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VDAX-NEW: Der Volatilitätsindex auf den DAX erklärt

von FNE-Redaktion

Der VDAX-NEW ist der Volatilitätsindex auf den DAX. Er misst, welche Schwankungsbreite die Marktteilnehmer für die nächsten 30 Kalendertage erwarten, abgeleitet aus den Preisen von DAX-Optionen an der Eurex. Der Index wird in Prozentpunkten angegeben und ist das deutsche Gegenstück zum VIX für den S&P 500. Steigt er, wird Absicherung teurer und die Märkte rechnen mit stärkeren Ausschlägen. Fällt er, herrscht Ruhe. Der Index wird heute von STOXX berechnet, einer Tochter der Deutschen Börse, und trägt das Kürzel V1X.

Definition: Erwartete statt vergangene Schwankung

Die Volatilität lässt sich auf zwei Arten messen. Die historische Volatilität beschreibt, wie stark ein Kurs in der Vergangenheit geschwankt hat. Die implizite Volatilität steckt dagegen in Optionspreisen und spiegelt die Erwartung für die Zukunft. Der VDAX-NEW gehört zur zweiten Gruppe. Er ist kein Kursindex, in den man direkt investieren kann, sondern eine Kennzahl, die aus vielen Optionspreisen zu einer einzigen Zahl verdichtet wird.

Der Zusatz NEW unterscheidet ihn vom ursprünglichen VDAX, der nur auf am Geld liegende Optionen zurückgriff und durch die heutige Methode abgelöst wurde. Sie wurde laut Indexleitfaden gemeinsam von Goldman Sachs und der Deutschen Börse entwickelt.

Berechnung

Grundlage sind alle an der Eurex verfügbaren DAX-Optionen, die am Geld oder aus dem Geld liegen. Aus ihnen wird ein Portfolio gebildet, das die erwartete Varianz des DAX über einen Zeitraum nachbildet. Weit aus dem Geld liegende Puts und Calls gehen mit einer Gewichtung ein, die vom Abstand ihres Basispreises abhängt. Aus der so ermittelten Varianz wird die Wurzel gezogen, das Ergebnis ist die erwartete annualisierte Schwankung in Prozent.

STOXX berechnet zunächst acht Subindizes für feste Laufzeiten von einem bis 24 Monaten. Der Hauptindex mit konstant 30 Tagen Restlaufzeit entsteht durch lineare Interpolation zwischen den beiden nächstgelegenen Subindizes. Laut Leitfaden gibt es weitere Hauptindizes für 60 bis 360 Tage. Aktualisiert wird minütlich während der Handelszeit der Eurex.

MerkmalVDAX-NEW
——
BasiswertDAX
DatengrundlageDAX-Optionen der Eurex
Zeithorizont Hauptindex30 Kalendertage, konstant
Kürzel / ISINV1X / DE000A0DMX99
BerechnungMinütlich während der Eurex-Handelszeit
IndexanbieterSTOXX, Deutsche Börse Group

Beispiel mit Zahlen

Weil der Index eine Jahresgröße ausdrückt, muss er für kürzere Zeiträume umgerechnet werden. Für einen Monat teilt man durch die Wurzel aus 12, für einen Handelstag durch die Wurzel aus 252. Ein VDAX-NEW von 21,6 entspricht damit einer erwarteten Monatsschwankung von etwa 6,24 Prozent und einer Tagesschwankung von rund 1,36 Prozent.

Steht der DAX bei angenommenen 19.380 Punkten, ergibt sich für die nächsten 30 Tage ein Band von ungefähr 1.208 Punkten nach oben und unten. Statistisch liegt der Index am Ende des Zeitraums in rund zwei von drei Fällen innerhalb dieser Spanne, sofern die Erwartung zutrifft.

VDAX-NEWErwartete TagesschwankungErwartete Monatsschwankung
———
14,3ca. 0,90 %ca. 4,13 %
21,6ca. 1,36 %ca. 6,24 %
37,9ca. 2,39 %ca. 10,94 %

Bedeutung für Anleger

  • Der VDAX-NEW zeigt, wie teuer Absicherung über DAX-Optionen gerade ist. Wer sein Depot mit Puts schützen möchte, wie im Beitrag zum Hedging beschrieben, zahlt bei hohen Werten deutlich mehr Prämie.
  • Sprunghafte Anstiege treten typischerweise in Verkaufsphasen auf. Volatilität und Kurse bewegen sich bei Aktienindizes meist gegenläufig.
  • Für Stillhalter, die Optionen verkaufen, sind hohe Werte attraktiv, weil die Prämien steigen. Mehr dazu unter Stillhaltergeschäfte.
  • Für den Euro Stoxx 50 gibt es mit dem VSTOXX einen vergleichbaren Index, auf den an der Eurex Futures und Optionen gehandelt werden. Für US-Indizes zeigt der VVIX zusätzlich, wie stark die Volatilität selbst schwankt.

Grenzen und Risiken

Der VDAX-NEW ist eine Erwartung, keine Prognose. Er kann Ruhephasen über lange Zeit fortschreiben und dann innerhalb weniger Tage stark ansteigen. Zudem enthält die implizite Volatilität meist eine Risikoprämie, weil Absicherungskäufer bereit sind, mehr zu zahlen, als die später tatsächlich eingetretene Schwankung rechtfertigen würde. Schließlich sagt der Index nichts über die Richtung aus. Ein hoher Wert bedeutet große erwartete Bewegungen, nicht zwingend fallende Kurse.

Typischer Verlauf über Marktphasen

Volatilitätsindizes haben eine Eigenschaft, die Aktienkurse nicht haben: Sie kehren über die Zeit zu einem mittleren Niveau zurück. Nach einem starken Anstieg in einer Krise fällt der VDAX-NEW meist wieder, sobald sich die Lage beruhigt. Umgekehrt halten sehr niedrige Werte selten dauerhaft. Typisch ist zudem ein asymmetrisches Muster: Der Index steigt in Verkaufsphasen sprunghaft, sinkt in Erholungsphasen aber nur allmählich. Wer den Verlauf beobachten möchte, findet ihn auf den Seiten des Indexanbieters, ergänzende Stimmungsindikatoren beschreibt der Beitrag zum Fear-and-Greed-Index.

Fazit

Der VDAX-NEW übersetzt die Preise von DAX-Optionen in eine einzige Kennzahl für die erwartete Schwankung der kommenden 30 Tage. Er eignet sich als Stimmungsbarometer und als Maßstab für die Kosten von Absicherung. Wer den Wert durch die Wurzel aus 12 oder 252 teilt, erhält eine greifbare Vorstellung von der erwarteten Monats- oder Tagesbewegung.

Fragen und Antworten

Was misst der VDAX-NEW?

Die vom Optionsmarkt erwartete annualisierte Schwankung des DAX über die nächsten 30 Kalendertage, ausgedrückt in Prozentpunkten.

Was ist ein hoher VDAX-Wert?

Werte unter etwa 15 gelten als ruhig, Werte über 30 deuten auf starke Verunsicherung hin. Welche Werte als normal gelten, hängt jedoch vom Marktumfeld ab.

Kann man den VDAX-NEW kaufen?

Nicht direkt. Der Index ist eine Rechengröße. Am Markt werden Optionen auf den DAX gehandelt, aus deren Preisen er berechnet wird.

Was unterscheidet den VDAX-NEW vom VIX?

Die Methode ist ähnlich, der Basiswert verschieden. Der VDAX-NEW bezieht sich auf DAX-Optionen der Eurex, der VIX auf Optionen auf den S&P 500 an der Cboe.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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