Börse Frankfurt: Spezialistenhandel und der Unterschied zu Xetra

Die Börse Frankfurt ist die bekannteste Adresse des deutschen Wertpapierhandels – und zugleich ein Handelsplatz, der oft mit Xetra verwechselt wird. Beide gehören zur Deutschen Börse, funktionieren aber unterschiedlich.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇩🇪 Deutschland
BetreiberDeutsche Börse AG
Gegründet1585 als Messeplatz für Wechselkurse
Handelszeiten8:00 bis 22:00 Uhr
HandelsmodellSpezialistenhandel mit Kursbetreuern
AngebotAktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate

Spezialisten statt reinem Orderbuch

Im Frankfurter Handel begleitet ein Spezialist jedes Wertpapier. Er führt das Orderbuch, stellt bei Bedarf eigene Kurse und sorgt dafür, dass auch selten gehandelte Papiere einen Preis bekommen. Genau das unterscheidet ihn von Xetra, wo ausschließlich die Aufträge der Teilnehmer den Kurs bilden.

Für Anleger hat das zwei Folgen: Auch bei Nebenwerten und Anleihen kommt meist ein Kurs zustande. Dafür ist der Handel weniger anonym und die Spanne kann breiter ausfallen als auf Xetra.

MerkmalBörse FrankfurtXetra
Handelszeit8:00 bis 22:00 Uhr9:00 bis 17:30 Uhr
PreisbildungSpezialist begleitet den Handelreines Orderbuch
Angebotsehr breit, auch Anleihen und FondsSchwerpunkt Aktien und ETFs
Umsatzdeutlich kleinerReferenzmarkt

Geschichte

Die Ursprünge reichen bis 1585 zurück, als Frankfurter Kaufleute einheitliche Wechselkurse festlegten – daraus entwickelte sich die Börse. Im 19. Jahrhundert finanzierten hier Eisenbahnen und Industrieunternehmen ihr Wachstum, im 20. Jahrhundert wurde Frankfurt zum Finanzzentrum der Bundesrepublik.

Prägend war 1993 die Gründung der Deutsche Börse AG als Trägergesellschaft. Sie betreibt heute neben dem Frankfurter Handel auch Xetra und die Terminbörse Eurex – und ist selbst börsennotiert, siehe das Porträt der Deutsche-Börse-Aktie.

Der bekannte Bulle-und-Bär-Brunnen vor dem Gebäude ist inzwischen eher Fotomotiv als Handelsplatz – die Umsätze entstehen längst in Rechenzentren.

Was der Parketthandel heute noch ist

Das klassische Parkett mit Händlern, die Kurse ausrufen, gibt es seit 2011 nicht mehr. Der Handelssaal dient heute als Kulisse für Fernsehberichte; die Spezialisten arbeiten elektronisch. Geblieben ist die Funktion: Betreuung einzelner Papiere statt rein automatischer Zusammenführung.

Für wen sich Frankfurt eignet

Anleihen und Fonds. Hier ist das Angebot deutlich breiter als an den Neobroker-Plätzen.

Nebenwerte. Papiere mit wenig Umsatz bekommen durch den Spezialisten überhaupt erst einen handelbaren Kurs.

Handel am Abend. Bis 22 Uhr lassen sich Reaktionen auf US-Nachrichten umsetzen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Börse Frankfurt und Xetra?

Die Börse Frankfurt arbeitet mit Spezialisten und hat längere Handelszeiten, Xetra ist ein reines elektronisches Orderbuch mit den höchsten Umsätzen.

Gibt es noch Parketthandel in Frankfurt?

Nicht im ursprünglichen Sinn. Der Handel läuft elektronisch, die Spezialisten betreuen ihn aber weiterhin.

Die Börsensegmente

Nicht jede Notierung ist gleich. Die Frankfurter Wertpapierbörse unterscheidet mehrere Segmente mit unterschiedlich strengen Pflichten.

SegmentAnforderungenTypische Unternehmen
Prime Standardhöchste Transparenzpflichten, Quartalsberichte, englische VeröffentlichungenDAX-, MDAX- und SDAX-Konzerne
General Standardgesetzliche Mindestanforderungenkleinere börsennotierte Gesellschaften
Scalevereinfachte Regeln für Wachstumsunternehmenjunge Firmen und Mittelstand
Freiverkehrkeine Zulassung zum regulierten Markt nötigAuslandswerte, kleine Emittenten

Für Anleger ist die Einordnung wichtiger, als sie scheint: Im Prime Standard gibt es verlässliche Zahlen und Termine, im Freiverkehr kann die Informationslage dünn sein. Wer dort kauft, sollte genauer hinsehen.

Was ein Spezialist tut

Der Spezialist – früher Kursmakler – führt das Orderbuch für die ihm zugewiesenen Papiere. Kommen nicht genügend Aufträge zusammen, stellt er selbst Kurse und tritt als Gegenpartei auf. Er ist verpflichtet, für einen ordnungsgemäßen Handel zu sorgen, und wird von der Börsenaufsicht kontrolliert.

Der Nutzen zeigt sich bei Anleihen, Fonds und Nebenwerten: Diese Papiere haben oft kein liquides Orderbuch. Ohne Spezialist käme schlicht kein Kurs zustande.

Anleihen, Fonds und Zertifikate

Anleihen. Unternehmens- und Staatsanleihen lassen sich hier auch in kleinen Stückelungen handeln – mehr dazu im Beitrag zu Anleihen.

Fonds. Aktiv gemanagte Fonds können über die Börse gekauft werden statt über die Fondsgesellschaft. Das spart in der Regel den Ausgabeaufschlag.

Zertifikate. Sie werden überwiegend in Stuttgart gehandelt, sind aber auch in Frankfurt gelistet.

Handelszeiten und Preisbildung

ZeitraumWas passiert
8:00 bis 9:00 UhrHandel vor Xetra-Start, dünnere Umsätze
9:00 bis 17:30 UhrParallelbetrieb mit Xetra, Kurse orientieren sich am Referenzmarkt
17:30 bis 22:00 UhrAbendhandel, Reaktion auf US-Börsen möglich

In der Zeit ohne Xetra-Referenz stellt der Spezialist die Kurse auf Basis anderer Märkte und eigener Einschätzung. Anleger sollten dann limitieren, um nicht zu unerwarteten Preisen ausgeführt zu werden.

Frankfurt im Vergleich zu den Regionalbörsen

Neben Frankfurt bestehen sechs weitere deutsche Wertpapierbörsen. Sie haben im Aktienhandel stark an Bedeutung verloren, halten sich aber in Nischen: Quotrix in Düsseldorf mit Privatanleger-Service, Hamburg im Fondshandel, Stuttgart bei Zertifikaten.

Frankfurt ist von diesen Häusern das einzige mit internationaler Ausstrahlung – auch weil dort die Deutsche Börse sitzt, die selbst börsennotiert ist.

Wie eine Order in Frankfurt abläuft

Der Weg einer Order ist für Anleger unsichtbar, erklärt aber, warum Ausführungen unterschiedlich ausfallen.

SchrittWas geschieht
OrdereingabeDer Broker leitet den Auftrag an die Börse weiter, mit Limit oder ohne
OrderbuchDie Order trifft auf vorhandene Gegenaufträge
SpezialistFehlt eine Gegenseite, stellt der Spezialist einen Kurs
AusführungGanz oder in Teilen, je nach vorhandenem Volumen
AbrechnungDie Lieferung der Papiere erfolgt zwei Handelstage später

Teilausführungen sind der häufigste Ärger: Wird eine Order in mehreren Schritten ausgeführt, berechnen manche Broker mehrfach Gebühren. Wer das vermeiden will, achtet auf die Konditionen im Broker-Vergleich oder wählt einen Handelsplatz, der Komplettausführung zusagt.

Die Deutsche Börse als Unternehmen

Betreiberin ist die Deutsche Börse AG, selbst ein DAX-Konzern. Sie verdient nicht nur am Handel, sondern auch an Indexlizenzen, Datenverkauf, Abwicklung und der Terminbörse Eurex.

Für Anleger ist das ein bemerkenswerter Punkt: Die Börse ist kein neutraler Dienstleister im Staatsbesitz, sondern ein gewinnorientiertes Unternehmen, dessen Aktie selbst gehandelt wird – siehe das Porträt der Deutsche-Börse-Aktie.

Wann sich Frankfurt lohnt

Bei Anleihen und Fonds, weil das Angebot größer ist als an den Neobroker-Plätzen.

Bei Nebenwerten, die außerhalb Frankfurts kaum handelbar sind.

Am Abend, wenn Xetra geschlossen ist und man auf US-Nachrichten reagieren möchte.

Nicht nötig ist Frankfurt bei Standardwerten während der Haupthandelszeit – dort bietet Xetra in der Regel die besseren Preise.

Einordnung

Die Börse Frankfurt ist der vielseitigste deutsche Handelsplatz, aber nicht der günstigste. Für Standardaktien ist Xetra meist die bessere Wahl, für alles Abseitige lohnt der Blick nach Frankfurt.

Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Übersicht Handelsplätze.

Alle Handelsplätze

Übersicht Handelsplätze · Xetra · Börse Frankfurt · Tradegate · gettex · LS Exchange · Quotrix · Börse Stuttgart · Eurex

Stand: September 2026. Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

Das könnte Sie auch interessieren