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Börsencrash 1929: Schwarzer Donnerstag und die Weltwirtschaftskrise

von user

Der Börsencrash von 1929 ist der Maßstab, an dem sich alle späteren Krisen messen lassen müssen. In wenigen Tagen im Oktober brach an der Wall Street eine jahrelange Spekulationsblase zusammen. Was folgte, war nicht nur der größte Kurssturz der Geschichte, sondern die Weltwirtschaftskrise – mit Massenarbeitslosigkeit in den USA und in Deutschland.

Das Wichtigste in Kürze

Höchststand vor dem CrashDow Jones 381 Punkte am 3. September 1929
Schwarzer Donnerstag24. Oktober 1929, erste Panikverkäufe
Schwarzer Montag und Dienstag28. und 29. Oktober 1929, jeweils Verluste von über elf Prozent
TiefpunktJuli 1932 mit 41 Punkten
Gesamtverlustrund 89 Prozent
Alter Höchststand wieder erreichtNovember 1954

Die „Roaring Twenties“: Boom auf Pump

Die 1920er-Jahre waren in den USA eine Zeit des Aufbruchs. Autos, Radios und Kühlschränke wurden Massenprodukte, die Industrie wuchs, und immer mehr Menschen kauften Aktien. Der Dow Jones stieg zwischen 1921 und 1929 auf etwa das Sechsfache.

Befeuert wurde der Boom durch Kredite. Anleger konnten Aktien mit nur einem kleinen Teil Eigenkapital kaufen, den Rest lieh ihnen der Broker. Solange die Kurse stiegen, vervielfachte das die Gewinne. Die Aktien selbst dienten als Sicherheit für die Kredite.

Gleichzeitig entkoppelten sich die Kurse von der Wirtschaft. Schon im Sommer 1929 schwächte sich die Industrieproduktion ab, doch an der Börse ging es weiter aufwärts.

Warnsignale, die man hätte sehen können

Im Rückblick gab es vor dem Crash deutliche Hinweise. Die Menge der Aktienkredite war in wenigen Jahren stark gestiegen, die Notenbank hatte die Zinsen erhöht, und die Industrieproduktion ging bereits zurück. Zeitgenössische Berichte beschreiben zudem, wie Aktientipps zum Gesprächsthema in allen Bevölkerungsschichten geworden waren – ein Zeichen, dass kaum noch neue Käufer übrig waren, die die Kurse weiter hätten treiben können.

Die schwarzen Oktobertage

Anfang September 1929 erreichte der Dow Jones mit 381 Punkten seinen Höchststand. In den folgenden Wochen fielen die Kurse zunächst langsam. Am Donnerstag, dem 24. Oktober, brach Panik aus: Innerhalb weniger Stunden wurden Rekordmengen an Aktien verkauft. Große Banken versuchten, den Markt mit gezielten Käufen zu stützen – mit kurzem Erfolg.

In der folgenden Woche brachen alle Dämme. Am Montag, dem 28. Oktober, und am Dienstag, dem 29. Oktober, verlor der Index jeweils mehr als elf Prozent. Weil in Europa wegen der Zeitverschiebung der Freitag der erste Handelstag nach dem Schwarzen Donnerstag war, spricht man in Deutschland oft vom „Schwarzen Freitag“.

Warum der Absturz sich selbst verstärkte

Die Kredite, die den Boom angetrieben hatten, beschleunigten nun den Fall. Wenn die Kurse sanken, verlangten die Broker zusätzliche Sicherheiten. Wer nicht zahlen konnte, dessen Aktien wurden verkauft – was die Kurse weiter drückte und die nächsten Anleger in dieselbe Lage brachte.

MechanismusWirkung
Aktienkauf auf KreditVerluste treffen das Eigenkapital vielfach
NachschussforderungenZwangsverkäufe bei fallenden Kursen
BankenzusammenbrücheErsparnisse gehen verloren, Kredite werden gekündigt
Sinkende NachfrageUnternehmen entlassen Beschäftigte, Gewinne brechen ein

Von der Börsen- zur Weltwirtschaftskrise

Der Crash allein erklärt die Große Depression nicht, aber er löste eine Kettenreaktion aus. Tausende amerikanische Banken gingen in den folgenden Jahren pleite, Sparer verloren ihr Geld, Unternehmen ihre Kredite. Die Arbeitslosigkeit in den USA stieg auf rund ein Viertel der Erwerbstätigen.

Deutschland traf die Krise besonders hart. Die Wirtschaft der Weimarer Republik hing stark an kurzfristigen amerikanischen Krediten, die nun zurückgefordert wurden. Die Arbeitslosenzahl stieg bis 1932 auf rund sechs Millionen. Die wirtschaftliche Not trug erheblich zur politischen Radikalisierung bei.

Der lange Weg zurück

Der Tiefpunkt kam erst im Juli 1932: Der Dow Jones stand bei 41 Punkten, rund 89 Prozent unter seinem Höchststand. Sein altes Rekordniveau erreichte er erst im November 1954 wieder – 25 Jahre nach dem Crash.

Diese Zahl wird oft zitiert, um zu zeigen, wie gefährlich Aktien sein können. Sie erzählt aber nur einen Teil der Geschichte. Wer nach dem Crash zu den niedrigen Kursen investierte und Dividenden wieder anlegte, war deutlich früher wieder im Plus. Die Deflation jener Jahre bedeutete zudem, dass ein Dollar später mehr wert war als 1929.

Die Folgen: Regeln, die bis heute gelten

Der Crash veränderte das Finanzsystem grundlegend. In den USA wurde eine Börsenaufsicht gegründet, Aktienkäufe auf Kredit wurden begrenzt, und das Geschäft von Einlagenbanken und Investmentbanken wurde getrennt. Auch die Einlagensicherung für Sparer geht auf diese Zeit zurück. Wie die Aufsicht heute in Deutschland organisiert ist, zeigt der Beitrag zur BaFin.

Was Anleger daraus lernen können

Kredite verstärken Verluste. Der wichtigste Beschleuniger des Absturzes war Geld, das Anleger gar nicht besaßen. Wer ohne Kredit investiert, kann einen Crash aussitzen.

Einstiegszeitpunkt und Streuung zählen. Wer alles auf einmal zum Höchststand investierte, litt am längsten. Wer regelmäßig kaufte, profitierte von den niedrigen Preisen nach dem Crash – das Prinzip hinter einem ETF-Sparplan.

Kurse und Wirtschaft können sich lange voneinander lösen. 1929 stiegen die Aktien noch, als die Wirtschaft schon schwächelte. Irgendwann holt die Realität die Kurse ein.

Häufige Fragen

Warum heißt es in Deutschland „Schwarzer Freitag“?

Die Nachrichten vom Schwarzen Donnerstag an der Wall Street erreichten Europa wegen der Zeitverschiebung erst am Freitag, dem 25. Oktober 1929. An diesem Tag reagierten die europäischen Börsen.

Wie lange dauerte die Erholung nach 1929?

Der Dow Jones brauchte bis 1954, um seinen Höchststand von 1929 wieder zu erreichen. Unter Berücksichtigung von Dividenden und Deflation war die Erholung für Anleger allerdings deutlich kürzer.

Fazit

Der Crash von 1929 zeigt, was passiert, wenn Spekulation, Kredit und ein fragiles Bankensystem zusammenkommen. Er war der Anfang einer Weltwirtschaftskrise, die Politik und Gesellschaft über Jahre prägte.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist er bis heute der wichtigste Beleg dafür, warum Aktien nicht auf Pump gekauft werden sollten. Weitere Krisen und ihre Muster zeigt die Übersicht zum Börsencrash.

Börsencrashs der Geschichte

Übersicht: alle großen Crashs · Börsencrash 1929 · Schwarzer Montag 1987 · Finanzkrise 2008 · Corona-Crash 2020

Stand: September 2026. Historische Kurs- und Indexangaben gerundet, ohne Gewähr. Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

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