Wer Optionen kaufen möchte, erwirbt gegen Zahlung einer Prämie das Recht, einen Basiswert zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Auf der Abrechnung steht aber selten nur die Prämie: Ordergebühren, Börsenentgelte, die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs und bei ausländischen Optionen auch Währungskosten verschieben die Gewinnschwelle. Dieser Beitrag beschreibt den Ablauf vom Kontrakt bis zur Abrechnung und zeigt, welche Kosten anfallen.
Strategien, Optionsgriechen und die Grundlagen des Handels stehen im Beitrag Optionen handeln. Die Funktionsweise der einzelnen Optionsarten erklären die Beiträge zur Call-Option und zur Put-Option.
Voraussetzungen vor der ersten Order
Börsengehandelte Optionen sind Termingeschäfte. Ein Broker darf sie nur anbieten, wenn er sie im Sortiment hat und der Kunde den nötigen Kenntnisstand nachweist. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz fragt der Broker Erfahrungen und Kenntnisse ab und warnt, wenn ein Produkt nicht passt. Viele Anbieter schalten Optionen erst nach einem gesonderten Antrag frei und unterscheiden dabei zwischen dem reinen Kauf von Optionen und dem riskanteren Verkauf als Stillhalter. Für den Kauf genügt meist die niedrigste Freigabestufe, weil der Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt ist.
Ablauf einer Optionsorder
1. Kontrakt auswählen
Ein Optionskontrakt ist durch fünf Merkmale eindeutig bestimmt: Basiswert, Typ (Call oder Put), Basispreis, Verfallstermin und Kontraktgröße. Standardverfälle liegen an Eurex und an den US-Optionsbörsen am dritten Freitag des Monats; daneben gibt es Wochen- und teils Tagesoptionen. Die Kontraktgröße, oft 100 Aktien je Kontrakt, steht in der Kontraktspezifikation der Börse.
2. Kurse prüfen
In der Optionskette zeigt der Broker für jeden Basispreis Geld- und Briefkurs, letzte Umsätze und das offene Interesse. Ein enger Abstand zwischen Geld und Brief und ein hohes Open Interest sprechen für einen liquiden Kontrakt.
3. Order mit Limit aufgeben
Optionen sollten grundsätzlich mit einer Limit-Order gekauft werden. Eine unlimitierte Order wird zum besten verfügbaren Briefkurs ausgeführt, der bei wenig gehandelten Serien weit vom fairen Wert entfernt liegen kann. Ein Limit zwischen Geld- und Briefkurs wird häufig ausgeführt, wenn der Market Maker seine Quotes anpasst.
4. Abrechnung und Verbuchung
Nach der Ausführung wird die Prämie sofort vom Konto abgebucht. Bei Optionen an Eurex und an US-Börsen erfolgt die Abwicklung über eine zentrale Clearingstelle, die zwischen Käufer und Verkäufer tritt.
5. Glattstellen oder Ausüben
Vor dem Verfall kann die Option über die Börse wieder verkauft werden. Das ist meist günstiger als die Ausübung, weil der Verkauf den verbleibenden Zeitwert mitnimmt. Bei Ausübung einer Aktienoption müsste der Käufer eines Calls den vollen Gegenwert der Aktien aufbringen.
Die Kosten im Detail
| Kostenart | Wann sie anfällt | Typische Bemessung |
|---|---|---|
| Optionsprämie | beim Kauf | Kurs × Kontraktgröße × Anzahl |
| Ordergebühr des Brokers | bei Kauf und Verkauf | je Kontrakt oder je Order, teils mit Mindestbetrag |
| Börsen- und Clearingentgelte | bei Kauf und Verkauf | je Kontrakt, vom Broker weitergegeben |
| Geld-Brief-Spanne | bei jedem Handel | Differenz zum Mittelkurs |
| Währungsumrechnung | bei Optionen in Fremdwährung | Aufschlag auf den Devisenkurs |
| Ausübungs- oder Andienungsentgelt | bei Ausübung | je Kontrakt, je nach Broker |
| Marktdaten | laufend | monatliche Gebühr für Echtzeitkurse |
Nach den MiFID-II-Vorgaben muss der Broker vor der Order eine Kosteninformation bereitstellen und einmal im Jahr eine Aufstellung aller tatsächlich angefallenen Kosten liefern. Diese Ex-ante-Information lohnt einen Blick, weil sie alle Posten in Euro und in Prozent des Ordervolumens ausweist.
Beispiel: vollständige Kostenrechnung
Ein Anleger kauft drei Call-Kontrakte auf die fiktive Brennecke AG mit Basispreis 52 €. Geldkurs 2,09 €, Briefkurs 2,25 €, Kontraktgröße 100 Aktien. Angenommen werden eine Brokergebühr von 1,90 € und Börsenentgelte von 0,25 € je Kontrakt.
- Prämie: 2,25 € × 100 × 3 = 675,00 €
- Brokergebühr: 3 × 1,90 € = 5,70 €
- Börsenentgelte: 3 × 0,25 € = 0,75 €
- Gesamtkosten des Kaufs: 681,45 €
Die Spanne von 0,16 € zwischen Geld und Brief kostet den Anleger bei Kauf zum Briefkurs gegenüber dem Mittelkurs 24 €. Die Gewinnschwelle am Verfall liegt nicht bei 52 € plus 2,25 €, sondern unter Einbeziehung der Gebühren bei 54,27 € je Aktie.
Einige Wochen später verkauft er die drei Kontrakte zum Geldkurs von 3,46 €. Er erhält 1.038 €, abzüglich erneuter Gebühren von 6,45 € bleiben 1.031,55 €. Der Gewinn vor Steuern beträgt 350,10 €, das sind 51,4 % auf den Kapitaleinsatz. Die Gebühren von zusammen 12,90 € entsprechen in diesem Beispiel knapp 4 % des Gewinns. Bei kleinen Positionen mit einem einzigen Kontrakt und Mindestgebühren kann ihr Anteil deutlich höher liegen.
Steuern
Gewinne aus dem Verkauf von Optionen sind in Deutschland Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungssteuer. Verfällt eine gekaufte Option wertlos, ist der Verlust steuerlich verrechenbar. Die frühere Begrenzung für Verluste aus Termingeschäften wurde mit dem Jahressteuergesetz 2024 aufgehoben. Bei ausländischen Brokern ohne deutsche Steuerabwicklung müssen die Erträge in der Steuererklärung angegeben werden.
Bedeutung für Anleger
Der Kauf einer Option begrenzt den Verlust auf den Einsatz, verlangt aber eine Kursbewegung, die Prämie und Kosten übertrifft, und zwar innerhalb der Laufzeit. Wer die Gesamtkosten vorab ausrechnet, erkennt schnell, ob ein Trade realistisch ist. Bei US-Optionen kommen die Handelszeiten hinzu: Gehandelt wird überwiegend von 15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit.
Grenzen und Risiken
Der Zeitwertverlust arbeitet gegen den Käufer, besonders in den letzten Wochen vor dem Verfall. Ein Rückgang der impliziten Volatilität kann den Optionspreis senken, obwohl sich der Basiswert in die gewünschte Richtung bewegt. In wenig liquiden Serien kann das Glattstellen nur mit hohem Abschlag möglich sein. Ein Totalverlust der Prämie ist bei gekauften Optionen der Normalfall, wenn der Basiswert am Verfall auf der falschen Seite des Basispreises liegt.
Fazit
Optionen zu kaufen ist technisch einfach, wenn der Broker sie freigeschaltet hat: Kontrakt wählen, Limit setzen, Order aufgeben. Entscheidend für das Ergebnis sind neben der Marktmeinung die Kosten. Prämie, Gebühren, Spread und Währung bestimmen gemeinsam, wie weit sich der Basiswert bewegen muss, damit sich der Kauf lohnt.
Fragen und Antworten
Wie viel kostet eine Option?
Die Prämie wird je Aktie angegeben und mit der Kontraktgröße multipliziert. Hinzu kommen Brokergebühren, Börsenentgelte und der Spread.
Kann man Optionen bei jedem Broker kaufen?
Nein. Nur Broker mit Zugang zu Terminbörsen bieten börsengehandelte Optionen an, und sie schalten den Handel erst nach einer Kenntnisprüfung frei.
Sollte man Optionen mit Limit kaufen?
Ja. Ohne Limit wird zum aktuellen Briefkurs ausgeführt, der bei wenig gehandelten Serien ungünstig sein kann.
Was passiert, wenn man eine gekaufte Option nicht verkauft?
Am Verfallstag wird sie ausgeübt, wenn sie im Geld liegt, oder verfällt wertlos. Wie der Broker damit umgeht, regeln seine Bedingungen.
Quellen
- Eurex, Kontraktspezifikationen für Aktienoptionen – eurex.com
- Delegierte Verordnung (EU) 2017/565, Art. 50 Kosteninformation – eur-lex.europa.eu
- Wertpapierhandelsgesetz, § 63 – gesetze-im-internet.de
- Options Clearing Corporation, Characteristics and Risks of Standardized Options – theocc.com
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.