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Covered Call: So funktioniert der gedeckte Call mit Aktien im Depot

von FNE-Redaktion

Ein Covered Call ist eine Optionsstrategie, bei der ein Anleger Aktien besitzt und gleichzeitig eine Call-Option auf genau diese Aktien verkauft. Er kassiert dafür eine Prämie und verpflichtet sich im Gegenzug, die Papiere bei Ausübung zum vereinbarten Basispreis abzugeben. Die Grundlagen der Stillhalterrolle, die Sicherheitenhinterlegung und die Besteuerung der Prämien beschreibt der Beitrag zu Stillhaltergeschäften. Hier geht es um die Strategie selbst: wie das Auszahlungsprofil aussieht, wie Basispreis und Laufzeit gewählt werden und in welchen Marktphasen der gedeckte Call seine Stärken und Schwächen zeigt.

Definition: Aktie plus verkaufter Call

Die Position besteht aus zwei Bausteinen. Der erste ist die Long-Aktie, also der normale Bestand im Depot. Der zweite ist ein Short Call auf dieselbe Anzahl Aktien. Bei Aktienoptionen der Eurex bezieht sich ein Kontrakt in der Regel auf 100 Aktien, wer drei Kontrakte verkauft, braucht also 300 Stück im Depot. Weil die Lieferverpflichtung vollständig durch den Bestand abgesichert ist, spricht man von „gedeckt“. Fehlen die Aktien, handelt es sich um einen ungedeckten Call mit theoretisch unbegrenztem Risiko.

Im angelsächsischen Raum wird der gleichzeitige Kauf der Aktie und Verkauf des Calls auch „Buy-Write“ genannt. Die Optionsbörse Cboe berechnet seit 2002 den BXM-Index, der eine solche Buy-Write-Strategie auf den S&P 500 mit monatlich neu verkauften Calls am Geld abbildet. Er dient als Referenz dafür, wie sich die Strategie über viele Marktzyklen verhält.

Funktionsweise und Auszahlungsprofil

Das Ergebnis am Verfallstag hängt davon ab, wo der Aktienkurs im Verhältnis zum Basispreis steht. Bezeichnet S den Kaufkurs der Aktie, K den Basispreis, P die erhaltene Prämie und ST den Kurs am Verfall, gilt pro Aktie:

  • Liegt ST unter oder auf K, verfällt der Call wertlos. Ergebnis: (ST − S) + P.
  • Liegt ST über K, wird ausgeübt und die Aktie zu K geliefert. Ergebnis: (K − S) + P, unabhängig davon, wie hoch der Kurs gestiegen ist.
  • Gewinnschwelle: S − P. Erst unterhalb dieses Kurses entsteht ein Verlust.
  • Maximaler Gewinn: (K − S) + P.

Die Prämie wirkt also wie ein Puffer gegen leichte Kursrückgänge, ersetzt aber keine Absicherung. Fällt die Aktie stark, verliert der Anleger fast so viel wie ein reiner Aktionär, nur gemindert um die Prämie. Nach oben ist der Ertrag gedeckelt. Genau diese Asymmetrie prägt die gesamte Strategie.

Beispiel mit Zahlen

Ein Anleger hält 300 Aktien der fiktiven Nordwerk AG, gekauft zu 47,30 Euro. Er verkauft drei Call-Kontrakte mit Basispreis 50 Euro und zwei Monaten Restlaufzeit zu je 1,15 Euro pro Aktie. Die Prämieneinnahme beträgt 1,15 × 300 = 345 Euro. Die Gewinnschwelle liegt bei 47,30 − 1,15 = 46,15 Euro, der maximale Gewinn bei (50 − 47,30 + 1,15) × 300 = 1.155 Euro.

Kurs am VerfallErgebnis AktienErgebnis CallsGesamt
40,00 €−2.190 €+345 €−1.845 €
46,15 €−345 €+345 €0 €
48,00 €+210 €+345 €+555 €
50,00 €+810 €+345 €+1.155 €
55,00 €+2.310 €−1.155 €+1.155 €

Die Tabelle zeigt das typische Bild: Bis 50 Euro profitiert der Anleger voll von Kursgewinnen und zusätzlich von der Prämie. Oberhalb davon bleibt das Ergebnis bei 1.155 Euro stehen. Ein reiner Aktionär hätte bei 55 Euro 2.310 Euro verdient, also gut das Doppelte. Bezogen auf den Einstandskurs entspricht die Prämie 2,43 Prozent in zwei Monaten. Hochgerechnet auf ein Jahr wären das rund 14,6 Prozent, allerdings nur, wenn sich ähnliche Prämien sechsmal hintereinander erzielen ließen, was keineswegs sicher ist.

−10 €−5 €0 €5 €10 €38 €42 €46 €50 €54 €58 €Gewinnschwelle 46,15 €Max. Gewinn +3,85 € (ab 50 €)Kurs heute 47,30 €Die Prämie federt Verlustenur um 1,15 € je Aktie abam Verfallstag15 Tage vor Verfall (mit Zeitwert)nur Aktie (zum Vergleich)Kurs der Aktie am StichtagGewinn/Verlust je Aktie
Verlauf eines Covered Call: Aktie gekauft zu 47,30 €, Call mit Basispreis 50 € für 1,15 € je Aktie verkauft. Die gestrichelte orange Linie zeigt den rechnerischen Wert 15 Tage vor Verfall bei einer angenommenen Volatilität von 30 %, die graue Linie das Ergebnis der Aktie allein. Eigene Darstellung, fiktives Beispiel.

Basispreis und Laufzeit wählen

Die Wahl des Basispreises entscheidet über das Verhältnis von Prämie und Gewinnpotenzial:

  • Aus dem Geld (Basispreis über dem aktuellen Kurs): niedrigere Prämie, dafür Raum für Kursgewinne bis zum Basispreis. Geeignet, wenn der Anleger moderat steigende Kurse erwartet.
  • Am Geld: höchster Zeitwert und damit meist die größte Prämie ohne inneren Wert. Kursgewinne werden fast vollständig abgegeben. Der BXM-Index arbeitet mit diesem Ansatz. Mehr zu den Begriffen im Beitrag At the Money.
  • Im Geld: hohe Prämie mit großem innerem Wert, starker Puffer nach unten, aber eine Lieferung ist sehr wahrscheinlich.

Bei der Laufzeit gilt: Kurze Laufzeiten von vier bis acht Wochen bringen pro Tag gerechnet meist mehr Zeitwert, weil der Zeitwertverfall gegen Ende beschleunigt. Sie erfordern aber häufigere Entscheidungen und verursachen mehr Transaktionskosten. Längere Laufzeiten bringen absolut höhere Prämien, binden den Anleger jedoch länger an den Basispreis.

Rollen, Ausübung und Dividenden

Steigt die Aktie deutlich über den Basispreis und möchte der Anleger seine Stücke behalten, kann er den Call zurückkaufen und gleichzeitig einen neuen Call mit höherem Basispreis oder späterem Verfall verkaufen. Dieses Rollen kostet oft Geld, weil der alte Call inzwischen teurer geworden ist. Es verschiebt die Entscheidung, hebt den Deckel aber nicht auf.

Aktienoptionen an der Eurex sind überwiegend amerikanisch, können also jederzeit ausgeübt werden. Eine vorzeitige Ausübung ist besonders kurz vor einem Dividendentermin wahrscheinlich, wenn der Call tief im Geld liegt und sein Zeitwert kleiner ist als die bevorstehende Dividende. Der Stillhalter verliert dann Aktien und Dividende. Wer den Dividendenkalender im Blick behält, wird von solchen Andienungen seltener überrascht.

Bedeutung für Anleger

Der gedeckte Call verwandelt einen Teil des Kurspotenzials in laufende Einnahmen. Für Anleger mit einem Bestand, den sie ohnehin zu einem bestimmten Kurs verkaufen würden, kann das sinnvoll sein: Der Basispreis entspricht dann dem gewünschten Verkaufslimit, und bis dahin fließen Prämien. In Seitwärtsphasen oder bei leicht steigenden Kursen schneidet die Strategie typischerweise besser ab als das reine Halten der Aktie. Im Vergleich zu einem Short Put mit gleichem Basispreis ist das Chance-Risiko-Profil am Verfall übrigens nahezu identisch, was sich über die Put-Call-Parität erklären lässt.

Grenzen und Risiken

  • Kursverluste bleiben: Die Prämie dämpft Verluste nur um wenige Prozent. In einem Crash fällt die Position fast im Gleichschritt mit der Aktie.
  • Gekappte Gewinne: Gerade die stärksten Kurssprünge, etwa nach Übernahmeangeboten oder guten Quartalszahlen, gehen am Stillhalter vorbei.
  • Ungünstige Asymmetrie in Trendmärkten: Wer nach Kursrückgängen weiter Calls verkauft und nach Anstiegen geliefert wird, kauft oft teurer zurück als er verkauft hat.
  • Kosten und Aufwand: Optionsgebühren, Spreads und der Aufwand für regelmäßiges Rollen schmälern die Rendite.
  • Liquidität: Bei Nebenwerten sind Optionen oft dünn gehandelt, was die erzielbare Prämie mindert.

Fazit

Ein Covered Call ist eine überschaubare Erweiterung eines bestehenden Aktiendepots: Der Anleger tauscht Gewinnchancen oberhalb des Basispreises gegen eine sichere Prämie heute. Die Strategie eignet sich für ruhige oder leicht steigende Märkte und für Bestände mit einem klaren Zielkurs. Gegen starke Kursverluste schützt sie nicht. Wer sie einsetzt, sollte Basispreis, Laufzeit, Dividendentermine und Kosten bewusst planen.

Fragen und Antworten

Brauche ich für einen Covered Call genau 100 Aktien?

Bei Eurex-Aktienoptionen umfasst ein Kontrakt meist 100 Aktien. Für jeden verkauften Kontrakt müssen entsprechend viele Aktien im Depot liegen, damit der Call als gedeckt gilt.

Was passiert, wenn die Aktie über den Basispreis steigt?

Der Call wird in der Regel ausgeübt und die Aktien werden zum Basispreis geliefert. Der Anleger behält die Prämie, verzichtet aber auf jeden Kursgewinn oberhalb des Basispreises.

Schützt ein Covered Call vor Kursverlusten?

Nur in Höhe der vereinnahmten Prämie. Fällt die Aktie stärker, entsteht ein Verlust wie bei einem normalen Aktienbestand, nur leicht abgemildert.

Ist ein Covered Call dasselbe wie ein Short Put?

Am Verfallstag haben beide Positionen bei gleichem Basispreis und gleicher Laufzeit ein sehr ähnliches Gewinn-Verlust-Profil. Sie unterscheiden sich aber in Kapitalbindung, Dividendenanspruch und Abwicklung.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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