Im Februar 2020 standen viele Börsen auf Rekordniveau. Vier Wochen später hatten sie ein Drittel ihres Wertes verloren. Der Corona-Crash war der schnellste Absturz der Börsengeschichte – und zugleich einer der am schnellsten überwundenen. Er zeigt, wie radikal sich Stimmungen drehen können.
Das Wichtigste in Kürze
| Auslöser | weltweite Ausbreitung des Coronavirus und Lockdowns |
| DAX-Höchststand | rund 13.790 Punkte am 19. Februar 2020 |
| DAX-Tiefpunkt | rund 8.440 Punkte am 18. März 2020 |
| Rückgang | rund 39 Prozent in vier Wochen |
| Besonderheit | schnellster Absturz in einen Bärenmarkt der Geschichte |
| Alter Höchststand wieder erreicht | DAX Ende 2020 |
Vom Rekord in die Panik
Noch Mitte Februar 2020 schien das Virus für viele Anleger ein fernes Problem in China zu sein. Der DAX markierte am 19. Februar ein Rekordhoch. Als sich die Infektionen in Italien und anderen europäischen Ländern rasant ausbreiteten, kippte die Stimmung.
Innerhalb weniger Wochen wurden Grenzen geschlossen, Geschäfte und Fabriken stillgelegt, Flugzeuge blieben am Boden. Niemand konnte abschätzen, wie lange der Stillstand dauern und wie tief die Wirtschaft einbrechen würde. Genau diese Unsicherheit trieb die Kurse nach unten.
Der Absturz im März 2020
Die Verluste kamen in atemberaubendem Tempo. Mehrfach fielen die Kurse an einem Tag um mehr als zehn Prozent. In den USA wurde der Handel im März an mehreren Tagen automatisch unterbrochen, weil die Kurse innerhalb weniger Minuten die Schwelle für die Notbremse erreichten – ein Mechanismus, der nach dem Schwarzen Montag 1987 eingeführt worden war.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 19. Februar 2020 | DAX erreicht Rekordhoch |
| Ende Februar | Ausbreitung in Europa, erste starke Kursverluste |
| 9. bis 16. März | mehrere Tage mit Einbrüchen um über zehn Prozent |
| 18. März 2020 | Tiefpunkt des DAX |
| Ende März | Notenbanken und Regierungen beschließen riesige Hilfspakete |
Auch Anlagen, die als sicher gelten, gerieten kurzzeitig unter Druck. Selbst Gold fiel in der ersten Panikphase, weil viele Investoren alles verkauften, um an Bargeld zu kommen.
Der Ölpreis-Schock
Verstärkt wurde der Absturz durch einen Preiskrieg am Ölmarkt. Anfang März 2020 konnten sich Saudi-Arabien und Russland nicht auf Förderkürzungen einigen, Saudi-Arabien kündigte stattdessen eine Ausweitung der Produktion an. Gleichzeitig brach die Nachfrage ein, weil Flugzeuge und Autos stillstanden.
Im April 2020 kam es zu einem historischen Kuriosum: Der Preis für einen Terminkontrakt auf amerikanisches Rohöl fiel zeitweise unter null. Händler zahlten Geld dafür, Öl abzunehmen, weil die Lagerkapazitäten knapp wurden. Für Anleger, die über Hebelprodukte auf steigende Ölpreise gesetzt hatten, endete das oft im Totalverlust.
Die schnellste Erholung der Geschichte
Die Wende kam ebenso abrupt. Notenbanken senkten die Zinsen auf null und kauften in großem Stil Anleihen. Regierungen beschlossen Hilfsprogramme in nie dagewesener Höhe, in Deutschland unter anderem erweitertes Kurzarbeitergeld und Soforthilfen für Unternehmen.
Die Börsen reagierten, lange bevor die Wirtschaft sich erholte. Bereits im Sommer 2020 hatten die US-Börsen ihre Verluste aufgeholt, der DAX erreichte gegen Ende des Jahres wieder Rekordniveau. Wer im März in Panik verkauft hatte, verpasste diese Erholung weitgehend.
Gewinner und Verlierer
Der Crash traf nicht alle Unternehmen gleich. Fluggesellschaften, Reiseanbieter und Einzelhändler litten schwer, einige mussten vom Staat gestützt werden. Technologiekonzerne, Onlinehändler und Anbieter von Videokonferenzen profitierten dagegen vom Wechsel ins Homeoffice. Die Krise beschleunigte so Entwicklungen, die ohnehin im Gang waren.
Was Anleger daraus lernen können
Niemand kann den Tiefpunkt treffen. Der Absturz und die Erholung kamen so schnell, dass kaum jemand rechtzeitig aus- und wieder einsteigen konnte. Wer investiert blieb, schnitt meist besser ab als diejenigen, die versuchten, den Markt zu timen.
Sparpläne arbeiten für einen. Ein ETF-Sparplan kaufte im März 2020 automatisch zu sehr niedrigen Kursen – ohne dass der Anleger mutig sein musste.
Die Börse ist nicht die Wirtschaft. Die Kurse stiegen wieder, während die Wirtschaft noch tief in der Krise steckte. Börsen handeln Erwartungen an die Zukunft, nicht die Nachrichten von heute.
Liquide Reserven sind Gold wert. Wer Geld für Notfälle auf einem Tagesgeldkonto hatte, musste im Crash keine Aktien verkaufen.
Die Folgen: Inflation und Zinswende
Die enormen Hilfsprogramme hatten eine Kehrseite. In Verbindung mit Lieferengpässen und später dem Energiepreisschock stieg die Inflation ab 2021 deutlich. Die Notenbanken erhöhten die Zinsen ab 2022 in hohem Tempo – was wiederum Aktien und Anleihen belastete und Immobilienkonzerne wie Signa in die Pleite trieb.
Häufige Fragen
Wie stark fiel der DAX im Corona-Crash?
Vom Rekordhoch am 19. Februar bis zum Tiefpunkt am 18. März 2020 verlor der DAX rund 39 Prozent.
Wie lange dauerte die Erholung?
Der DAX erreichte gegen Ende 2020 wieder sein Rekordniveau, gut neun Monate nach dem Höchststand vor dem Crash.
War der Corona-Crash vorhersehbar?
Nein. Der Auslöser war ein Ereignis außerhalb der Wirtschaft, das kaum jemand in dieser Form erwartet hatte. Gerade deshalb ist es sinnvoller, sich auf Rückschläge vorzubereiten, als zu versuchen, sie vorherzusagen.
Fazit
Der Corona-Crash war der schnellste Absturz und eine der schnellsten Erholungen der Börsengeschichte. Er zeigt, wie stark Angst die Kurse treiben kann – und wie schnell entschlossenes Handeln von Notenbanken und Regierungen die Stimmung wieder dreht.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die wichtigste Lehre, investiert zu bleiben, wenn die Nachrichten am schlechtesten sind. Weitere Crashs und ihre Verläufe zeigt die Übersicht zum Börsencrash.
Börsencrashs der Geschichte
Übersicht: alle großen Crashs · Börsencrash 1929 · Schwarzer Montag 1987 · Finanzkrise 2008 · Corona-Crash 2020
Stand: September 2026. Historische Kurs- und Indexangaben gerundet, ohne Gewähr. Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.