US-Staatsanleihen sind das Fundament des weltweiten Finanzsystems. Mit ihnen finanziert die amerikanische Regierung ihre Ausgaben, an ihren Renditen orientieren sich Kreditzinsen, Anleihekurse und Aktienbewertungen rund um den Globus. Notenbanken halten sie als Währungsreserve, Banken als Sicherheit, Fonds als vermeintlich sicheren Hafen. Dieser Ratgeber erklärt, welche Arten von US-Staatsanleihen es gibt, wie hoch die Renditen aktuell sind, wer sie besitzt, welche Risiken deutsche Anleger kennen sollten und wie man US-Staatsanleihen kaufen kann.
Was sind US-Staatsanleihen?
US-Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen des US-Finanzministeriums (Department of the Treasury). Wer sie kauft, leiht dem amerikanischen Staat Geld und erhält dafür Zinsen sowie am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück. Im Fachjargon heißen sie „Treasuries“. Grundsätzlich funktionieren sie wie jede andere Anleihe: Es gibt einen Nennwert, einen Kupon (Zinssatz) und eine feste Laufzeit. Ausgegeben werden sie über regelmäßige Auktionen, anschließend werden sie am Sekundärmarkt gehandelt.
Die Dimensionen sind gewaltig. Die gesamte Staatsverschuldung der USA lag laut US-Finanzministerium Anfang Oktober 2026 bei rund 40,3 Billionen US-Dollar. Davon werden rund 32,5 Billionen US-Dollar von Investoren außerhalb der Bundesverwaltung gehalten. Der Rest liegt in staatlichen Treuhandfonds, etwa der Sozialversicherung. Der frei handelbare Teil des Marktes umfasste Ende 2025 rund 28,9 Billionen US-Dollar. Mehr zur Finanzlage der Vereinigten Staaten zeigt unser Finanzprofil USA.
Die Arten: Bills, Notes, Bonds und TIPS
Treasuries unterscheiden sich vor allem nach Laufzeit und Zinsmechanik. Für Anleger ist das wichtig, weil kurze und lange Laufzeiten sehr unterschiedlich auf Zinsänderungen reagieren.
| Typ | Laufzeit | Verzinsung |
|---|---|---|
| Treasury Bills (T-Bills) | bis 52 Wochen | kein Kupon, Kauf mit Abschlag (Abzinsung), Rückzahlung zum Nennwert |
| Treasury Notes (T-Notes) | 2, 3, 5, 7 und 10 Jahre | fester Kupon, halbjährliche Zinszahlung |
| Treasury Bonds (T-Bonds) | 20 und 30 Jahre | fester Kupon, halbjährliche Zinszahlung |
| TIPS (inflationsgeschützt) | 5, 10 und 30 Jahre | Nennwert wird an die US-Inflation angepasst, Kupon auf den angepassten Nennwert |
| Floating Rate Notes (FRN) | 2 Jahre | variabler Zins, gekoppelt an die Rendite dreimonatiger T-Bills |
Umgangssprachlich wird oft von „US-Bonds“ gesprochen, auch wenn Notes gemeint sind. Die bekannteste Kennzahl ist die Rendite der zehnjährigen T-Note, die als weltweiter Referenzzins gilt.
US-Staatsanleihen: Renditen aktuell
Die Rendite einer Anleihe ergibt sich aus Kupon und Kurs. Steigt der Kurs, sinkt die Rendite und umgekehrt. Das US-Finanzministerium veröffentlicht täglich die Renditen für alle Standardlaufzeiten. Die Werte vom 16. Oktober 2026:
| Laufzeit | Rendite in % p. a. (USD) |
|---|---|
| 3 Monate | 4,26 |
| 6 Monate | 4,34 |
| 1 Jahr | 4,46 |
| 2 Jahre | 4,74 |
| 5 Jahre | 4,89 |
| 10 Jahre | 5,09 |
| 20 Jahre | 5,47 |
| 30 Jahre | 5,43 |
Quelle: U.S. Department of the Treasury, Daily Treasury Par Yield Curve Rates, Stand 16.10.2026.
Die Renditen liegen damit auf dem höchsten Niveau seit vielen Jahren. Die Zehnjährige ist seit Ende Februar 2026 von rund 4 auf über 5 Prozent gestiegen und erreichte im Oktober zwischenzeitlich 5,35 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Längere Laufzeiten rentieren deutlich höher als kurze. Diese steile Zinsstrukturkurve zeigt, dass Anleger für lange Bindungsdauern einen deutlichen Aufschlag verlangen, etwa wegen Inflationssorgen und der hohen Neuverschuldung.
Wovon die Renditen abhängen
Am kurzen Ende bestimmt vor allem die Geldpolitik der US-Notenbank Fed das Zinsniveau. Ihr Leitzins liegt seit der Erhöhung vom 16. September 2026 in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Die nächste Entscheidung fällt am 28. Oktober 2026, mehr dazu im Beitrag zum Fed-Zinsentscheid.
Am langen Ende spielen weitere Faktoren mit: die Inflationserwartungen, das Wirtschaftswachstum, die Höhe der Staatsdefizite und damit das Angebot an neuen Anleihen sowie die Nachfrage großer Käufer. Steigt die Verschuldung schneller als die Nachfrage, müssen höhere Renditen geboten werden, um Käufer zu finden.
Wer hält US-Staatsanleihen?
Der größte Teil der Treasuries liegt bei amerikanischen Investoren: Banken, Pensionsfonds, Versicherungen, Investmentfonds, Privatanleger und die Fed selbst. Ausländische Investoren hielten laut dem Treasury International Capital System (TIC) im Juni 2026 rund 9,29 Billionen US-Dollar.
| Größte ausländische Halter | Bestand Juni 2026 (Mrd. USD) |
|---|---|
| Japan | 1.116,7 |
| Großbritannien | 939,9 |
| China (Festland) | 633,4 |
| Kaimaninseln | 453,1 |
Quelle: U.S. Department of the Treasury, TIC-Daten. Die Zuordnung erfolgt nach Verwahrort, nicht nach wirtschaftlichem Eigentümer. Bestände in London oder auf den Kaimaninseln gehören daher oft Investoren aus anderen Ländern.
Auffällig: China hat seine Bestände über Jahre deutlich reduziert, während Großbritannien als wichtiger Handelsplatz zugelegt hat. Eine wachsende Rolle spielen zudem Hedgefonds. Sie hielten Ende 2025 rund 2 Billionen US-Dollar und damit etwa 7 Prozent des handelbaren Marktes, überwiegend über kreditfinanzierte Arbitrage-Strategien. Hintergründe dazu im Beitrag Hedgefonds und US-Staatsanleihen.
Wie sicher sind US-Staatsanleihen?
Das Ausfallrisiko gilt als sehr gering. Die USA verschulden sich in ihrer eigenen Währung, verfügen über die größte Volkswirtschaft der Welt und den liquidesten Anleihemarkt. Ganz ohne Risiko sind Treasuries für deutsche Anleger trotzdem nicht. Drei Risiken sind entscheidend:
Zinsänderungsrisiko
Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Je länger die Restlaufzeit, desto stärker der Effekt. Eine 30-jährige Anleihe kann bei einem Zinsanstieg von einem Prozentpunkt rund 15 Prozent und mehr an Wert verlieren. Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt zwar den Nennwert zurück, muss Kursschwankungen aber aushalten. Wie sich der Anleihekurs berechnet, erklären wir gesondert.
Währungsrisiko
Für Anleger aus dem Euroraum ist das Wechselkursrisiko oft größer als das Zinsrisiko. US-Staatsanleihen zahlen in US-Dollar. Verliert der Dollar gegenüber dem Euro, schrumpft der Ertrag in Euro gerechnet. Ein Beispiel: Fällt der Dollar innerhalb eines Jahres um 5 Prozent, ist die Zinsrendite einer zehnjährigen Anleihe von rund 5 Prozent fast vollständig aufgezehrt. Steigt der Dollar, profitiert der Anleger zusätzlich. Der Euro-Dollar-Kurs lag im Oktober 2026 bei rund 1,14 US-Dollar je Euro.
Politisches Risiko
In den USA muss der Kongress die Schuldenobergrenze regelmäßig anheben. Streit darüber hat in der Vergangenheit zu Herabstufungen der Kreditwürdigkeit und zu Unruhe am Markt geführt. Ein tatsächlicher Zahlungsausfall gilt als äußerst unwahrscheinlich, kurzfristige Kursschwankungen sind aber möglich.
US-Staatsanleihen kaufen: So geht es
Für Privatanleger aus Deutschland gibt es zwei praktikable Wege. Die Direktanlage über das Verkaufsportal TreasuryDirect des US-Finanzministeriums kommt in der Regel nicht in Frage, weil dafür eine US-Steuernummer und eine US-Adresse nötig sind.
Direkt über den Broker
Viele deutsche Banken und Online-Broker bieten den Handel mit einzelnen US-Staatsanleihen an, entweder außerbörslich oder über deutsche Börsenplätze wie Frankfurt, Stuttgart oder München. Gesucht wird über die ISIN, die bei US-Anleihen mit „US912“ beginnt. Die Mindeststückelung liegt je nach Handelsplatz meist bei 100 oder 1.000 US-Dollar. Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf Ordergebühren, Börsenplatzentgelte und Wechselkursaufschläge, da Kauf und Zinszahlungen in Dollar abgerechnet werden. Welche Anbieter Anleihen günstig handeln, zeigt unser Broker-Vergleich.
Über einen Anleihe-ETF
Einfacher und breiter gestreut ist der Kauf eines Anleihen-ETF auf US-Staatsanleihen. Solche Fonds bündeln viele Treasuries einer bestimmten Laufzeitklasse, etwa 1 bis 3 Jahre, 7 bis 10 Jahre (Beispiel: iShares USD Treasury Bond 7-10yr) oder 20 Jahre und länger. Ein ETF hat keine Endfälligkeit, die Laufzeitstruktur bleibt durch laufende Umschichtung konstant.
Wichtig ist die Wahl zwischen ungesicherten und währungsgesicherten ETFs. Ungesicherte Fonds tragen das volle Dollar-Risiko. Währungsgesicherte Varianten („EUR Hedged“) neutralisieren es weitgehend. Die Absicherung kostet allerdings etwa die Zinsdifferenz zwischen Dollar und Euro, sodass ein Teil des Renditevorsprungs gegenüber Euro-Anleihen verloren geht.
| Weg | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Einzelanleihe über Broker | feste Laufzeit, Rückzahlung zum Nennwert planbar | höhere Mindestbeträge, Spreads, Währungsrisiko |
| ETF ungesichert | breite Streuung, kleine Beträge, Sparplan möglich | keine Endfälligkeit, volles Währungsrisiko |
| ETF währungsgesichert | kaum Dollar-Risiko | Absicherungskosten mindern die Rendite |
Für den Kauf ist in jedem Fall ein Wertpapierdepot nötig. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Depot eröffnen.
Steuern auf US-Staatsanleihen
Für in Deutschland steuerpflichtige Anleger gilt die Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Sie fällt auf Zinsen und auf Kursgewinne an. Gewinne und Verluste werden dabei in Euro berechnet, Währungseffekte fließen also mit ein. Die USA erheben auf Zinsen aus Treasuries für Anleger ohne Wohnsitz in den USA in der Regel keine Quellensteuer. Bei deutschen Banken führt die Bank die Steuer automatisch ab, der Sparerpauschbetrag kann über einen Freistellungsauftrag genutzt werden. Im Einzelfall hilft eine Steuerberatung.
Fazit
US-Staatsanleihen sind der wichtigste Anleihemarkt der Welt und bieten mit Renditen von rund 4,3 bis 5,5 Prozent je nach Laufzeit derzeit deutlich mehr als vor wenigen Jahren. Das Ausfallrisiko gilt als gering. Für Anleger aus Deutschland entscheiden aber zwei andere Faktoren über den Erfolg: die Entwicklung des Dollars gegenüber dem Euro und die Zinsentwicklung bei langen Laufzeiten. Aus Sicht der Marktteilnehmer bieten kurze Laufzeiten eine planbare Rendite mit geringen Kursschwankungen, während lange Laufzeiten stärker auf Zinsänderungen reagieren. Wer das Währungsrisiko nicht tragen möchte, findet in währungsgesicherten ETFs eine Alternative, muss dafür aber auf einen Teil der Rendite verzichten.
Fragen und Antworten
Was sind US-Staatsanleihen?
US-Staatsanleihen, auch Treasuries genannt, sind Schuldverschreibungen der US-Regierung. Anleger leihen dem amerikanischen Staat Geld und erhalten Zinsen sowie am Laufzeitende den Nennwert zurück.
Wie hoch ist die Rendite von US-Staatsanleihen aktuell?
Am 16. Oktober 2026 lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 5,09 Prozent, zweijährige rentierten mit 4,74 Prozent und 30-jährige mit 5,43 Prozent.
Kann man als Deutscher US-Staatsanleihen kaufen?
Ja. Einzelne Anleihen lassen sich über viele deutsche Banken und Broker kaufen, alternativ über ETFs auf US-Staatsanleihen. Der Direktkauf beim US-Finanzministerium über TreasuryDirect ist für Anleger ohne US-Steuernummer und US-Adresse in der Regel nicht möglich.
Wie sicher sind US-Staatsanleihen?
Das Ausfallrisiko gilt als sehr gering. Deutsche Anleger tragen jedoch ein Währungsrisiko, weil die Anleihen in US-Dollar notieren, sowie ein Zinsänderungsrisiko, das bei langen Laufzeiten besonders ausgeprägt ist.
Wie werden US-Staatsanleihen in Deutschland versteuert?
Zinsen und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Gewinne werden in Euro berechnet, Währungsgewinne und -verluste fließen also ein.
Wer besitzt die meisten US-Staatsanleihen?
Der größte Teil liegt bei US-Investoren und der Fed. Unter den ausländischen Haltern führte im Juni 2026 Japan mit rund 1,12 Billionen US-Dollar vor Großbritannien und China.
Quellen
- U.S. Department of the Treasury: Daily Treasury Par Yield Curve Rates, Oktober 2026 (treasury.gov)
- U.S. Department of the Treasury: Debt to the Penny, Oktober 2026 (fiscaldata.treasury.gov)
- U.S. Department of the Treasury: Treasury International Capital (TIC) System, Major Foreign Holders of Treasury Securities, Juni 2026 (ticdata.treasury.gov)
- TreasuryDirect: Treasury Marketable Securities (treasurydirect.gov)
- Board of Governors of the Federal Reserve System: FOMC Statement, 16.09.2026 (federalreserve.gov)
- Office of Financial Research: Hedge Funds’ Cash Treasury Holdings Reach $2 Trillion, 19.08.2026 (financialresearch.gov)
- Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurse (ecb.europa.eu)
Stand der Daten: 18. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung, keine Kaufempfehlung, keine Verkaufsempfehlung und keine Steuerberatung.