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Stillhaltergeschäfte: Optionen verkaufen, Prämien kassieren, Pflichten tragen

von FNE-Redaktion

Stillhaltergeschäfte sind Geschäfte, bei denen ein Anleger Optionen verkauft, statt sie zu kaufen. Er erhält sofort eine Prämie und verpflichtet sich im Gegenzug, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu liefern oder abzunehmen, falls der Käufer der Option sein Recht ausübt. Der Name beschreibt die Rolle: Der Verkäufer hält still und wartet, ob die Gegenseite ausübt. Er hat kein Wahlrecht, sondern nur eine Pflicht, für die er bezahlt wird.

Definition: Wer bei einer Option welche Rolle hat

Jede börsengehandelte Option hat zwei Seiten. Der Käufer (Long) zahlt die Prämie und erwirbt ein Recht: bei einer Call-Option das Recht zu kaufen, bei einer Put-Option das Recht zu verkaufen. Der Verkäufer (Short), auch Schreiber oder Stillhalter genannt, erhält die Prämie und trägt die spiegelbildliche Pflicht. Für den Stillhalter ist der Gewinn auf die Prämie begrenzt, der mögliche Verlust dagegen je nach Variante groß bis theoretisch unbegrenzt.

Die Prämie besteht aus innerem Wert und Zeitwert. Der Zeitwert nimmt bis zum Verfall ab, und zwar umso schneller, je näher der Verfallstag rückt. Dieser Zeitwertverfall ist die eigentliche Ertragsquelle des Stillhalters. Umgekehrt verliert er, wenn sich der Basiswert stark bewegt oder die erwartete Schwankung steigt, weil beides den Optionspreis erhöht.

Die Varianten im Überblick

VariantePositionAbsicherungMaximaler Verlust
Gedeckter Call (Covered Call)Call verkauft, Aktien im DepotAktien decken die LieferpflichtKursverlust der Aktie abzüglich Prämie
Gedeckter Put (Cash-Secured Put)Put verkauft, Geld reserviertLiquidität deckt die AbnahmepflichtBasispreis minus Prämie
Short Call ungedecktCall verkauft, keine AktienMargintheoretisch unbegrenzt
Short Put mit MarginPut verkauft, nur SicherheitsleistungMarginBasispreis minus Prämie, Hebel möglich
Short StrangleCall und Put verkauftMarginauf beiden Seiten groß

Die Einzelheiten zum Verkauf eines Puts und eines Calls stehen in den jeweiligen Beiträgen. Hier geht es um die gemeinsame Logik, die Abwicklung und die steuerliche Behandlung.

Beispiel: Gedeckter Call auf ein bestehendes Depot

Ein Anleger hält 300 Aktien der fiktiven Weserbrück Chemie AG, die bei 41,85 € notiert. Er verkauft drei Call-Kontrakte mit je 100 Aktien, Basispreis 46 € und 91 Tagen Laufzeit, zu einer Prämie von 0,94 € je Aktie. Ihm fließen 282 € vor Gebühren zu, das entspricht 2,25 % des Aktienwerts für ein Quartal. Die Tabelle zeigt das Ergebnis am Verfallstag im Vergleich zum bloßen Halten der Aktien.

Kurs am VerfallErgebnis AktienErgebnis CallsGesamt mit StillhaltergeschäftNur Aktien
38,20 €−1.095,00 €+282,00 €−813,00 €−1.095,00 €
44,10 €+675,00 €+282,00 €+957,00 €+675,00 €
49,75 €+2.370,00 €−843,00 €+1.527,00 €+2.370,00 €

Bei fallenden und seitwärts laufenden Kursen verbessert die Prämie das Ergebnis. Steigt die Aktie über den Basispreis, ist der Gewinn auf 1.527 € gedeckelt: Kursanstieg bis 46 € plus Prämie. Der Anleger muss die Aktien dann zu 46 € liefern, auch wenn sie am Markt mehr wert sind. Die Gewinnschwelle gegenüber dem Einstand liegt bei 40,91 €, also beim aktuellen Kurs abzüglich Prämie. Das Stillhaltergeschäft tauscht also einen Teil der Chance gegen einen kleinen Puffer nach unten.

Sicherheiten, Ausübung und Andienung

Wer Optionen verkauft, muss Sicherheiten stellen, die sogenannte Margin. An der Terminbörse Eurex berechnet die Clearingstelle die Sicherheiten auf Portfolioebene mit dem Verfahren Eurex Clearing Prisma, das mögliche Verluste in Stressszenarien schätzt. Privatanleger haben es allerdings nicht direkt mit der Clearingstelle zu tun, sondern mit ihrem Broker, der eigene, oft strengere Anforderungen festlegt. Steigen die Verluste der Position, verlangt der Broker zusätzliche Sicherheiten. Kann der Anleger sie nicht stellen, wird die Position zwangsweise geschlossen, häufig zu ungünstigen Preisen.

Bei Optionen amerikanischer Art kann der Käufer jederzeit bis zum Verfall ausüben, bei europäischer Art nur am Verfallstag. Aktienoptionen an der Eurex sind überwiegend amerikanisch ausgestaltet. Wird ausgeübt, lost die Clearingstelle aus, welcher Stillhalter liefern oder abnehmen muss. Diese Zuteilung heißt Andienung. Besonders vor Dividendenterminen steigt bei Calls im Geld die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Ausübung. Wer das vermeiden will, kann die Position vorher durch ein Gegengeschäft glattstellen, also dieselbe Option zurückkaufen. Die Grundlagen zum Ablauf einer Order beschreibt der Beitrag Optionen handeln.

Steuern auf Stillhalterprämien

In Deutschland sind Stillhalterprämien Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG. Sie werden im Zeitpunkt des Zuflusses besteuert, also beim Verkauf der Option, und unterliegen der Abgeltungsteuer. Wird die Position später durch Rückkauf glattgestellt, mindert die dafür gezahlte Prämie die Einkünfte. Verfällt die Option wertlos, bleibt die Prämie vollständig steuerpflichtig. Wird ausgeübt, gehen die Folgen in das Aktiengeschäft über: Beim gedeckten Call entsteht ein Veräußerungsgeschäft zum Basispreis, beim Put ein Kauf mit dem Basispreis als Anschaffungskosten.

Bis 2024 galt für Verluste aus Termingeschäften eine eigene Verrechnungsbeschränkung. Der Bundestag hat sie mit dem Jahressteuergesetz 2024 aufgehoben; Verluste aus Termingeschäften lassen sich seitdem mit allen positiven Kapitalerträgen verrechnen. Einzelheiten zur Anwendung im konkreten Fall klärt die Steuerberatung.

Bedeutung für Anleger

Stillhaltergeschäfte verändern das Profil eines Depots: Sie bringen regelmäßige, planbare Einnahmen, begrenzen aber die Gewinnchancen und können bei starken Kursbewegungen hohe Verluste verursachen. Der gedeckte Call eignet sich eher für Anleger, die eine Aktie ohnehin halten und einen Verkauf zu einem höheren Kurs akzeptieren würden. Der gedeckte Put passt zu jemandem, der eine Aktie zu einem niedrigeren Preis kaufen möchte und das Geld dafür bereithält. Ungedeckte Varianten setzen Erfahrung, ausreichend Kapital und ein klares Risikomanagement voraus.

Grenzen und Risiken

  • Asymmetrie: Der Ertrag ist auf die Prämie begrenzt, Verluste können ein Vielfaches davon betragen.
  • Kurslücken: Ein Kurssturz über Nacht trifft Stillhalter von Puts mit voller Wucht, ohne dass eine Reaktion möglich ist.
  • Volatilitätsanstieg: Steigt die erwartete Schwankung, etwa ablesbar am VIX, verteuern sich Optionen, und Short-Positionen geraten ins Minus, auch ohne Kursbewegung.
  • Nachschusspflicht: Bei ungedeckten Positionen können zusätzliche Sicherheiten kurzfristig fällig werden.
  • Entgangene Gewinne: Beim gedeckten Call bleiben starke Kursanstiege oberhalb des Basispreises aus.

Fazit

Stillhaltergeschäfte bedeuten, Optionen zu verkaufen und für eine Pflicht bezahlt zu werden. Die Ertragsquelle ist der Zeitwertverfall, das Risiko liegt in starken Bewegungen des Basiswerts. Gedeckte Varianten begrenzen das Risiko auf das, was ein Anleger mit Aktien oder Geld bereits abdeckt, ungedeckte arbeiten mit Margin und Hebel. Prämien sind beim Zufluss steuerpflichtig, Glattstellungskosten mindern sie.

Fragen und Antworten

Was ist ein Stillhalter?

Der Verkäufer einer Option. Er erhält die Prämie und muss liefern oder abnehmen, wenn der Käufer seine Option ausübt.

Welches Stillhaltergeschäft hat das geringste Risiko?

Unter den gängigen Varianten gelten gedeckte Positionen als überschaubarer, weil Aktien oder Geld die Pflicht vollständig abdecken. Das Kursrisiko der Aktie bleibt aber bestehen.

Wann wird eine Stillhalterprämie versteuert?

Im Jahr des Zuflusses, also beim Verkauf der Option. Spätere Glattstellungskosten mindern den steuerpflichtigen Betrag.

Was passiert bei Andienung?

Die Clearingstelle teilt die Ausübung einem Stillhalter zu. Er muss dann den Basiswert zum Basispreis liefern (Call) oder abnehmen (Put).

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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