gettex: Der Handelsplatz vieler Neobroker

gettex ist einer der Handelsplätze, über die Neobroker ihre Kunden leiten. Wer bei Scalable Capital oder finanzen.net zero eine Order aufgibt, handelt in der Regel hier – ohne Börsengebühr, dafür zu den Preisen eines Market Makers.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇩🇪 Deutschland
BetreiberBayerische Börse AG, München
Handelszeiten7:30 bis 23:00 Uhr
Market MakerBaader Bank
Börsengebührkeine
BesonderheitHandelsplatz vieler Neobroker

Wie gettex funktioniert

Anders als bei Xetra treffen hier nicht viele Kauf- und Verkaufsaufträge aufeinander. Stattdessen stellt ein Market Maker – die Baader Bank – fortlaufend Preise, zu denen er bereit ist zu kaufen und zu verkaufen. Der Anleger handelt also gegen diesen einen Partner.

Das Geschäftsmodell erklärt, warum keine Börsengebühr anfällt: Der Market Maker verdient an der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Für den Anleger ist das nicht automatisch teurer, solange die Spanne eng bleibt.

Vorteile und Grenzen

VorteilGrenze
keine BörsengebührPreis kommt von einem einzigen Anbieter
lange Handelszeiten bis 23 Uhrabends breitere Spannen, weil Xetra als Referenz fehlt
schnelle Ausführungbei sehr großen Orders ungünstiger als das Orderbuch
breites Angebot an Aktien und ETFsweniger Nebenwerte als an den Regionalbörsen

gettex im Vergleich zu anderen Neobroker-Plätzen

Neben gettex nutzen Neobroker vor allem LS Exchange und Tradegate. Die Unterschiede sind für Anleger überschaubar, aber vorhanden.

HandelsplatzMarket MakerHandelszeitBesonderheit
gettexBaader Bank7:30 bis 23:00 Uhrkeine Börsengebühr, großes ETF-Angebot
LS ExchangeLS Tradecenter7:30 bis 23:00 Uhrunter Aufsicht der Börse Hamburg
Tradegate BSXTradegate AG8:00 bis 22:00 Uhreigene Börse, sehr hohe Umsätze

Welcher Platz angeboten wird, entscheidet der Broker, nicht der Kunde. Bei manchen Anbietern lässt sich zwischen mehreren wählen – dann lohnt ein Blick auf die Spanne zum jeweiligen Zeitpunkt.

Wer hinter gettex steht

Betreiber ist die Bayerische Börse in München, die auch den klassischen Parketthandel der Börse München verantwortet. gettex entstand 2015 als eigenes Segment mit dem Ziel, gebührenfreien Handel anzubieten und damit Umsätze von den etablierten Plätzen abzuziehen – ein Modell, das mit dem Aufstieg der Neobroker aufging.

Worauf Anleger achten sollten

Innerhalb der Xetra-Zeiten handeln. Zwischen 9 und 17:30 Uhr orientiert sich der Market Maker am Referenzkurs, die Spannen sind dann am engsten.

Limit setzen. Gerade bei Orders am Abend schützt ein Limit vor Ausführungen zu unerwarteten Kursen – Grundlagen im Beitrag Aktien kaufen.

Spanne vergleichen. Bei wenig gehandelten Werten lohnt der Blick auf den Xetra-Kurs, bevor man bei gettex zuschlägt.

Häufige Fragen

Ist gettex eine echte Börse?

Ja. gettex ist ein Handelssegment der Bayerischen Börse und unterliegt damit der Börsenaufsicht – anders als reiner außerbörslicher Direkthandel.

Warum ist der Handel dort kostenlos?

Die Börse verzichtet auf ein Entgelt, der Market Maker verdient an der Spanne. Für Broker ist das attraktiv, weil sie ihren Kunden günstige Konditionen anbieten können.

Welche Broker gettex nutzen

gettex ist kein Platz, den man frei wählt – der Broker entscheidet. Mehrere große Neobroker leiten ihre Orders dorthin, teils ausschließlich, teils als eine von mehreren Optionen.

Für Anleger heißt das: Wer einen bestimmten Handelsplatz bevorzugt, muss das schon bei der Brokerwahl berücksichtigen. Welche Anbieter welche Plätze führen, steht in den Porträts auf der Seite Broker.

Wie die Preise zustande kommen

Der Market Maker berechnet seine Kurse laufend neu. Grundlage sind die Preise an den Referenzmärkten, vor allem Xetra, dazu Angebot und Nachfrage auf der eigenen Plattform sowie das Risiko, das er mit der Position eingeht.

EinflussfaktorWirkung auf die Spanne
Handelszeitwährend der Xetra-Zeiten am engsten
Liquidität des PapiersStandardwerte eng, Nebenwerte breiter
Marktlagein turbulenten Phasen deutlich breiter
Ordergrößesehr große Orders erhalten schlechtere Kurse

Ein Rechenbeispiel: Beträgt die Spanne bei einem ETF zwei Cent auf einen Kurs von 100 Euro, kostet der Handel rechnerisch 0,02 Prozent. Bei einer Order über 1.000 Euro sind das 20 Cent – deutlich weniger als ein Handelsplatzentgelt von mehreren Euro. Bei einem Nebenwert mit 50 Cent Spanne dreht sich das Verhältnis um.

Sparpläne über gettex

Viele Broker führen auch ETF- und Aktiensparpläne über gettex aus, meist zu festen Zeitpunkten im Monat. Der Vorteil sind die geringen Kosten, der Nachteil die fehlende Wahlmöglichkeit beim Ausführungszeitpunkt.

Für langfristige Sparer spielt das kaum eine Rolle: Über Jahre gleichen sich Ausführungszeitpunkte aus. Mehr dazu im Beitrag zum ETF-Sparplan.

Aufsicht und Sicherheit

Als Börsensegment untersteht gettex der Börsenaufsicht des Freistaats Bayern und der Handelsüberwachungsstelle. Diese prüft auffällige Geschäfte und kann Kurse im Nachhinein aufheben, wenn sie offensichtlich fehlerhaft zustande kamen – ein sogenannter Mistrade.

Beim rein außerbörslichen Direkthandel gibt es diese Instanz nicht; dort gelten die Geschäftsbedingungen des jeweiligen Handelspartners. Wie die Aufsicht in Deutschland insgesamt organisiert ist, erklärt der Beitrag zur BaFin.

Was bei Störungen passiert

Jeder Handelsplatz kann ausfallen. Fällt das System aus oder stellt der Market Maker vorübergehend keine Kurse, können Broker Orders nicht ausführen. Bei Anbietern, die nur einen einzigen Handelsplatz anbinden, bedeutet das: Der Handel ruht.

Wer das vermeiden will, wählt einen Broker mit mehreren Handelsplätzen im Angebot. Das kostet meist etwas mehr pro Order, schafft aber eine Ausweichmöglichkeit – gerade in turbulenten Marktphasen, in denen viele gleichzeitig handeln wollen.

Welche Papiere handelbar sind

GattungAngebot bei gettex
Aktiensehr breit, deutsche und internationale Standardwerte
ETFsgroßes Angebot der gängigen Anbieter
Anleiheneingeschränkt, Schwerpunkt liegt woanders
Zertifikate und Optionsscheineumfangreich, viele Emittenten
Fondsbegrenzt

Wer Anleihen oder ausgefallene Nebenwerte sucht, ist an der Börse Frankfurt oder bei den Regionalbörsen besser aufgehoben.

Geschichte der Bayerischen Börse

Die Börse München geht auf das Jahr 1830 zurück und war lange eine klassische Regionalbörse mit Parketthandel. Wie die anderen Regionalbörsen verlor sie mit der Elektronisierung an Bedeutung – der Aktienhandel wanderte nach Frankfurt.

2015 startete die Trägergesellschaft mit gettex ein zweites Standbein: ein elektronisches Segment ohne Börsengebühr, ausgerichtet auf Privatanleger und deren Broker. Mit dem Aufstieg der Neobroker ab 2019 wurde daraus einer der umsatzstärksten Handelsplätze Deutschlands – ein bemerkenswerter Weg für ein Haus, das zuvor kaum noch eine Rolle spielte.

Einordnung

gettex ist für Standardwerte und ETFs eine praktische Wahl, besonders bei kleinen Ordergrößen. Wer große Beträge bewegt oder Nebenwerte handelt, fährt im Orderbuch von Xetra meist besser.

Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Übersicht Handelsplätze.

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Stand: September 2026. Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

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