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Discounted Cash Flow: So funktioniert die DCF-Methode Schritt für Schritt

von FNE-Redaktion

Das Discounted-Cash-Flow-Verfahren, kurz DCF, bestimmt den Wert eines Unternehmens als Summe aller künftigen freien Cashflows, die auf den heutigen Tag abgezinst werden. Analysten, Wirtschaftsprüfer und Investmentbanken nutzen die Methode bei Übernahmen, Fairness Opinions und Kurszielen. Auch in der Rechnungslegung taucht sie auf: Der Nutzungswert beim Werthaltigkeitstest nach IAS 36 beruht ebenfalls auf abgezinsten Zahlungsströmen.

Die mathematische Grundlage, also das Abzinsen einzelner Zahlungen, erklärt der Beitrag zum Barwert. Hier geht es um den Aufbau eines vollständigen Modells: von der Planung der Cashflows über den Restwert bis zum Wert je Aktie.

Definition: Was ein DCF-Modell berechnet

Ein Unternehmen ist aus Sicht seiner Kapitalgeber so viel wert, wie es ihnen künftig an Geld zur Verfügung stellen kann. Maßgeblich ist deshalb nicht der Gewinn, sondern der freie Cashflow: das Geld, das nach Steuern, Investitionen und dem Aufbau von Vorräten und Forderungen übrig bleibt. Weil ein Euro in fünf Jahren weniger wert ist als ein Euro heute, wird jeder künftige Betrag mit einem Kapitalkostensatz abgezinst.

In der Praxis haben sich zwei Varianten etabliert. Das Entity-Verfahren (Bruttoverfahren) zinst die Cashflows an alle Kapitalgeber mit den gewichteten Kapitalkosten ab und zieht danach die Nettofinanzschulden ab. Das Equity-Verfahren (Nettoverfahren) betrachtet nur die Zahlungen an die Aktionäre und zinst sie mit den Eigenkapitalkosten ab. In Deutschland beschreibt der Bewertungsstandard IDW S 1 des Instituts der Wirtschaftsprüfer beide Wege. Das Beispiel unten folgt dem verbreiteten Entity-Ansatz.

Funktionsweise in vier Schritten

  • Planung: Für meist fünf bis zehn Jahre werden Umsatz, operatives Ergebnis, Investitionen und Working Capital einzeln geplant.
  • Freier Cashflow: Aus dem operativen Ergebnis nach Steuern (NOPAT) werden Abschreibungen addiert, Investitionen und der Anstieg des Working Capitals abgezogen.
  • Restwert: Für die Zeit nach dem Planungshorizont wird ein Endwert (Terminal Value) angesetzt.
  • Überleitung: Die Summe der Barwerte ergibt den Gesamtunternehmenswert (Enterprise Value). Abzüglich Nettofinanzschulden entsteht der Wert des Eigenkapitals, geteilt durch die Aktienzahl der Wert je Aktie.

Als Abzinsungssatz dient im Entity-Verfahren der WACC, also die gewichteten Kosten von Eigen- und Fremdkapital. Wie er sich zusammensetzt, ist dort ausführlich beschrieben.

Der freie Cashflow im ersten Planjahr

Für die fiktive Halvorsen Pumpentechnik AG sieht die Herleitung des ersten Planjahres so aus (Werte in Mio. Euro):

PositionWert
Operatives Ergebnis (EBIT)52,3
− Steuern auf das EBIT (angenommen 30 %)−15,69
= NOPAT36,61
+ Abschreibungen14,2
− Investitionen (Capex)−16,8
− Anstieg des Working Capitals−2,6
= Freier Cashflow (FCFF)31,41

Die Größe entspricht dem Konzept des Free Cashflow, allerdings vor Zinszahlungen, weil diese im Entity-Verfahren über den Kapitalkostensatz erfasst werden.

Beispiel: ein vollständiges Fünf-Jahres-Modell

Für die folgenden Jahre plant das Modell steigende Cashflows. Der WACC liegt bei 7,9 Prozent, die ewige Wachstumsrate nach dem fünften Jahr bei 1,6 Prozent. Die Nettofinanzschulden betragen 87,3 Mio. Euro, ausstehend sind 14,2 Mio. Aktien.

JahrFreier CashflowAbzinsungsfaktor bei 7,9 %Barwert
131,40,926829,10
233,90,858929,12
336,20,796028,82
437,80,737827,89
539,10,683726,73
Summe141,66

Der Restwert wird mit der ewigen Rente nach Gordon berechnet: Cashflow des sechsten Jahres geteilt durch die Differenz aus Kapitalkosten und Wachstumsrate. Das ergibt 39,1 × 1,016 ÷ (0,079 − 0,016) = 630,57 Mio. Euro zum Ende von Jahr 5. Abgezinst auf heute sind das 431,14 Mio. Euro.

Damit setzt sich der Wert so zusammen:

  • Gesamtunternehmenswert: 141,66 + 431,14 = 572,80 Mio. Euro
  • Wert des Eigenkapitals: 572,80 − 87,3 = 485,50 Mio. Euro
  • Wert je Aktie: 485,50 ÷ 14,2 = 34,19 Euro

Auffällig ist der Anteil des Restwerts: Gut 75 Prozent des Unternehmenswerts entfallen auf die Zeit nach dem fünften Jahr. Das ist bei DCF-Modellen die Regel und zugleich ihre größte Schwachstelle.

Restwert: ewige Rente oder Multiplikator

Statt der ewigen Rente nutzen viele Analysten einen Exit-Multiplikator. Dabei wird der Restwert als Vielfaches einer Ergebnisgröße angesetzt, häufig des EBITDA. Erwartet das Modell für Jahr 5 ein EBITDA von 61,5 Mio. Euro und unterstellt ein Vielfaches von 8,4, ergibt sich ein Restwert von 516,6 Mio. Euro. Abgezinst sind das 353,22 Mio. Euro, der Wert je Aktie sinkt auf 28,70 Euro.

Beide Wege sollten zueinander passen. Weichen sie stark voneinander ab, steckt in einer der Annahmen ein Widerspruch, etwa eine Wachstumsrate, die zum unterstellten Multiplikator nicht passt. Der Multiplikator holt zudem die aktuelle Börsenbewertung vergleichbarer Firmen ins Modell, die eigentlich unabhängige Methode wird damit teilweise zur Vergleichsbewertung.

Sensitivität: wie stark die Annahmen wirken

Kleine Änderungen bei Kapitalkosten und Wachstumsrate verschieben das Ergebnis erheblich. Die Tabelle zeigt den Wert je Aktie der Halvorsen AG bei unveränderten Planzahlen:

WACC / Wachstum1,1 %1,6 %2,1 %
6,9 %38,49 €41,92 €46,06 €
7,9 %31,82 €34,19 €36,97 €
8,9 %26,86 €28,58 €30,55 €

Zwischen der vorsichtigsten und der optimistischsten Kombination liegen mehr als 19 Euro je Aktie. Seriöse Bewertungen weisen deshalb immer eine Bandbreite aus und keinen einzelnen Wert.

Bedeutung für Anleger

Für Privatanleger ist das eigene DCF-Modell weniger ein Werkzeug zur exakten Wertbestimmung als ein Prüfstein. Rechnet man den aktuellen Börsenkurs rückwärts, zeigt sich, welches Wachstum der Markt bereits einpreist. Ein Kurs, der nur mit zweistelligen Wachstumsraten über Jahrzehnte zu rechtfertigen wäre, verlangt viel Vertrauen in die Zukunft.

Nützlich ist die Methode auch beim Lesen von Analystenstudien und Übernahmeangeboten. Wer weiß, dass drei Viertel des Ergebnisses am Restwert hängen, achtet auf die dort unterstellten Annahmen. Wie sich ein DCF-Wert mit Multiplikatoren und Substanzwert vergleichen lässt, zeigt der Beitrag über unterbewertete Aktien.

Grenzen und Risiken

  • Prognoseunsicherheit: Fünf Jahre Planung sind bei zyklischen oder jungen Unternehmen kaum belastbar.
  • Restwertdominanz: Der größte Wertanteil beruht auf der Annahme eines dauerhaften Gleichgewichts.
  • Zirkularität: Der WACC hängt von der Kapitalstruktur zu Marktwerten ab, die erst das Modell liefert.
  • Banken und Versicherer: Bei Finanzunternehmen ist Fremdkapital Rohstoff des Geschäfts, hier passen Dividendendiskontierung oder Ertragswertverfahren besser.
  • Scheingenauigkeit: Zwei Nachkommastellen beim Ergebnis täuschen eine Präzision vor, die die Eingaben nicht hergeben.

Fazit

Die DCF-Methode übersetzt Erwartungen über künftige Zahlungsströme in einen heutigen Wert. Ihre Stärke liegt in der Transparenz: Jede Annahme steht offen im Modell und lässt sich prüfen. Ihre Schwäche liegt darin, dass das Ergebnis so gut ist wie die Annahmen zu Wachstum, Margen und Kapitalkosten. Sinnvoll eingesetzt, liefert sie eine Bandbreite und zeigt, welche Erwartungen ein Kurs bereits enthält.

Fragen und Antworten

Was bedeutet Discounted Cash Flow?

Übersetzt heißt es abgezinster Zahlungsstrom. Künftige freie Cashflows werden mit einem Kapitalkostensatz auf den heutigen Zeitpunkt umgerechnet und addiert.

Welcher Zinssatz wird im DCF-Modell verwendet?

Im Entity-Verfahren der WACC, also die gewichteten Kosten von Eigen- und Fremdkapital. Im Equity-Verfahren nur die Eigenkapitalkosten.

Warum ist der Terminal Value so wichtig?

Er erfasst alle Cashflows nach dem Planungszeitraum. Bei üblichen Annahmen macht er oft zwei Drittel bis drei Viertel des Unternehmenswerts aus.

Ist das DCF-Verfahren für jede Aktie geeignet?

Nein. Für Banken, Versicherer und Unternehmen ohne verlässliche Cashflows sind andere Verfahren oder Multiplikatoren meist aussagekräftiger.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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