächsten liegt. Manche Marktteilnehmer beziehen ATM nicht auf den Kassakurs, sondern auf den Terminkurs bis zur Fälligkeit – dann spricht man von „at the money forward“. Bei kurzen Laufzeiten und niedrigen Zinsen ist der Unterschied gering.
Funktionsweise: Innerer Wert und Zeitwert
Der Preis einer Option setzt sich aus innerem Wert und Zeitwert zusammen. Wie beide Komponenten im Detail entstehen, erklären die Beiträge zur Call-Option und zur Put-Option. Für die Moneyness genügt:
- Der innere Wert ist der Betrag, den eine sofortige Ausübung einbringen würde. Nur Optionen im Geld haben einen.
- Der Zeitwert ist der Rest der Prämie. Er bezahlt die Chance, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch günstig entwickelt.
Bei Optionen am Geld ist die Prämie praktisch reiner Zeitwert – und dieser Zeitwert ist in absoluten Euro meist höher als bei Optionen weit im oder weit aus dem Geld. Der Grund: Am Geld ist die Unsicherheit am größten, ob die Option am Ende wertvoll sein wird oder nicht.
Beispiel mit Zahlen
Eine fiktive Aktie notiert bei 87,40 Euro. Für Calls mit drei Monaten Restlaufzeit zeigt die Optionskette folgende Preise (je Aktie):
| Basispreis | Zustand | Prämie | Innerer Wert | Zeitwert | Delta (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|
| 80,00 € | In the Money | 9,15 € | 7,40 € | 1,75 € | 0,80 |
| 87,50 € | At the Money | 4,05 € | 0,00 € | 4,05 € | 0,50 |
| 95,00 € | Out of the Money | 1,30 € | 0,00 € | 1,30 € | 0,25 |
Für Puts kehrt sich die Zuordnung um: Ein Put mit Basispreis 95,00 Euro wäre im Geld, sein innerer Wert betrüge 95,00 − 87,40 = 7,60 Euro. Ein Put mit Basispreis 80,00 Euro wäre aus dem Geld.
Das Delta gibt an, wie stark sich der Optionspreis bei einer Kursbewegung des Basiswerts um einen Euro ungefähr ändert. Optionen am Geld haben ein Delta um 0,5, tief im Geld nähert es sich 1, weit aus dem Geld geht es gegen 0. Grob lässt sich das Delta auch als Näherung für die Wahrscheinlichkeit lesen, dass die Option am Ende im Geld liegt – mathematisch exakt ist diese Lesart allerdings nicht.
Bedeutung für Anleger
Die Moneyness bestimmt das Chance-Risiko-Profil einer Position:
- Optionen im Geld verhalten sich ähnlich wie der Basiswert selbst. Sie kosten mehr, verlieren aber weniger schnell an Zeitwert. Langlaufende Calls im Geld, etwa LEAPS, werden deshalb oft als Aktienersatz mit geringerem Kapitaleinsatz genutzt.
- Optionen am Geld reagieren am stärksten auf Veränderungen der Volatilität und verlieren in den letzten Wochen vor Verfall am schnellsten an Zeitwert. Für Strategien, die auf Schwankung setzen, wie den Straddle, sind sie die Standardwahl.
- Optionen aus dem Geld sind billig und bieten im Erfolgsfall den größten prozentualen Hebel. Gleichzeitig verfallen sie besonders häufig wertlos. Kombinationen aus zwei solchen Optionen bilden den Strangle.
Auch Volatilitätskennzahlen beziehen sich häufig auf Optionen am Geld. Die implizite Volatilität „ATM“ gilt als Referenzwert für einen Basiswert; Abweichungen bei Optionen im und aus dem Geld bilden den sogenannten Volatilitäts-Skew. Der VIX wird dagegen aus einem breiten Band von Optionen aus dem Geld berechnet.
Was am Verfallstag passiert
Am Laufzeitende entscheidet die Moneyness über alles. Optionen im Geld werden bei vielen Börsen automatisch ausgeübt, sofern der Inhaber nicht widerspricht; Optionen aus dem Geld verfallen wertlos. Heikel sind Optionen, die kurz vor Verfall genau am Geld stehen: Schon kleine Kursbewegungen entscheiden dann darüber, ob eine Lieferung von Aktien ansteht. Verkäufer solcher Optionen tragen das sogenannte Pin-Risiko, weil sie bis zuletzt nicht wissen, ob sie ausgeübt werden. Besonders an großen Verfallsterminen wie dem Hexensabbat spielt das eine Rolle.
Grenzen und Risiken
- Die Zuordnung ist eine Momentaufnahme. Schon eine Kursbewegung von wenigen Prozent kann eine Option aus dem Geld ins Geld bringen und umgekehrt.
- Moneyness sagt nichts darüber, ob eine Option günstig oder teuer ist. Dafür sind die implizite Volatilität und der Vergleich mit der erwarteten Schwankung nötig.
- Bei Optionen auf Aktien mit anstehender Dividende verschiebt sich der faire Wert: Ein Call am Geld kann vor dem Dividendentermin weniger wert sein, als die reine Kurs-Strike-Betrachtung nahelegt.
- Hohe prozentuale Hebel bei Optionen aus dem Geld gehen mit einem hohen Risiko des Totalverlusts der gezahlten Prämie einher.
Fazit
At the Money, In the Money und Out of the Money beschreiben die Lage des Basispreises zum aktuellen Kurs. Daraus folgen der innere Wert, die Höhe des Zeitwerts, das Delta und damit das gesamte Verhalten einer Option. Wer Optionen handelt, sollte die Moneyness vor jeder Order prüfen, weil sie festlegt, ob eine Position eher wie die Aktie, wie eine Volatilitätswette oder wie ein Lotterielos reagiert.
Fragen und Antworten
Was bedeutet ATM bei Optionen?
ATM steht für At the Money. Der Basispreis der Option liegt auf Höhe des aktuellen Kurses des Basiswerts, der innere Wert ist null oder nahe null.
Ist ein Put im Geld, wenn der Kurs steigt?
Nein. Ein Put ist im Geld, wenn der Kurs des Basiswerts unter dem Basispreis liegt. Steigt der Kurs, bewegt sich der Put eher aus dem Geld.
Warum haben Optionen am Geld den höchsten Zeitwert?
Weil die Unsicherheit dort am größten ist. Ob die Option am Ende wertvoll wird, ist am Geld völlig offen, und genau diese Unsicherheit wird über den Zeitwert bezahlt.
Werden Optionen aus dem Geld am Verfallstag ausgeübt?
Nein. Optionen aus dem Geld verfallen wertlos, weil ihre Ausübung keinen Vorteil brächte.
Quellen
- Euronext: Moneyness – Options investing e-learning
- Options Clearing Corporation: Characteristics and Risks of Standardized Options
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.