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Bull Call Spread: Steigende Kurse mit Kostendeckel handeln

von FNE-Redaktion

Ein Bull Call Spread ist eine Optionsstrategie für moderat steigende Kurse, bei der ein Call gekauft und zugleich ein Call mit höherem Basispreis verkauft wird. Beide Optionen beziehen sich auf denselben Basiswert und enden am selben Termin. Der verkaufte Call finanziert einen Teil des gekauften, deckelt im Gegenzug aber den möglichen Gewinn. Weil zu Beginn Geld abfließt, gehört die Kombination zu den Debit Spreads. Das Gegenstück auf der Put-Seite, der Bull Put Spread, bringt dagegen eine Prämie ein.

Definition und Aufbau

Der Spread besteht aus zwei Teilen, die in einem einzigen Auftrag gehandelt werden können:

  • Long Call mit niedrigerem Basispreis K1, häufig nahe am aktuellen Kurs
  • Short Call mit höherem Basispreis K2, der dem angestrebten Kursziel entspricht

Der gekaufte Call kostet stets mehr als der verkaufte, denn ein niedrigerer Basispreis ist für den Käufer das bessere Recht. Daher fällt immer eine Nettozahlung an. Der Abstand der Basispreise heißt Breite des Spreads. Sie legt fest, welche Summe am Ende höchstens herauskommen kann. Wer die Grundlagen eines einzelnen Kontrakts nachlesen möchte, findet sie im Beitrag zur Call-Option.

Formeln für Gewinn, Verlust und Gewinnschwelle

Für den Verfallstag gelten je Aktie drei einfache Beziehungen, wobei D die gezahlte Nettoprämie bezeichnet:

  • Maximaler Verlust = D, sobald der Kurs auf oder unter K1 schließt
  • Maximaler Gewinn = (K2 − K1) − D, sobald der Kurs K2 erreicht oder übersteigt
  • Gewinnschwelle = K1 + D

Zwischen beiden Basispreisen steigt das Ergebnis Euro für Euro mit dem Aktienkurs. Oberhalb von K2 gleicht der verkaufte Call jeden weiteren Zuwachs des gekauften aus, die Linie verläuft dort waagerecht. Vor dem Verfall weicht der Marktwert von diesem Profil ab, weil beide Optionen noch Zeitwert enthalten.

Rechenbeispiel

Die fiktive Hartwald Logistik notiert bei 63,20 Euro. Ein Anleger rechnet für die kommenden acht Wochen mit einem Anstieg bis etwa 68 Euro, aber nicht deutlich darüber. Er eröffnet einen Spread mit einem Kontrakt über 100 Aktien:

  • Kauf eines Calls mit Basispreis 62 Euro für 4,35 Euro
  • Verkauf eines Calls mit Basispreis 68 Euro für 1,62 Euro
  • Nettoprämie: 4,35 − 1,62 = 2,73 Euro je Aktie, also 273 € pro Kontrakt

Der höchstmögliche Verlust beträgt damit 273 €. Der Gewinn endet bei (6 − 2,73) × 100 = 327 €. Die Gewinnschwelle liegt bei 62 + 2,73 = 64,73 Euro, also 2,4 Prozent über dem Ausgangskurs.

Kurs am VerfallLong Call 62 €Short Call 68 €Gesamt je Kontrakt
57,00 €−435 €+162 €−273 €
62,00 €−435 €+162 €−273 €
64,73 €−162 €+162 €0 €
66,00 €−35 €+162 €+127 €
68,00 €+165 €+162 €+327 €
73,00 €+665 €−338 €+327 €
−4 €−3 €−2 €−1 €0 €1 €2 €3 €4 €56 €58 €60 €62 €64 €66 €68 €70 €72 €74 €Gewinnschwelle 64,73 €

Vergleich mit dem reinen Long Call

Ohne den zweiten Baustein hätte derselbe Anleger 435 € statt 273 € eingesetzt. Der Spread verbilligt die Position also um 37 Prozent und senkt die Gewinnschwelle von 66,35 Euro auf 64,73 Euro. Der Preis dafür zeigt sich erst bei starken Kursgewinnen, wie die Gegenüberstellung für drei Schlusskurse belegt:

Kurs am VerfallLong Call alleinBull Call SpreadVorteil
60,00 €−435 €−273 €Spread
67,00 €+65 €+227 €Spread
70,50 €+415 €+327 €Long Call
78,00 €+1.165 €+327 €Long Call

Bis zu einem Kurs von 69,62 Euro schneidet der Spread besser ab, darüber der einfache Call. An dieser Schwelle sind beide Varianten gleichauf, weil dort der Wegfall des Gewinnpotenzials genau die eingenommenen 1,62 Euro aufzehrt.

Bedeutung für Anleger

Die Strategie drückt eine präzise Erwartung aus: Der Kurs soll steigen, das Kursziel ist aber begrenzt. Eine enge Breite kostet wenig und erfordert nur einen kleinen Anstieg, liefert jedoch auch wenig. Eine weite Breite verhält sich eher wie ein einzelner Call. Hilfreich ist das Verhältnis von Chance zu Einsatz, im Beispiel 1,20 zu 1. Es sagt allerdings nichts über die Eintrittswahrscheinlichkeit aus.

Attraktiv ist die Konstruktion vor allem dann, wenn Calls wegen einer hohen impliziten Volatilität teuer sind. Der verkaufte Call profitiert ebenfalls von diesem hohen Niveau, sodass die Position weniger stark vom Volatilitätsniveau abhängt als ein Einzelkauf. Notiert die Aktie kurz vor dem Verfall schon nahe K2, ist der noch erreichbare Restgewinn klein. Anleger vergleichen dann, ob ein vorzeitiges Schließen mehr bringt als das Abwarten.

Grenzen und Risiken

  • Totalverlust des Einsatzes: Schließt die Aktie unter K1, verfallen beide Optionen wertlos und die Nettoprämie ist weg.
  • Vorzeitige Zuteilung: Bei amerikanischen Optionen kann der Short Call jederzeit ausgeübt werden, typischerweise rund um Dividendentermine. Der gekaufte Call deckt die Lieferpflicht ab, die Abwicklung erfordert aber Aufmerksamkeit.
  • Kosten: Zwei Optionen bedeuten zweimal Gebühr und zweimal Geld-Brief-Spanne, beim Einstieg wie beim Ausstieg.
  • Verfallsrisiko: Liegt der Kurs am letzten Handelstag nahe K2, bleibt bis zuletzt offen, ob der Short Call ausgeübt wird. Das kann eine ungeplante Aktienposition hinterlassen.

Fazit

Der Bull Call Spread tauscht unbegrenzten Gewinn gegen einen niedrigeren Einsatz und eine nähere Gewinnschwelle. Sinnvoll passt er zu einer klar begrenzten Kurserwartung. Verlust und Gewinn stehen beim Eröffnen fest, was die Planung erleichtert. Wer stattdessen einen starken Anstieg erwartet, verschenkt mit dem verkauften Call Potenzial. Weitere Kombinationen fasst der Beitrag Optionen handeln zusammen.

Fragen und Antworten

Wie viel kann bei einem Bull Call Spread höchstens verloren gehen?

Höchstens die zu Beginn gezahlte Nettoprämie zuzüglich Gebühren. Nachschüsse fallen bis zum Verfall nicht an, solange beide Optionen bestehen bleiben.

Wann wird der maximale Gewinn erreicht?

Sobald die Aktie am Verfallstag auf oder über dem höheren Basispreis schließt. Vorher ist der volle Betrag meist nicht realisierbar, weil der verkaufte Call noch Zeitwert enthält.

Worin liegt der Unterschied zum Bull Put Spread?

Beide setzen auf steigende Kurse, doch der Bull Call Spread kostet zu Beginn Geld und nutzt Calls. Der Bull Put Spread nutzt Puts und bringt eine Prämie ein.

Muss der Spread bis zum Verfall gehalten werden?

Nein. Beide Optionen lassen sich jederzeit während der Handelszeit gemeinsam glattstellen. Maßgeblich ist dann der aktuelle Preis der Kombination.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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