Ein Calendar Spread, auch Time Spread oder horizontaler Spread genannt, kombiniert den Verkauf einer kurz laufenden mit dem Kauf einer länger laufenden Option. Beide haben denselben Basiswert, denselben Typ und meist denselben Basispreis. Die Strategie nutzt aus, dass die kurze Option ihren Zeitwert schneller verliert als die lange. Während Kombinationen wie der Bull Call Spread über den Abstand der Basispreise arbeiten, liegt der Hebel beim Calendar Spread in der Laufzeit.
Definition und Aufbau
Beim Long Calendar Spread gilt:
- Verkauf einer Option mit naher Fälligkeit
- Kauf einer Option gleichen Typs und Basispreises mit späterer Fälligkeit
Die längere Option kostet stets mehr, daher entsteht immer eine Zahlung. Mit einem abweichenden Basispreis wird daraus ein Diagonal Spread. Die Variante lässt sich mit Calls oder Puts bauen. Der Begriff taucht außerdem an Terminmärkten auf: Dort bezeichnet er die Differenz zweier Kontraktmonate eines Futures, was mit dieser Optionsstrategie nichts zu tun hat.
Funktionsweise
Zwei Eigenschaften tragen die Konstruktion. Erstens beschleunigt sich der Zeitwertverlust zum Verfall hin, wie im Beitrag zum inneren Wert dargestellt. Die kurze Option büßt daher schneller Wert ein. Zweitens reagieren länger laufende Optionen stärker auf die Volatilität, sodass die Position in der Summe ein positives Vega aufweist.
Das beste Ergebnis entsteht, wenn der Basiswert am Verfall der kurzen Option genau am Basispreis steht: Diese verfällt wertlos, die lange behält den höchstmöglichen Zeitwert. Anders als bei Spreads mit gleicher Fälligkeit lässt sich das Ergebnis nicht exakt vorab berechnen, weil der Wert der verbleibenden Option vom Markt abhängt. Es gibt nur eine Formel für das Risiko: Der maximale Verlust entspricht der gezahlten Nettoprämie.
Beispiel mit Zahlen
Die fiktive Wendelstein Foods notiert bei 58,70 Euro. Für den Basispreis 60 Euro ergeben sich bei 27 Prozent Volatilität und angenommenen 2,4 Prozent Zins nach dem Black-Scholes-Modell diese Modellpreise:
- Verkauf Call mit 31 Tagen Laufzeit zu 1,33 Euro
- Kauf Call mit 94 Tagen Laufzeit zu 2,79 Euro
- Nettoeinsatz 1,46 Euro je Aktie, also 146 € pro Kontrakt
Die Tabelle zeigt das Modellergebnis am Verfall der kurzen Option, wenn die lange Option noch 63 Tage läuft und die Volatilität unverändert ist:
| Kurs nach 31 Tagen | Wert langer Call | Innerer Wert Short Call | Ergebnis je Kontrakt |
|---|---|---|---|
| 50,00 € | 0,15 € | 0,00 € | −131 € |
| 54,00 € | 0,64 € | 0,00 € | −82 € |
| 58,00 € | 1,85 € | 0,00 € | +39 € |
| 60,00 € | 2,80 € | 0,00 € | +134 € |
| 62,00 € | 3,99 € | 2,00 € | +53 € |
| 66,00 € | 6,97 € | 6,00 € | −49 € |
| 72,00 € | 12,40 € | 12,00 € | −106 € |
Bei 60 Euro erreicht der Spread im Modell +134 €. Sinkt oder steigt der Kurs deutlich, fließt der Wert der Position in Richtung null, der Einsatz ist dann weitgehend verloren. Die gestrichelte Kurve zeigt die Wirkung einer höheren Volatilität von 31 Prozent auf die dann noch laufende Option.
Calls oder Puts?
Ob der Spread mit Calls oder Puts aufgebaut wird, spielt bei gleichem Basispreis nur eine geringe Rolle, denn die Parität verbindet beide Typen. Unterschiede zeigen sich bei Liquidität, Dividenden und Zuteilung. Liegt der Basispreis über dem Kurs, sind die Calls aus dem Geld und meist besser handelbar, liegt er darunter, gilt das für die Puts. Mit dem gewählten Basispreis drückt der Anleger zugleich eine leichte Richtungserwartung aus, denn das Profil hat seine Spitze am Basispreis und nicht am aktuellen Kurs. Im Beispiel muss die Aktie um 1,30 Euro steigen, um den günstigsten Punkt zu erreichen.
Volatilität als zweiter Hebel
Weil das Vega der längeren Option überwiegt, profitiert die Position von steigender impliziter Volatilität. Besonders interessant ist die Laufzeitstruktur: Vor Quartalszahlen sind kurz laufende Optionen oft relativ teuer. Fällt die Veröffentlichung noch in die Laufzeit der verkauften Option, sinkt deren Aufschlag nach dem Termin. Das unterstützt den Spread, sofern der Kurs nicht zu weit davonläuft.
Bedeutung für Anleger
Für Anleger ist der Calendar Spread vor allem ein Instrument für ruhige Phasen mit einem klaren Kursniveau. Er lässt sich außerdem wiederholen: Nach dem Verfall der kurzen Option kann erneut eine verkauft werden, ähnlich dem Covered Call, nur dass hier die lange Option statt der Aktie als Deckung dient. Besonders mit LEAPS als langem Baustein wird das genutzt. Damit steigt allerdings der Einsatz. Mit dem Verfall der kurzen Option ist die Entscheidung fällig, die lange Option zu verkaufen oder weiterzuführen. Bleibt sie liegen, trägt der Anleger das volle Risiko eines gekauften Calls.
Grenzen und Risiken
- Starke Bewegung: Läuft der Kurs weg, nähern sich die Preise beider Optionen an und der Einsatz schmilzt.
- Sinkende Volatilität: Ein Rückgang trifft die längere Option stärker und kann den Spread auch bei günstigem Kurs belasten.
- Zuteilung: Wird die verkaufte amerikanische Option ausgeübt, entsteht vor dem Verfall der langen Option eine Aktienposition.
- Kosten und Rollen: Jede Wiederholung bringt neue Gebühren und Spannen mit sich.
- Modellrisiko: Vorab genannte Gewinne sind Schätzungen. Der tatsächliche Marktpreis kann abweichen.
Fazit
Der Calendar Spread macht den unterschiedlichen Zeitwertverlust zweier Laufzeiten handelbar. Sein Risiko ist auf die Nettozahlung begrenzt, das Ergebnis hängt aber vom Kursniveau und von der Volatilität zugleich ab. Wer die Strategie einsetzt, braucht deshalb eine Erwartung für beide Größen, nicht nur für die Kursrichtung.
Fragen und Antworten
Was ist ein Calendar Spread?
Der Verkauf einer kurz laufenden und der Kauf einer länger laufenden Option mit gleichem Basiswert, Typ und meist gleichem Basispreis.
Wann erzielt ein Calendar Spread den höchsten Gewinn?
Wenn der Kurs am Verfall der kurzen Option nahe am Basispreis steht. Dann verfällt die verkaufte Option wertlos, die gekaufte behält viel Zeitwert.
Wie hoch ist das Verlustrisiko?
Begrenzt auf die Nettoprämie plus Kosten, solange beide Optionen gemeinsam geführt und gemeinsam geschlossen werden.
Was ist der Unterschied zu einem Diagonal Spread?
Beim Diagonal Spread unterscheiden sich neben den Laufzeiten auch die Basispreise. Dadurch erhält die Position zusätzlich eine Kursrichtung.
Quellen
- Options Industry Council: Long Call Calendar Spread
- Options Industry Council: Long Put Calendar Spread
- Cboe: Advanced Options Trading Strategies
- OCC: Characteristics and Risks of Standardized Options
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.