Der Euribor-Future ist ein Börsenkontrakt, mit dem Marktteilnehmer den Dreimonats-Euribor für einen künftigen Termin festschreiben oder darauf spekulieren. Sein Preis zeigt, welchen Geldmarktsatz der Markt für diesen Termin einpreist. Damit gehört er zu den wichtigsten Instrumenten, mit denen Banken Zinsrisiken steuern und aus denen Erwartungen zur Geldpolitik im Euroraum abgelesen werden. Was der Referenzsatz selbst ist und wie er zustande kommt, erklärt der Beitrag zum Euribor.
Definition und Quotierung
Geldmarkt-Futures beziehen sich auf kurzfristige Zinssätze statt auf Anleihen. Anders als beim Bund-Future gibt es nichts zu liefern: Am Ende steht ein Barausgleich. Die Besonderheit liegt in der Notierung. Der Kurs lautet nicht auf den Zins, sondern auf 100 minus Zins. Notiert der Future bei 97,535, entspricht das einem eingepreisten Satz von 2,465 Prozent.
Das hat zwei Folgen. Der Preis steigt, wenn der erwartete Zins fällt, wie bei einer Anleihe. Und ein Käufer setzt auf sinkende, ein Verkäufer auf steigende Geldmarktsätze. Hilfreich ist es, den Kontrakt als Festschreibung einer Einlage über 1.000.000 Euro für drei Monate zu verstehen. Die Eurex nennt als Kontraktwert 2.500 Euro je Indexpunkt, was genau dieser Überlegung entspricht: 1.000.000 Euro × 0,01 × 90/360.
Kontraktdaten der Eurex
| Merkmal | Three-Month EURIBOR Future (FEU3) |
|---|---|
| Kontraktwert | 2.500 Euro je Punkt |
| Notierung | 100 minus Zinssatz |
| Mindestpreisänderung | 0,0025 Punkte (6,25 Euro) |
| Wert eines Basispunkts | 25 Euro |
| Erfüllung | Barausgleich |
| Letzter Handelstag | Zwei Börsentage vor dem dritten Mittwoch des Fälligkeitsmonats |
| Handelsschluss am letzten Tag | 11:00 Uhr deutscher Zeit |
| Schlussabrechnung | 100 minus EMMI-Dreimonatssatz, auf drei Stellen gerundet |
| Laufzeiten | Bis 72 Monate: sechs nächste Monate, dann 22 Quartalsmonate |
Die Termine reichen also über sechs Jahre. Die Liquidität konzentriert sich meist auf die Quartalstermine März, Juni, September und Dezember. Die Eurex bietet zusätzlich Packs und Bundles an, also Pakete aufeinanderfolgender Quartalskontrakte, mit denen sich ein Jahr oder mehrere Jahre in einem Auftrag handeln lassen. Neben der Eurex wird ein vergleichbarer Kontrakt an der ICE Futures Europe gehandelt. Auf den täglichen Übernachtsatz €STR gibt es an der Eurex eigene Terminkontrakte.
Der Euribor wird von EMMI an jedem TARGET-Tag kurz nach 11:00 Uhr veröffentlicht, wobei reale Geschäfte Vorrang vor anderen Datenquellen haben. Dieser Zeitpunkt erklärt den Handelsschluss.
Beispiel: Absicherung eines variablen Kredits
Ein fiktives Unternehmen hat einen Kredit über 7.350.000 Euro mit Zinsbindung an den Dreimonats-Euribor. Die nächste Zinsfestsetzung ist in fünf Monaten, die Zinsperiode dauert 91 Tage. Der passende Future notiert bei 97,535, der eingepreiste Satz liegt also bei 2,465 Prozent. Das Unternehmen fürchtet steigende Sätze und verkauft sieben Kontrakte.
Am letzten Handelstag steht der Dreimonats-Euribor bei 2,835 Prozent, der Future also bei 97,165.
| Position | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zinsbewegung | 2,835 % − 2,465 % | 37 Basispunkte |
| Gewinn aus sieben Short-Futures | 7 × 37 × 25 € | +6.475 € |
| Mehrkosten Kredit | 7.350.000 € × 0,37 % × 91/360 | −6.874 € |
| Netto | Gewinn minus Mehrkosten | −399 € |
Rund 94 Prozent des Anstiegs werden ausgeglichen. Die Restlücke entsteht, weil der Kreditbetrag nicht genau durch Kontraktgrößen teilbar ist und die Zinsperiode länger als die rechnerischen 90 Tage ist. Fallen die Sätze dagegen, entsteht auf der Future-Seite ein Verlust, der durch niedrigere Kreditzinsen ausgeglichen wird. Die Absicherung fixiert also den Zins, sie ist keine Wette auf eine günstige Richtung. Allgemein ist das im Beitrag zum Hedging dargestellt. Das außerbörsliche Gegenstück ist das Forward Rate Agreement, das im Beitrag zum Forward erwähnt wird.
Bedeutung für Anleger
Für Privatanleger ist der Kontrakt wegen seiner Größe selten ein direktes Instrument. Sein Nutzen liegt in der Information. Die Reihe der Terminkurse ergibt eine Art Fahrplan für den erwarteten Geldmarktzins. Der EZB-Rat hat die Einlagefazilität am 29. Oktober 2026 bei 2,50 Prozent belassen. Die Kurse der kommenden Termine zeigen, ob der Markt mit einer Änderung rechnet. Das Umfeld dazu beschreiben die Beiträge zum EZB-Zinsentscheid und zur Zinsstrukturkurve.
Beim Lesen ist Vorsicht geboten, denn der Future-Satz ist keine reine Erwartung. Er enthält einen Abstand des Euribor zum Einlagensatz, der Kreditrisiken im Bankensektor abbildet, sowie eine Laufzeitprämie. Die Kurse zeigen daher eine Marktmeinung und keine Zusage, auch nicht für die Konditionen von Tagesgeld oder Krediten.
Aus zwei benachbarten Kontrakten lässt sich außerdem die erwartete Veränderung ablesen. Notiert der März-Kontrakt in diesem Rechenbeispiel fiktiv bei 97,535 und der Juni-Kontrakt bei 97,415, preist der Markt zwischen beiden Terminen einen Anstieg um zwölf Basispunkte ein. Wer sieben Kontrakte dieses Abstands betrachtet, sieht einen Wertunterschied von 2.100 Euro. Solche Abstände werden als Kalender-Spread gehandelt und sind oft liquider als die absolute Richtung.
Grenzen und Risiken
Der Hebel ist hoch. Ein Kontrakt steht wirtschaftlich für 1.000.000 Euro, während nur die Margin hinterlegt wird. Wirkt die Kursbewegung gegen die Position, fordert die Clearingstelle täglich einen Ausgleich. Hinzu kommt das Basisrisiko: Der Kreditzins kann vom Euribor abweichen, ebenso der Festsetzungstag vom Verfallstag.
Die Marktstruktur birgt weitere Eigenheiten. Fernere Termine sind oft weniger liquide, weshalb die Spannen dort höher ausfallen. Bei überraschenden Notenbankbeschlüssen reagieren die Kurse in Sekunden. Und die Rechnung mit dem Kontraktwert unterstellt immer 90 Tage, was gegenüber dem tatsächlichen Zeitraum kleine Abweichungen erzeugt. Zudem können sich Regeln und Kontraktdaten ändern, sodass vor dem Handel immer die aktuelle Spezifikation der Börse gilt.
Fazit
Der Euribor-Future macht den Geldmarkt handelbar. Die Quotierung als 100 minus Zins wirkt zunächst ungewohnt, ist aber einfach zu rechnen: Ein Basispunkt entspricht 25 Euro je Kontrakt. Unternehmen sichern damit variable Zinsen, Anleger lesen daraus die Zinserwartung des Marktes, müssen aber Risikoaufschläge mitdenken.
Fragen und Antworten
Was bedeutet ein Kurs von 97,50?
Der Markt preist für den Termin einen Dreimonats-Euribor von 2,50 Prozent ein.
Wie viel ist ein Basispunkt wert?
25 Euro je Kontrakt. Die kleinste Preisänderung von 0,0025 Punkten entspricht 6,25 Euro.
Wird beim Euribor-Future etwas geliefert?
Nein. Der Kontrakt wird bar abgerechnet.
Wann endet der Handel?
Zwei Börsentage vor dem dritten Mittwoch des Fälligkeitsmonats um 11:00 Uhr deutscher Zeit.
Quellen
- Eurex: Three-Month EURIBOR Futures (FEU3)
- Eurex: Factsheet Three-Month EURIBOR Futures and Options
- EMMI: Euribor Methodology
- EMMI: Euribor FAQ
- EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 29. Oktober 2026
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.