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Drawdown und Maximum Drawdown: Wie tief Verluste gehen können

von FNE-Redaktion

Der Drawdown beschreibt, wie weit der Wert eines Depots, eines Fonds oder eines Index von seinem bisherigen Höchststand gefallen ist. Er wird in Prozent angegeben und ist damit eine der anschaulichsten Kennzahlen für Risiko: Er zeigt nicht, wie stark Kurse im Durchschnitt schwanken, sondern wie viel Vermögen in einer schlechten Phase tatsächlich verloren gegangen ist. Der größte Rückgang innerhalb eines Zeitraums heißt Maximum Drawdown, oft abgekürzt als MDD.

Viele Anleger unterschätzen Verluste, solange sie nur Renditen betrachten. Ein Fonds mit hoher Durchschnittsrendite kann zwischendurch Phasen gehabt haben, in denen er die Hälfte seines Werts einbüßte. Genau das macht der Drawdown sichtbar.

Die Berechnung

GrößeFormel
Drawdown(aktueller Wert − bisheriger Höchststand) / bisheriger Höchststand × 100
Maximum Drawdowngrößter Drawdown im betrachteten Zeitraum, vom Hoch bis zum anschließenden Tief
nötige ErholungVerlust / (1 − Verlust), jeweils als Dezimalzahl
ErholungsdauerZeit vom Tief bis zu einem neuen Höchststand

Wichtig ist die Reihenfolge: Der Höchststand muss vor dem Tief liegen. Ein Tief im Januar und ein Hoch im Dezember desselben Jahres ergeben keinen Drawdown, sondern einen Anstieg.

Ein Rechenbeispiel

Ein Depot erreicht im Frühjahr einen Höchststand von 48.370 €. Bis zum Herbst fällt es auf 36.915 €. Der Drawdown beträgt (36.915 − 48.370) / 48.370 = −23,68 %. Um den alten Höchststand wieder zu erreichen, muss der Depotwert anschließend um 31,03 % steigen.

Diese Asymmetrie ist der Kern der Kennzahl. Die folgende Tabelle zeigt, welcher Anstieg nötig ist, um einen Verlust auszugleichen:

Verlustnötiger Anstieg
−10 %+11,1 %
−20 %+25,0 %
−33,9 %+51,3 %
−50 %+100,0 %
−56,8 %+131,5 %
−77,9 %+352,5 %

Ab etwa 30 % Verlust wird die Lücke so groß, dass eine Erholung bei normaler Marktentwicklung viele Jahre dauern kann.

Historische Drawdowns großer Indizes

IndexZeitraumHochTiefDrawdown
Nasdaq CompositeMärz 2000 bis Oktober 20025.048,621.114,11−77,9 %
S&P 500Oktober 2007 bis März 20091.565,15676,53−56,8 %
DAXJuli 2007 bis März 20098.105,693.666,41−54,8 %
S&P 500Februar bis März 20203.386,152.237,40−33,9 %
S&P 500Januar bis Oktober 20224.796,563.577,03−25,4 %

Alle Angaben beziehen sich auf Schlusskurse. Die Corona-Phase 2020 zeigt, dass ein Drawdown nicht lange dauern muss, um tief zu sein: Der Rückgang des S&P 500 dauerte knapp fünf Wochen, die Erholung auf den alten Höchststand rund fünf Monate. Nach dem Platzen der Technologieblase brauchte der Nasdaq Composite dagegen etwa 15 Jahre, bis er den Stand vom März 2000 wieder übertraf.

Drawdown im Vergleich zu anderen Risikokennzahlen

Die bekannteste Risikokennzahl ist die Volatilität, also die Standardabweichung der Renditen. Sie misst Schwankungen in beide Richtungen und behandelt Kursgewinne genauso wie Verluste. Der Drawdown erfasst dagegen nur die Abwärtsbewegung und den Pfad dorthin.

Eine verbreitete Kombination ist die Calmar Ratio: Sie teilt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) durch den Maximum Drawdown. Ein Fonds mit 7,4 % CAGR und einem MDD von 23,68 % kommt auf eine Calmar Ratio von 0,31. Je höher der Wert, desto mehr Rendite wurde pro Einheit Verlustrisiko erzielt.

Die Dauer unter Wasser

Neben der Tiefe zählt die Zeit, die ein Depot unter seinem alten Höchststand verbringt. In der Fachsprache heißt das Underwater-Periode. Sie umfasst den Rückgang selbst und die anschließende Erholung. Für viele Anleger ist eine lange Phase ohne neue Höchststände psychologisch belastender als ein kurzer, heftiger Einbruch. Wer ein Depot über zehn Jahre bespart und nach acht Jahren immer noch unter dem Stand von vor fünf Jahren liegt, neigt eher dazu, die Strategie aufzugeben.

Bedeutung für Anleger

Für die eigene Geldanlage ist der Drawdown vor allem eine Frage der Belastbarkeit. Wer in einen breit gestreuten Aktienfonds investiert, sollte mit Rückgängen von 30 bis 50 % in schweren Krisen rechnen. Die entscheidende Frage lautet: Kann das Depot einen solchen Einbruch aushalten, ohne dass Geld zur falschen Zeit entnommen werden muss?

Die Erfahrung zeigt, dass die größten Fehler oft im Tief entstehen, wenn Anleger aus Angst verkaufen und den anschließenden Anstieg verpassen. Stimmungsindikatoren wie der Fear and Greed Index oder der VIX erreichen in solchen Phasen typischerweise Extremwerte.

Drei Stellschrauben verringern den Drawdown eines Depots:

  • Streuung: Eine breite Diversifikation über Branchen, Regionen und Anlageklassen dämpft Rückgänge, verhindert sie aber nicht.
  • Anleihen und Liquidität: Ein Anteil an hochwertigen Anleihen oder Tagesgeld puffert Verluste ab, kostet langfristig aber Rendite.
  • Anlagehorizont: Wer Geld erst in 15 oder 20 Jahren benötigt, kann einen tiefen Drawdown eher aussitzen als jemand, der in zwei Jahren entnehmen muss.

Grundlagen zur Aufteilung des Vermögens erklärt der Beitrag zum Thema Geld anlegen.

Grenzen und Risiken

Der Maximum Drawdown ist eine historische Größe. Er sagt nur, was in der Vergangenheit passiert ist, und kann in der Zukunft übertroffen werden. Ein Fonds, der erst seit fünf Jahren existiert, hat womöglich nie eine echte Krise erlebt und weist deshalb einen trügerisch niedrigen Wert aus.

Zudem hängt die Kennzahl stark von der Datenfrequenz ab. Auf Monatsbasis berechnet fällt der Drawdown meist geringer aus als auf Tagesbasis, weil kurzfristige Tiefs zwischen zwei Monatsenden verschwinden. Beim Vergleich zweier Produkte sollte deshalb dieselbe Grundlage verwendet werden.

Fazit

Der Drawdown zeigt, wie viel Vermögen in schlechten Phasen tatsächlich verloren geht und wie lange die Erholung dauern kann. Wegen der mathematischen Asymmetrie wiegen tiefe Verluste schwerer, als es die reine Prozentzahl vermuten lässt. Als Ergänzung zu Rendite und Volatilität hilft die Kennzahl, das eigene Depot realistisch auf Krisen vorzubereiten.

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Drawdown und Maximum Drawdown?

Der Drawdown ist der aktuelle Abstand zum letzten Höchststand. Der Maximum Drawdown ist der größte Rückgang, der in einem bestimmten Zeitraum aufgetreten ist.

Wie berechnet man den Drawdown?

Aktueller Wert minus Höchststand, geteilt durch den Höchststand. Fällt ein Depot von 48.370 € auf 36.915 €, beträgt der Drawdown −23,68 %.

Warum braucht ein Verlust von 50 % einen Anstieg von 100 %?

Weil der Anstieg auf der kleineren Basis berechnet wird. Aus 1.240 € werden bei 50 % Verlust 620 €, und 620 € müssen sich verdoppeln, um wieder 1.240 € zu erreichen.

Welcher Drawdown ist bei Aktien normal?

Rückgänge von 10 bis 20 % kommen fast jedes Jahr vor. In schweren Krisen fielen breite Aktienindizes um 50 % und mehr.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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