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Bear Put Spread: Auf fallende Kurse setzen, Einsatz begrenzen

von FNE-Redaktion

Ein Bear Put Spread ist eine Optionsstrategie für moderat fallende Kurse. Der Anleger kauft einen Put und verkauft gleichzeitig einen Put mit niedrigerem Basispreis auf denselben Basiswert und mit gleichem Verfallstermin. Die erhaltene Prämie senkt den Einsatz, begrenzt aber den Ertrag. Die Position kostet zu Beginn Geld und unterscheidet sich darin vom Bear Call Spread, der mit einer Einnahme startet.

Definition: Zwei Puts, ein Kursziel

Die gekaufte Option sitzt meist nahe am aktuellen Kurs, die verkaufte auf dem Niveau, bis zu dem der Rückgang erwartet wird. Ein Put mit höherem Basispreis ist wertvoller als einer mit niedrigerem, daher bleibt stets eine Nettozahlung. Im Unterschied zu einem Short Put ohne Gegenposition ist das Risiko aus der verkauften Option vollständig abgedeckt: Wird die Aktie angedient, kann sie über den eigenen Long Put zum höheren Basispreis weitergereicht werden.

Formeln am Verfallstag

Bezeichnet KH den höheren und KN den niedrigeren Basispreis, D die Nettoprämie, dann gilt je Aktie:

GrößeFormelEintritt
Maximaler Gewinn(KH − KN) − DKurs auf oder unter KN
Maximaler VerlustDKurs auf oder über KH
GewinnschwelleKH − DErgebnis null

Unterhalb von KN gleichen sich die beiden Puts aus: Was der gekaufte zusätzlich gewinnt, verliert der verkaufte. Ein Kurssturz bringt daher nicht mehr als ein Rückgang bis zum unteren Basispreis.

Beispiel mit Zahlen

Die Aktie der fiktiven Selmer Pharma steht bei 87,40 Euro. Ein Anleger erwartet nach einer schwachen Prognose in den nächsten zwei Monaten Kurse um 78 Euro. Für 100 Aktien handelt er:

  • Kauf Put mit Basispreis 86 Euro zu 5,18 Euro
  • Verkauf Put mit Basispreis 78 Euro zu 2,29 Euro
  • Nettoeinsatz 2,89 Euro je Aktie, insgesamt 289 €

Der Abstand der Basispreise beträgt 8 Euro. Abzüglich des Einsatzes bleiben 5,11 Euro je Aktie, somit 511 € je Kontrakt als höchster Gewinn. Ins Plus kommt der Anleger unter 83,11 Euro, das sind 4,9 Prozent unter dem Einstiegskurs.

Kurs am VerfallLong Put 86 €Short Put 78 €Gesamt je Kontrakt
72,00 €+882 €−371 €+511 €
78,00 €+282 €+229 €+511 €
81,50 €−68 €+229 €+161 €
83,11 €−229 €+229 €0 €
86,00 €−518 €+229 €−289 €
92,00 €−518 €+229 €−289 €
−4 €−2 €0 €2 €4 €6 €70 €74 €78 €82 €86 €90 €94 €Gewinnschwelle 83,11 €

Bear Put Spread oder Bear Call Spread?

Beide Varianten zielen auf nachgebende Kurse, sie verdienen ihr Geld aber unterschiedlich. Bei gleicher Breite und fairer Bewertung ähneln sich die Profile am Verfall stark, die Unterschiede liegen im Ablauf:

MerkmalBear Put SpreadBear Call Spread
StartZahlung der PrämieEinnahme der Prämie
Benötigte BewegungKurs muss fallenKurs darf nicht steigen
Lage der OptionenMeist am oder im GeldMeist aus dem Geld
SicherheitsleistungKeine zusätzlicheVom Broker verlangt

Die Wahl hängt daher an der Erwartung: Wer einen tatsächlichen Rückgang sieht, wählt eher den Put-Spread, wer nur eine Obergrenze vermutet, den Call-Spread. Die Details der Prämienseite stehen im Beitrag über Stillhaltergeschäfte.

Bedeutung für Anleger

Neben der Spekulation dient der Spread zur begrenzten Absicherung. Wer Aktien hält und einen Rücksetzer um rund ein Zehntel fürchtet, zahlt mit dieser Konstruktion weniger als für einen einzelnen Put, bleibt unterhalb des unteren Basispreises aber ungeschützt. Für längerfristige Schutzkonzepte ist deshalb der Protective Put das passendere Werkzeug. Einen Überblick über alternative Instrumente gibt der Beitrag zu Hedging.

Bei der Auswahl hilft der Vergleich des Einsatzes mit der Breite. Liegt die Nettoprämie nahe an der Breite, ist die Position fast schon im Ziel und bietet wenig Spielraum. Liegt sie sehr niedrig, ist ein großer Kursrückgang nötig. Faustregeln ersetzen hier nicht die Rechnung für den konkreten Fall.

Die Laufzeit verdient ebenso viel Beachtung wie die Basispreise. Ein Kursrückgang, der erst nach dem Verfall eintritt, nützt der Position nichts. Längere Laufzeiten verteuern den gekauften Put, verringern aber den Zeitwertverlust je Tag. Bei Aktien mit anstehender Dividende sinkt der Kurs am Ex-Tag rechnerisch um die Ausschüttung. Dieser Abschlag ist im Putpreis bereits enthalten und stellt keinen zusätzlichen Vorteil dar.

Grenzen und Risiken

  • Zuteilung tief im Geld: Amerikanische Puts weit im Geld werden gelegentlich vorzeitig ausgeübt. Der Anleger erhält dann kurzzeitig Aktien, die finanziert werden müssen, bis der eigene Put ausgeübt oder verkauft ist.
  • Zeitablauf: Bleibt der Kurs oben, verliert die Position bis zum Verfall ihren Wert.
  • Gedeckelter Ertrag: Ein Crash bringt nicht mehr als die Breite abzüglich Einsatz.
  • Handelskosten: Bei Nebenwerten kann der Spread zwischen Geld- und Briefkurs einen spürbaren Teil des möglichen Ertrags aufzehren.
  • Unternehmensereignisse: Übernahmen, Abspaltungen oder Sonderdividenden können die Kontraktbedingungen verändern.

Fazit

Der Bear Put Spread passt zu einer Abwärtserwartung mit konkretem Ziel. Er braucht weniger Kapital als ein einzelner Put, und das Risiko ist von Anfang an auf den Einsatz beschränkt. Dafür endet der Gewinn am unteren Basispreis. Entscheidend sind eine realistische Einschätzung des Kursziels und eine Laufzeit, die zur erwarteten Bewegung passt.

Fragen und Antworten

Wofür eignet sich ein Bear Put Spread?

Für eine Erwartung mäßig fallender Kurse innerhalb der Laufzeit, wenn der Anleger den Einsatz niedriger halten möchte als beim Kauf eines einzelnen Puts.

Wie hoch ist der maximale Verlust?

Er entspricht der gezahlten Nettoprämie plus Gebühren. Dieser Fall tritt ein, wenn die Aktie am Verfall auf oder über dem höheren Basispreis steht.

Was passiert, wenn der verkaufte Put ausgeübt wird?

Der Anleger muss die Aktien zum niedrigeren Basispreis abnehmen. Der gekaufte Put erlaubt es, sie zum höheren Basispreis weiterzugeben, sodass das Ergebnis weiter begrenzt bleibt.

Lässt sich die Position vor dem Verfall schließen?

Ja. Beide Puts können gemeinsam zurückgehandelt werden. Das Ergebnis richtet sich dann nach dem Marktwert der Kombination und kann unter dem rechnerischen Maximum bleiben.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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