Eine Market Order ist ein Auftrag, ein Wertpapier ohne Preisgrenze sofort zum nächsten verfügbaren Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. Im deutschen Sprachgebrauch heißt die Kauforder „billigst“, die Verkaufsorder „bestens“. Der Anleger bekommt damit fast immer eine Ausführung, aber keine Garantie über den Preis. Das unterscheidet die Market Order grundlegend von der Limit Order, bei der ein Höchst- oder Mindestpreis festgelegt wird.
Definition: Ausführung vor Preis
Wer eine Market Order erteilt, trifft eine klare Priorität: Die Ausführung ist wichtiger als der genaue Kurs. Die Börse oder der Handelspartner führt den Auftrag gegen die besten aktuell verfügbaren Gegenangebote aus. Beim Kauf sind das die niedrigsten Verkaufsangebote (Briefkurse), beim Verkauf die höchsten Kaufgebote (Geldkurse). Reicht die Menge auf der besten Preisstufe nicht aus, wird die nächste Stufe herangezogen und so weiter, bis der Auftrag vollständig erledigt ist.
Funktionsweise im Orderbuch
An einer Börse mit offenem Orderbuch wie Xetra lässt sich der Ablauf gut nachvollziehen. Im fortlaufenden Handel trifft eine Market Order sofort auf die vorhandenen Limits der Gegenseite. In Auktionen, etwa zur Eröffnung oder zum Schluss, nimmt sie dagegen am Auktionspreis teil und wird bevorzugt ausgeführt, weil sie zu jedem Preis akzeptiert wird.
Bei außerbörslichen Handelsplätzen und vielen Neobrokern stellt ein Market Maker oder Handelspartner einen verbindlichen Preis. Die Market Order wird dann zum gestellten Kurs ausgeführt, sofern das Volumen innerhalb der quotierten Menge liegt. Wie lange und wo gehandelt werden kann, zeigt der Beitrag zu den Handelszeiten.
Beispiel mit Zahlen
Ein Anleger möchte 1.400 Aktien der fiktiven Lindmann Software kaufen und gibt eine Billigst-Order auf. Im Orderbuch stehen auf der Verkaufsseite folgende Angebote:
| Preisstufe (Brief) | Verfügbare Stückzahl | Davon ausgeführt | Betrag |
|---|---|---|---|
| 23,46 € | 500 | 500 | 11.730,00 € |
| 23,48 € | 400 | 400 | 9.392,00 € |
| 23,53 € | 700 | 500 | 11.765,00 € |
| Summe | 1.600 | 1.400 | 32.887,00 € |
Der durchschnittliche Ausführungspreis liegt bei 32.887 / 1.400 = 23,4907 Euro. Gegenüber dem angezeigten besten Briefkurs von 23,46 Euro zahlt der Anleger insgesamt 43 Euro mehr, das sind rund 0,13 Prozent. Diese Differenz ist eine Form von Slippage. In einem liquiden Wert wie einer großen DAX-Aktie wäre sie meist kleiner, in einem Nebenwert mit dünnem Orderbuch kann sie ein Vielfaches betragen. Bei Börsen werden Teilausführungen auf mehreren Preisstufen häufig einzeln abgerechnet, was je nach Gebührenmodell zusätzliche Kosten verursacht.
Market Order im Vergleich zu anderen Ordertypen
| Ordertyp | Preisgrenze | Ausführung | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Market Order | keine | nahezu sicher und sofort | ungünstiger Preis |
| Limit Order | ja | nur zum Limit oder besser | keine Ausführung |
| Stop-Market | Auslöser, danach keine Grenze | nach Erreichen des Stopps | Ausführung deutlich unter dem Stopp |
| Stop-Limit | Auslöser und Limit | nach Stopp, nur bis zum Limit | keine Ausführung bei Kurslücken |
Eine Stop-Order ist nichts anderes als eine Market Order, die erst bei Erreichen eines bestimmten Kurses aktiviert wird. Details dazu in den Beiträgen zur Stop-Order und zur Stop-Limit-Order.
Market Orders in Auktionen und bei ETFs
In der Eröffnungs- und Schlussauktion auf Xetra haben unlimitierte Aufträge Vorrang vor limitierten, weil sie jeden Auktionspreis akzeptieren. Der Preis selbst wird so bestimmt, dass möglichst viele Stücke umgesetzt werden. Stehen auf einer Seite deutlich mehr Market Orders als auf der anderen, kann der Auktionspreis kräftig vom Vortag abweichen. Bei ETFs sorgen Market Maker in der Regel für fortlaufende Quotes, deren Spanne sich an der Liquidität der enthaltenen Wertpapiere orientiert. Wer einen ETF auf asiatische oder amerikanische Aktien kauft, während die dortigen Börsen geschlossen sind, zahlt häufig eine weitere Spanne, weil der Market Maker die Preise der Bestandteile nur schätzen kann.
Bedeutung für Anleger
Market Orders sind praktisch, wenn ein Wert sehr liquide ist, die Geld-Brief-Spanne eng ausfällt und der Anleger sicher handeln möchte, etwa beim Verkauf in einem schnell fallenden Markt. Für langfristige Käufe großer Standardwerte zu Handelszeiten mit hohem Umsatz ist die Preisabweichung meist gering.
Die bestmögliche Ausführung von Kundenaufträgen ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Nach § 82 des Wertpapierhandelsgesetzes müssen Wertpapierdienstleister Grundsätze festlegen, nach denen sie Aufträge zum für den Kunden besten Ergebnis ausführen, wobei neben dem Preis auch Kosten, Geschwindigkeit und Ausführungswahrscheinlichkeit zählen. Wer keinen Handelsplatz angibt, wird gemäß diesen Ausführungsgrundsätzen geroutet. Einen Überblick über Ordermöglichkeiten verschiedener Anbieter bietet der Broker-Vergleich.
Grenzen und Risiken
- Dünne Märkte: Bei Nebenwerten, exotischen ETFs oder Anleihen kann eine größere Market Order mehrere Preisstufen durchlaufen und weit vom zuletzt angezeigten Kurs entfernt ausgeführt werden.
- Randzeiten: Vor Handelsbeginn oder spät abends sind außerbörsliche Spannen oft weiter. Eine Billigst-Order um 22 Uhr kann teurer werden als dieselbe Order zur Mittagszeit.
- Volatilitätsunterbrechungen: Xetra unterbricht den fortlaufenden Handel, wenn ein Preis außerhalb festgelegter Korridore liegen würde, und startet eine Auktion. Eine Market Order nimmt dann am Auktionspreis teil, der deutlich abweichen kann.
- Kurslücken über Nacht: Eine nach Börsenschluss erteilte Market Order wird zum Eröffnungskurs ausgeführt. Kommen über Nacht wichtige Nachrichten, kann dieser stark vom Vortagesschluss abweichen.
- Schnelle Märkte: Bei Zahlenveröffentlichungen ziehen sich Market Maker teilweise zurück oder weiten die Spanne aus. Wer genau dann unlimitiert ordert, bezahlt die Unsicherheit.
Fazit
Die Market Order ist der einfachste Ordertyp: Sie garantiert die Ausführung, aber nicht den Preis. In liquiden Werten zu normalen Handelszeiten ist das meist unproblematisch. In dünnen Märkten, außerhalb der Hauptzeiten und bei hoher Volatilität kann die Preisabweichung dagegen spürbar werden. Ein Blick auf Spanne und Orderbuchtiefe vor dem Kauf oder Verkauf hilft, unnötige Kosten zu vermeiden.
Fragen und Antworten
Was bedeutet „bestens“ und „billigst“?
„Bestens“ ist eine Verkaufsorder ohne Mindestpreis, „billigst“ eine Kauforder ohne Höchstpreis. Beide werden zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt.
Wann ist eine Market Order sinnvoll?
Vor allem bei sehr liquiden Wertpapieren mit enger Geld-Brief-Spanne, wenn eine sofortige und sichere Ausführung wichtiger ist als einige Cent Preisunterschied.
Kann eine Market Order teilweise ausgeführt werden?
Ja. Sie kann auf mehreren Preisstufen und in mehreren Teilen ausgeführt werden. Ist nicht genug Gegenseite vorhanden, bleibt ein Rest gegebenenfalls offen.
Ist eine Stop-Loss-Order eine Market Order?
Eine klassische Stop-Loss-Order wird nach Erreichen des Stoppkurses zu einer Market Order. Sie wird dann zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, der unter dem Stopp liegen kann.
Quellen
- Wertpapierhandelsgesetz, § 82 WpHG: Bestmögliche Ausführung
- Deutsche Börse: Xetra
- BaFin: Finanzwissen für Verbraucher
- ESMA: Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.