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Bear Call Spread: Prämie kassieren bei fallenden oder stagnierenden Kursen

von FNE-Redaktion

Ein Bear Call Spread ist eine Optionsstrategie für Anleger, die nicht mit steigenden Kursen rechnen. Sie verkaufen einen Call mit niedrigerem Basispreis und kaufen zugleich einen Call mit höherem Basispreis, beide auf denselben Basiswert und mit demselben Verfallstermin. Der verkaufte Call bringt mehr Prämie ein, als der gekaufte kostet, sodass beim Eröffnen ein Guthaben entsteht. Steht der Kurs am Verfallstag unter dem unteren Basispreis, verfallen beide Optionen wertlos und der Anleger behält die gesamte Nettoprämie. Steigt der Kurs stark, begrenzt der gekaufte Call den Schaden.

Definition: Ein Credit Spread auf der Call-Seite

Die Position kombiniert:

  • einen verkauften Call mit Basispreis K1, der meist leicht über dem aktuellen Kurs liegt, und
  • einen gekauften Call mit höherem Basispreis K2 als Schutz nach oben.

Ein einzelner Short Call ohne Aktienbestand hätte ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko, weil Aktienkurse beliebig steigen können. Der zusätzliche Long Call verwandelt dieses offene Risiko in einen festen Höchstbetrag. Im Unterschied zum Bear Put Spread, bei dem ein teurer Put gekauft und ein billigerer verkauft wird, erhält der Anleger beim Bear Call Spread Geld, statt welches zu bezahlen.

Formeln für das Auszahlungsprofil

Mit N als vereinnahmter Nettoprämie je Aktie gilt am Verfall:

  • Höchster Ertrag: N, solange der Kurs auf oder unter K1 liegt
  • Höchster Verlust: (K2 − K1) − N, sobald der Kurs K2 erreicht oder übersteigt
  • Gewinnschwelle: K1 + N

Rechenbeispiel

Die fiktive Aktie der Altmühl Pharma steht bei 126,50 Euro. Ein Anleger hält einen weiteren Anstieg innerhalb der nächsten fünf Wochen für unwahrscheinlich und eröffnet einen Bear Call Spread über einen Kontrakt zu 100 Aktien:

  • verkaufter Call, Basispreis 130 Euro, Prämie 3,20 Euro
  • gekaufter Call, Basispreis 135 Euro, Prämie 1,45 Euro
  • Nettoeinnahme: 1,75 Euro je Aktie, insgesamt 175 Euro

Der höchste Ertrag beträgt damit 175 Euro. Das Verlustrisiko ist auf (5,00 − 1,75) × 100 = 325 Euro begrenzt. Die Gewinnschwelle liegt bei 130 + 1,75 = 131,75 Euro, also rund 4,2 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Aktienkurs am Verfallverkaufter Call 130 €gekaufter Call 135 €Ergebnis je Kontrakt
120,00 €+320 €−145 €+175 €
130,00 €+320 €−145 €+175 €
131,75 €+145 €−145 €0 €
133,00 €+20 €−145 €−125 €
135,00 €−180 €−145 €−325 €
140,00 €−680 €+355 €−325 €

Die Tabelle zeigt: Ob die Aktie auf 120 Euro fällt oder bei 130 Euro stehen bleibt, macht für das Ergebnis keinen Unterschied. Der Anleger profitiert nicht zusätzlich von einem Kurseinbruch, er braucht nur, dass der Kurs die Marke von 131,75 Euro nicht überschreitet.

−4 €−3 €−2 €−1 €0 €1 €2 €3 €120 €122 €124 €126 €128 €130 €132 €134 €136 €138 €140 €142 €Gewinnschwelle 131,75 €Max. Gewinn +1,75 € (bis 130 €)Max. Verlust −3,25 € (ab 135 €)Kurs heute 126,50 €am Verfallstag15 Tage vor Verfall (mit Zeitwert)Kurs der Aktie am StichtagGewinn/Verlust je Aktie
Verlauf eines Bear Call Spread: Call mit Basispreis 130 € für 3,20 € verkauft, Call mit Basispreis 135 € für 1,45 € gekauft. Je Kontrakt mit 100 Aktien entspricht das maximal +175 € bzw. −325 €. Die gestrichelte Linie zeigt den rechnerischen Wert 15 Tage vor Verfall bei einer angenommenen Volatilität von 30 %. Eigene Darstellung, fiktives Beispiel.

Bear Call Spread und Bull Put Spread im Vergleich

Beide Strategien sind Credit Spreads mit begrenztem Risiko, setzen aber auf entgegengesetzte Marktmeinungen:

MerkmalBear Call SpreadBull Put Spread
Marktmeinungneutral bis fallendneutral bis steigend
Verwendete OptionenCallsPuts
Gefahrenzonestarker Kursanstiegstarker Kursrückgang
Risiko vorzeitiger Ausübungvor allem vor Dividendenterminenvor allem bei tief im Geld liegenden Puts
Kombination beiderergibt einen Iron Condorergibt einen Iron Condor

Wahl der Basispreise

Ein häufig genutzter Anhaltspunkt für die Platzierung des verkauften Calls ist sein Delta. Ein Delta von etwa 0,30 entspricht grob einer risikoneutralen Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent, dass die Option am Ende im Geld liegt. Je niedriger das Delta, desto seltener wird der verkaufte Call zum Problem, desto geringer aber auch die Prämie. Die Breite zwischen den beiden Basispreisen legt fest, wie viel Risiko pro Kontrakt eingegangen wird. Mehr zu den Preisfaktoren einer Kaufoption im Beitrag zur Call-Option.

Bedeutung für Anleger

Die Strategie kann sinnvoll sein, wenn ein Wert nach einem starken Anstieg an einem Widerstand notiert oder wenn keine Kurstreiber in Sicht sind. Der Zeitwertverfall arbeitet für den Stillhalter: Bleibt der Kurs unverändert, verlieren beide Optionen an Wert, der verkaufte Call aber stärker, weil er näher am Geld liegt. Eine sinkende implizite Volatilität wirkt in dieselbe Richtung.

Gegenüber dem Leerverkauf einer Aktie hat der Bear Call Spread zwei Vorteile: Das Verlustrisiko ist begrenzt, und es fallen keine Leihgebühren an. Er gewinnt allerdings auch nicht mehr, wenn der Kurs stark fällt. Wie man Optionen grundsätzlich über einen Broker handelt, beschreibt der Beitrag Optionen handeln.

Grenzen und Risiken

  • Dividendenrisiko: Liegt der verkaufte Call im Geld und steht eine Dividende an, kann der Käufer kurz vor dem Ex-Tag ausüben, um die Dividende zu erhalten. Der Anleger muss dann Aktien liefern, die er nicht besitzt, und gerät in eine Short-Position.
  • Asymmetrisches Verhältnis: Im Beispiel riskiert der Anleger 325 Euro für maximal 175 Euro. Mehrere Gewinne können durch einen einzigen Verlust aufgezehrt werden.
  • Übernahmen und Kurssprünge: Ein Übernahmeangebot oder überraschend gute Zahlen können den Kurs schlagartig über beide Basispreise heben.
  • Glattstellung vor Verfall: Endet der Kurs knapp über dem unteren Basispreis, entsteht ohne Glattstellung eine ungewollte Short-Position in der Aktie.
  • Handelskosten: Gebühren und Spannen für zwei Optionen schmälern die ohnehin begrenzte Prämie.

Fazit

Der Bear Call Spread ist eine Strategie mit festem Ertrag und begrenztem Risiko für Phasen, in denen der Kurs nicht steigen soll. Er nutzt den Zeitwertverfall und benötigt keine Kursverluste, um Gewinn zu bringen. Der maximale Verlust übersteigt meist den möglichen Gewinn, und das Dividendenrisiko beim verkauften Call verlangt besondere Aufmerksamkeit.

Fragen und Antworten

Wann erzielt ein Bear Call Spread seinen maximalen Gewinn?

Wenn der Kurs am Verfall auf oder unter dem Basispreis des verkauften Calls liegt. Dann verfallen beide Optionen wertlos und die Nettoprämie bleibt vollständig erhalten.

Wie groß ist das Risiko?

Das Risiko ist auf die Differenz der beiden Basispreise abzüglich der eingenommenen Prämie begrenzt, multipliziert mit der Zahl der Aktien je Kontrakt.

Muss die Aktie fallen, damit die Strategie aufgeht?

Nein. Es reicht, wenn der Kurs nicht über die Gewinnschwelle steigt. Seitwärtsbewegungen und leichte Anstiege bis zum unteren Basispreis führen ebenfalls zum vollen Gewinn.

Was unterscheidet den Bear Call Spread vom Bear Put Spread?

Beim Bear Call Spread wird zu Beginn eine Prämie eingenommen, beim Bear Put Spread wird eine Prämie bezahlt. Der Bear Put Spread profitiert stärker von deutlichen Kursrückgängen.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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