Am 15. September 2008 meldete die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an. Was als Problem mit amerikanischen Hauskrediten begonnen hatte, wurde zur schwersten Finanzkrise seit 1929. Der DAX verlor über die gesamte Krise mehr als die Hälfte seines Wertes, Staaten retteten Banken mit Milliarden, und die Bundesregierung gab eine Garantie für alle Spareinlagen ab.
Das Wichtigste in Kürze
| Auslöser | Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts für riskante Kredite |
| Wendepunkt | Insolvenz von Lehman Brothers am 15. September 2008 |
| DAX-Höchststand | rund 8.100 Punkte im Juli 2007 |
| DAX-Tiefpunkt | rund 3.670 Punkte im März 2009 |
| Rückgang | gut 55 Prozent |
| Alter Höchststand wieder erreicht | 2013 |
Wie alles begann: Kredite für jeden
In den USA vergaben Banken in den Jahren vor der Krise massenhaft Hypothekenkredite an Käufer mit geringer Bonität, sogenannte Subprime-Kredite. Oft reichte es, auf steigende Hauspreise zu setzen: Konnte ein Käufer nicht zahlen, würde das Haus eben mit Gewinn verkauft.
Die Banken behielten die Kredite nicht, sondern bündelten sie zu Wertpapieren und verkauften sie weltweit weiter – auch an deutsche Landesbanken. Ratingagenturen bewerteten viele dieser Papiere als sehr sicher. Als die Hauspreise ab 2006 fielen und die Zahlungsausfälle stiegen, verloren die Papiere massiv an Wert. Wie gründlich Kreditgeber eigentlich prüfen sollten, zeigt der Beitrag zur Kreditwürdigkeitsprüfung.
Der Absturz im Herbst 2008
Die ersten Banken gerieten schon 2007 in Schwierigkeiten, in Deutschland etwa die IKB und die Sachsen LB. Doch den Wendepunkt markierte Lehman Brothers. Die US-Regierung ließ die Bank fallen, statt sie zu retten. Daraufhin misstrauten sich die Banken weltweit gegenseitig, der Geldhandel zwischen ihnen kam fast zum Erliegen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Sommer 2007 | erste Probleme bei Banken mit US-Hypothekenpapieren |
| 15. September 2008 | Insolvenz von Lehman Brothers |
| Herbst 2008 | Staaten retten weltweit Banken und Versicherer |
| 5. Oktober 2008 | Bundesregierung garantiert die Spareinlagen |
| März 2009 | Tiefpunkt an den Börsen |
Die Börsen stürzten ab. Der DAX fiel im Oktober 2008 an einzelnen Tagen um mehr als sieben Prozent. Bis zum Tiefpunkt im März 2009 hatte er mehr als die Hälfte seines Wertes seit dem Höchststand 2007 verloren.
Die Rettung in Deutschland
Am 5. Oktober 2008 traten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück vor die Presse und erklärten, die Spareinlagen der Bürger seien sicher. Die Garantie war rechtlich nicht bindend, verhinderte aber einen Ansturm auf die Banken. Wie Einlagen heute geschützt sind, erklärt der Beitrag zum Tagesgeld.
Der Staat gründete einen Rettungsfonds für Banken. Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wurde mit Milliardenhilfen gestützt und schließlich verstaatlicht. Die Commerzbank, die gerade die Dresdner Bank übernommen hatte, erhielt Kapital vom Bund, der Aktionär wurde. Mit der Abwrackprämie für Altautos und Kurzarbeitergeld stützte die Regierung zudem die Wirtschaft.
Die Lehman-Zertifikate: Verluste für deutsche Sparer
Die Pleite traf nicht nur Profis. Zehntausende deutsche Privatanleger hatten Zertifikate von Lehman Brothers gekauft, häufig auf Empfehlung ihrer Bank oder Sparkasse. Viele hielten die Papiere für sichere Anlagen, manche waren sogar mit einem Kapitalschutz beworben worden.
Was vielen nicht bewusst war: Ein Zertifikat ist rechtlich eine Schuldverschreibung des Herausgebers. Geht dieser pleite, ist das Geld weg – unabhängig davon, wie sich der zugrunde liegende Index entwickelt hat. Eine Einlagensicherung gibt es dafür nicht. Zahlreiche Geschädigte klagten gegen ihre Berater, einige erhielten Entschädigungen. Der Fall führte zu strengeren Regeln für die Anlageberatung, darunter die Pflicht zu Beratungsprotokollen.
Warum die Krise so tief ging
Hohe Verschuldung. Viele Banken hatten nur sehr wenig Eigenkapital im Verhältnis zu ihren Geschäften. Kleine Verluste reichten, um sie in Not zu bringen.
Undurchsichtige Produkte. Niemand wusste genau, wer wie viele faule Kredite in den Büchern hatte. Dieses Misstrauen legte den Geldmarkt lahm.
Globale Verflechtung. Die Papiere waren weltweit verteilt. Ein Problem auf dem amerikanischen Immobilienmarkt traf so Banken in Europa und Asien.
Die Erholung und ihre Folgen
Ab März 2009 erholten sich die Börsen, unterstützt von Zinssenkungen und Anleihekäufen der Notenbanken. Der DAX erreichte seinen alten Höchststand 2013 wieder. Die Niedrigzinsphase, die mit der Krise begann, prägte die Geldanlage ein Jahrzehnt lang – mehr dazu im Beitrag zum Leitzins.
Politisch folgten strengere Eigenkapitalregeln für Banken, eine europäische Bankenaufsicht und neue Regeln für die Abwicklung von Instituten. Aus der Finanzkrise ging später zudem die Eurokrise hervor, als mehrere Staaten Banken retten mussten und selbst in Not gerieten.
Was Anleger daraus lernen können
Auch Banken können fallen. Aktien von Finanzinstituten verloren in der Krise besonders stark. Wer auf eine Branche setzte, erlebte hohe Verluste. Streuung über Branchen und Länder schützt – siehe Diversifikation.
Durchhalten wurde belohnt. Wer seinen ETF-Sparplan in der Krise weiterlaufen ließ, kaufte zu sehr niedrigen Kursen und profitierte von der Erholung.
Sichere Häfen helfen. In der Krise stiegen Gold und deutsche Staatsanleihen, während Aktien fielen.
Häufige Fragen
Wie tief fiel der DAX 2008?
Vom Höchststand im Juli 2007 bis zum Tiefpunkt im März 2009 verlor der DAX gut 55 Prozent.
Warum wurde Lehman Brothers nicht gerettet?
Die US-Regierung wollte ein Signal setzen, dass Banken nicht automatisch mit Steuergeld gerettet werden. Die Folgen der Pleite waren jedoch so gravierend, dass danach fast alle großen Institute gestützt wurden.
Fazit
Die Finanzkrise 2008 war kein gewöhnlicher Börsencrash, sondern eine Krise des gesamten Bankensystems. Sie zeigte, wie ein scheinbar lokales Problem durch Verflechtung und Verschuldung die Weltwirtschaft erfassen kann.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist sie zugleich ein Beleg für die Kraft der Erholung: Wer investiert blieb, hatte seine Verluste nach einigen Jahren aufgeholt. Die großen Crashs im Vergleich zeigt die Übersicht zum Börsencrash.
Börsencrashs der Geschichte
Übersicht: alle großen Crashs · Börsencrash 1929 · Schwarzer Montag 1987 · Finanzkrise 2008 · Corona-Crash 2020
Stand: September 2026. Historische Kurs- und Indexangaben gerundet, ohne Gewähr. Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.