Der Greenspan Put bezeichnet die Erwartung, dass die US-Notenbank unter Alan Greenspan nach schweren Kurseinbrüchen zuverlässig lockerte. Der Begriff entstand an den Märkten, nicht in der Notenbank – und er beschreibt eine Amtszeit, die mit einem Crash begann und mit einer Blase endete.
Das Wichtigste in Kürze
| Person | Alan Greenspan, 13. Vorsitzender des Direktoriums der Federal Reserve |
| Amtszeit | Amtsantritt am 11. August 1987, letzte Amtszeit endete am 31. Januar 2006 – 18 Jahre |
| Namensgebender Mechanismus | nach Kurseinbrüchen folgten Zinssenkungen, und zwar schnell |
| Prägende Episoden | Oktober 1987, Herbst 1998, Jahr 2001 |
| Bekannteste Rede | 5. Dezember 1996, mit der Frage nach „irrationaler Überschwänglichkeit“ |
| Kernvorwurf | die Fed habe Blasen nicht gebremst, sondern nur ihre Folgen gemildert |
| Nachfolge des Begriffs | heute allgemein als Fed Put über alle Amtszeiten hinweg |
Der Amtsantritt und der Schwarze Montag
Greenspan übernahm das Amt am 11. August 1987. Gut zwei Monate später, am 19. Oktober 1987, verlor der Dow Jones an einem einzigen Handelstag rund 22 Prozent – der stärkste Tagesverlust der amerikanischen Börsengeschichte. Nach Darstellung der Notenbank selbst handelte der neue Vorsitzende unverzüglich und sorgte für Liquidität an den Märkten.
Diese Episode begründete den Ruf. Eine Notenbank, die am Morgen nach einem Crash erklärt, Geld bereitzustellen, nimmt dem Markt die schlimmste Sorge – nämlich die, dass Händler und Clearingstellen ihre Verpflichtungen nicht erfüllen können. Dass es funktionierte, machte das Vorgehen zur Erwartung für die nächsten Jahrzehnte.
1998: der Hedgefonds, der fast das System riss
Im Sommer 1998 geriet der Hedgefonds Long-Term Capital Management in Schieflage, nachdem Russland seine Schulden nicht mehr bediente. Der Fonds war mit hohem Fremdkapital bei nahezu allen großen Banken verschuldet. Die Notenbank senkte in sieben Wochen dreimal:
| Datum | Neuer Zielsatz |
|---|---|
| 29. September 1998 | 5,25 % |
| 15. Oktober 1998 | 5,00 % |
| 17. November 1998 | 4,75 % |
Parallel versammelte die Federal Reserve Bank of New York 14 Banken, die den Fonds mit eigenem Kapital stützten. Kein Staatsgeld, aber eine von der Notenbank organisierte Rettung – und eine Zinssenkung dazu, obwohl die amerikanische Wirtschaft wuchs. Genau diese Kombination brachte dem Begriff seine Prägnanz.
2001: von 6,50 auf 1,75 Prozent
Mit dem Platzen der Technologieblase folgte die massivste Lockerung der Amtszeit. Am 3. Januar 2001 senkte die Notenbank außerhalb des Sitzungskalenders um 50 Basispunkte auf 6,00 Prozent; am 11. Dezember desselben Jahres lag der Zielsatz bei 1,75 Prozent. Elf Senkungen in zwölf Monaten, vom Ausgangsniveau 6,50 Prozent.
Der Kursverfall an den Technologiebörsen zog sich dennoch bis 2002 hin. Das ist eine wichtige Einschränkung: Der Put verhinderte den Absturz nicht, er begleitete ihn.
Die Doktrin: aufräumen statt verhindern
Am 5. Dezember 1996 hielt Greenspan beim American Enterprise Institute die Francis-Boyer-Vorlesung unter dem Titel „The Challenge of Central Banking in a Democratic Society“. Darin stellte er die Frage, die seitdem zitiert wird: Woran erkenne man, wann „irrationale Überschwänglichkeit“ die Vermögenspreise unangemessen in die Höhe getrieben habe – und was geschehe, wenn diese Preise dann unerwartet und dauerhaft nachgäben. Als Beispiel nannte er Japan im vorangegangenen Jahrzehnt.
Die Frage war also gestellt, drei Jahre vor dem Höhepunkt der Technologieblase. Die Notenbank hat den Anstieg der Aktienkurse danach nicht mit Zinserhöhungen bekämpft. Daraus entstand die Beschreibung der Doktrin: Blasen seien im Voraus nicht sicher zu erkennen, deshalb solle die Notenbank sie nicht anstechen, sondern die Folgen des Platzens abfedern.
Ob diese Haltung richtig war, ist bis heute offen. Für sie spricht, dass eine Notenbank Bewertungen nicht besser einschätzen kann als der Markt und dass vorbeugende Zinserhöhungen die Realwirtschaft treffen, bevor sie die Spekulation treffen. Gegen sie spricht, dass eine Notenbank, die nur nach unten eingreift, die Verteilung der Risiken verschiebt – die Frage, die unter dem Schlagwort Fed Put weiterdiskutiert wird.
Was aus dem Begriff wurde
Nach 2006 wanderte das Schlagwort zu den Nachfolgern und wurde allgemeiner. Heute ist vom Fed Put die Rede, unabhängig von der Person an der Spitze. Die Vorstellung hat sich damit von Greenspan gelöst – und ist auf die Probe gestellt worden: 2022 erhöhte die Notenbank um 425 Basispunkte, während die Kurse ein Drittel verloren.
Die Federal Reserve teilte am 22. Juni 2026 mit, dass Alan Greenspan gestorben ist.
Fragen und Antworten
Was bedeutet Greenspan Put?
Die Erwartung, dass die Notenbank unter Greenspan bei stark fallenden Kursen die Zinsen senkt und damit wie eine Verkaufsoption einen Boden setzt. Eine Zusage oder ein Beschluss dieses Inhalts hat es nie gegeben.
Wer hat den Begriff geprägt?
Er entstand im Marktjargon der 1990er-Jahre, nicht in der Notenbank. Eine einzelne belegte Urheberschaft lässt sich nicht nachweisen.
Hat Greenspan die Dotcom-Blase verursacht?
Das ist umstritten und nicht entscheidbar. Belegt ist, dass er die Überbewertung 1996 öffentlich zur Frage machte und die Notenbank den Anstieg danach nicht mit Zinserhöhungen bremste. Ob strengere Geldpolitik die Blase verhindert oder nur die Konjunktur gedämpft hätte, lässt sich nachträglich nicht feststellen.
Gilt der Greenspan Put heute noch?
Der Begriff bezieht sich auf eine abgeschlossene Amtszeit. Die allgemeine Form wird als Fed Put diskutiert – mit dem Jahr 2022 als dokumentiertem Gegenbeispiel.
Was war LTCM?
Long-Term Capital Management war ein stark fremdfinanzierter Hedgefonds, der 1998 nach dem russischen Zahlungsausfall in Schieflage geriet. Weil nahezu alle großen Banken Forderungen gegen ihn hatten, organisierte die New Yorker Notenbank eine private Stützung durch 14 Institute.
Fazit
Der Greenspan Put ist der Name für ein Muster, das in 18 Jahren Amtszeit dreimal deutlich zu sehen war: 1987, 1998 und 2001 folgte auf einen Kurseinbruch eine schnelle Lockerung. Ein Instrument war es nie, eine Zusage auch nicht.
Was von der Debatte bleibt, ist keine Frage über eine Person, sondern über eine Methode: Soll eine Notenbank steigenden Vermögenspreisen entgegentreten, oder nur die Folgen ihres Falls abfedern? Greenspan hat die Frage 1996 selbst gestellt. Beantwortet ist sie bis heute nicht.
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Quellen
- Federal Reserve History: Alan Greenspan
- Alan Greenspan: The Challenge of Central Banking in a Democratic Society, Rede vom 5. Dezember 1996
- Federal Reserve: Open Market Operations Archive, Zielsätze 1990 bis 2002
- Federal Reserve: Open Market Operations, Zielsätze seit 2003
- Federal Reserve: Federal Reserve notes with deep sadness the passing of Alan Greenspan, 22. Juni 2026
Stand November 2026. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar.