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Innerer Wert und Zeitwert: Woraus der Optionspreis besteht

von FNE-Redaktion

Der innere Wert einer Option ist der Betrag, den der Inhaber sofort erlösen würde, wenn er sie jetzt ausübt und den Basiswert zum Marktpreis glattstellt. Wer nach dem inneren Wert einer Option fragt, will also wissen, welcher Teil der Prämie durch den aktuellen Kurs gedeckt ist. Alles darüber hinaus heißt Zeitwert oder Aufgeld. Die Einteilung in die Zustände im, am und aus dem Geld behandelt der Beitrag At the Money. Hier stehen die Rechnung und die praktischen Folgen im Mittelpunkt.

Definition und Formel

Für den Inhaber kann ein Recht nie weniger als null wert sein, denn er muss es nicht nutzen. Daraus folgen die Formeln mit dem Kurs S und dem Basispreis K:

  • Innerer Wert Call = max(S − K; 0)
  • Innerer Wert Put = max(K − S; 0)
  • Zeitwert = Optionspreis − innerer Wert

Der innere Wert hängt nur von diesen zwei Größen ab und lässt sich ohne Modell berechnen. Der Zeitwert dagegen entsteht aus der Restlaufzeit, der erwarteten Schwankung, dem Zinsniveau und erwarteten Dividenden. Er ist die Bezahlung für die Möglichkeit, dass sich die Option bis zum Verfall noch günstiger entwickelt.

Beispiel: Eine Optionskette zerlegen

Die fiktive Lindauer Textil notiert bei 52,30 Euro. Für drei Monate Laufzeit könnte die Optionskette so aussehen:

TypBasispreisPrämieInnerer WertZeitwertAnteil Zeitwert
Call46 €7,17 €6,30 €0,87 €12 %
Call52 €3,20 €0,30 €2,90 €91 %
Call58 €1,09 €0,00 €1,09 €100 %
Put46 €0,60 €0,00 €0,60 €100 %
Put52 €2,59 €0,00 €2,59 €100 %
Put58 €6,44 €5,70 €0,74 €11 %

Der Call mit Basispreis 46 Euro enthält 6,30 Euro innerem Wert. Die restlichen 0,87 Euro sind Aufgeld. Beim Call zu 58 Euro besteht die Prämie vollständig aus Zeitwert. Am höchsten ist das Aufgeld nahe am aktuellen Kurs, wie die Zeile für Basispreis 52 Euro zeigt: Hier ist die Unsicherheit über den Ausgang am größten.

Für den Käufer ist die Zerlegung eine schnelle Prüfung. Wer einen Call zu 7,17 Euro erwirbt, zahlt mit 0,87 Euro nur den kleineren Teil für die Zeit, während beim Call zu 58 Euro der gesamte Einsatz bei unverändertem Kurs verloren ginge.

Wie der Zeitwert abschmilzt

Mit jedem Tag sinkt der Zeitwert, am Verfall ist er null. Der Rückgang verläuft nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt sich bei Optionen am Geld zum Ende hin. Die folgende Modellrechnung nach dem Black-Scholes-Modell zeigt dies für den Call zu 52 Euro bei unverändertem Kurs von 52,30 Euro, 28 Prozent Volatilität und angenommenen 2,4 Prozent Zins:

ResttageModellpreisInnerer WertZeitwertVerlust je Tag seit Vorzeile
1203,69 €0,30 €3,39 €–
903,20 €0,30 €2,90 €0,016 €
602,62 €0,30 €2,32 €0,019 €
301,88 €0,30 €1,58 €0,025 €
141,32 €0,30 €1,02 €0,035 €
30,70 €0,30 €0,40 €0,057 €

Zwischen 120 und 90 Resttagen kostet die Zeit also deutlich weniger je Tag als in den letzten beiden Wochen. Das Diagramm zeigt denselben Zusammenhang über verschiedene Aktienkurse: Der Abstand zwischen der gestrichelten Linie des inneren Werts und der Preiskurve ist der Zeitwert, und er ist nahe dem Basispreis am breitesten.

0 €4 €8 €12 €16 €38 €42 €46 €50 €54 €58 €62 €66 €gestrichelt: innerer Wert

Bedeutung für Anleger

Die wichtigste Folge betrifft die Ausübung. Wer eine Option mit restlichem Zeitwert ausübt, verschenkt diesen Betrag, denn er erhält nur den inneren Wert. Der Verkauf an der Börse bringt in der Regel den vollen Marktpreis. Beim Call zu 46 Euro aus dem Beispiel ergäbe die Ausübung 6,30 Euro, der Verkauf aber 7,17 Euro. Die Kostenseite beschreibt der Beitrag Optionen kaufen.

Auch die Strategiewahl hängt an der Zerlegung. Käufer von Optionen aus dem Geld brauchen eine schnelle Kursbewegung, weil der gesamte Einsatz aus Zeitwert besteht. Verkäufer vereinnahmen genau diesen Zeitwert, tragen dafür aber das Risiko der Kursbewegung, wie der Beitrag zu Stillhaltergeschäften zeigt. Das tägliche Maß für den Verfall heißt Theta und wird unter den Optionsgriechen erläutert.

Beim Optionsschein gilt dasselbe Prinzip, nur muss das Bezugsverhältnis einfließen: Bezieht sich ein Schein auf ein Zehntel Aktie, beträgt auch der innere Wert nur ein Zehntel. Das Aufgeld wird dort häufig in Prozent des Aktienkurses angegeben, was den Vergleich zwischen Scheinen mit unterschiedlichem Bezugsverhältnis erleichtert.

Grenzen und Sonderfälle

  • Negativer Zeitwert: Europäische Puts tief im Geld oder Calls vor einer hohen Dividende können unter ihrem inneren Wert notieren, weil eine Ausübung vor dem Verfall nicht möglich ist.
  • Dividenden: Bei amerikanischen Calls kann die Ausübung kurz vor dem Ex-Tag ausnahmsweise günstiger sein als der Verkauf.
  • Geld-Brief-Spanne: Illiquide Optionen lassen sich teils nur unter dem rechnerischen Wert verkaufen.
  • Momentaufnahme: Der innere Wert gilt nur für den aktuellen Kurs. Schon wenige Minuten später kann er anders ausfallen.

Fazit

Innerer Wert und Zeitwert teilen jede Optionsprämie in zwei klar unterscheidbare Teile. Der eine beruht auf dem heutigen Kurs, der andere auf der noch offenen Zukunft. Wer die Zerlegung beherrscht, erkennt rasch, wofür er zahlt, weshalb der Verkauf der Ausübung meist überlegen ist und warum Optionen ohne Kursbewegung an Wert verlieren.

Fragen und Antworten

Kann der innere Wert negativ sein?

Nein. Der Inhaber muss nicht ausüben, deshalb ist die Untergrenze null. Liegt der Kurs auf der ungünstigen Seite des Basispreises, ist die Option schlicht ohne inneren Wert.

Wie berechne ich den Zeitwert einer Option?

Vom aktuellen Optionspreis wird der innere Wert abgezogen. Bei Optionen aus dem Geld oder genau am Geld ist die gesamte Prämie Zeitwert.

Wann ist der Zeitwert am höchsten?

Bei Optionen am Geld mit langer Restlaufzeit und hoher erwarteter Schwankung. Weit im oder aus dem Geld fällt er deutlich kleiner aus.

Warum ist der Zeitwert am Verfallstag null?

Weil danach keine weitere Kursbewegung mehr zählen kann. Die Option ist dann entweder ihren inneren Wert oder nichts mehr wert.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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