Was in amerikanischen Städten seit Jahren Alltag ist, kommt nach Deutschland: Taxis ohne Fahrer. Die Google-Schwester Waymo plant einen kommerziellen Robotaxi-Dienst in München, in Hamburg fahren bereits autonome Fahrzeuge mit Fahrgästen. Deutschland wird damit zu einem der ersten Märkte in Europa.
Wer wo startet
| Anbieter | Stadt | Stand |
|---|---|---|
| Waymo | München | kommerzieller Dienst geplant |
| Moia (Volkswagen) | Hamburg | autonomes Ridepooling mit Fahrgästen im Test, Regelbetrieb ohne Sicherheitsfahrer für Ende 2026 geplant |
| Uber mit Momenta | München | Tests auf Level 4 für 2026 angekündigt |
| Lyft mit Baidu | Deutschland | Markteintritt für 2026 angekündigt |
Auffällig: München zieht gleich mehrere Anbieter an. Gründe sind die Infrastruktur, eine technikaffine Bevölkerung und eine Landesregierung, die dem Thema offen gegenübersteht.
Was Level 4 bedeutet
Die Anbieter sprechen von autonomem Fahren auf Stufe 4. Das Fahrzeug übernimmt in einem festgelegten Gebiet vollständig die Steuerung. Ein Mensch am Steuer ist nicht mehr vorgesehen, außerhalb des Gebiets fährt das Auto aber nicht.
Genau so baut Waymo seine Dienste seit Jahren auf: erst ein klar umrissenes Stadtgebiet zuverlässig beherrschen, dann schrittweise erweitern.
Wie die Deutschen dazu stehen
Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom würden 56 Prozent der Deutschen ein autonomes Taxi nutzen. Die Akzeptanz ist damit höher, als viele erwarten würden. Ob sie im Alltag hält, zeigt sich erst, wenn die Fahrzeuge tatsächlich unterwegs sind.
Offene Fragen
Haftung. Wer zahlt, wenn ein fahrerloses Fahrzeug einen Unfall verursacht? Deutschland hat dafür einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, die Praxis wird ihn erst erproben.
Überwachung. Robotaxis werden aus der Ferne überwacht. Wie viele Fahrzeuge ein Mensch gleichzeitig betreuen darf, ist eine der zentralen Sicherheitsfragen.
Taxigewerbe. Für klassische Taxibetriebe entsteht ein Wettbewerber, der ohne Personalkosten fährt.
Was das für Anleger bedeutet
Robotaxis sind extrem kapitalintensiv. Waymo sammelte Anfang 2026 weitere 16 Milliarden Dollar ein. Ein profitables Geschäft entsteht erst, wenn die Fahrzeuge in großer Zahl ohne Sicherheitspersonal unterwegs sind.
In Deutschland ist vor allem Volkswagen über seine Tochter Moia beteiligt, auch Mercedes-Benz arbeitet an einem eigenen Angebot. Profitieren könnten zudem Zulieferer von Sensoren und Chips wie Nvidia.
Fazit
Deutschland wird 2026 vom Testgelände zum Markt für fahrerlose Fahrdienste. Der Schritt ist kleiner, als er klingt – ein Stadtgebiet, wenige Fahrzeuge –, aber er ist der Anfang.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der Moment entscheidend, in dem der Sicherheitsfahrer aussteigt. Erst dann entfallen die Personalkosten, und erst dann wird aus einem Technologieprojekt ein Geschäftsmodell.
Stand: 21. September 2026. Angaben nach Herstellerinformationen und Medienberichten, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.