Der ETF-Sparplan ist für viele der Einstieg in die Geldanlage: ein fester Betrag, monatlich automatisch investiert, ohne dass man sich um den richtigen Zeitpunkt kümmern muss. Bei den meisten Brokern geht das ab 25 Euro, teilweise ab einem Euro.
Wie er funktioniert, welche Kosten anfallen und welche Entscheidungen wirklich zählen – der Reihe nach.
Wie ein ETF-Sparplan funktioniert
Sie legen einen Betrag, ein Intervall und einen ETF fest. Der Broker bucht das Geld ein und kauft automatisch Anteile – meist monatlich, je nach Anbieter auch wöchentlich oder quartalsweise. Anpassen, pausieren oder kündigen lässt sich das jederzeit ohne Frist.
Weil der Sparbetrag selten genau auf einen Anteilspreis passt, werden Bruchstücke gekauft. Sie besitzen dann etwa 0,37 Anteile – anteilig an Kursentwicklung und Ausschüttungen beteiligt wie bei ganzen Anteilen.
Der Durchschnittskosteneffekt – richtig verstanden
Weil immer derselbe Betrag investiert wird, kaufen Sie bei hohen Kursen weniger Anteile und bei niedrigen mehr. Über die Zeit ergibt sich ein Durchschnittspreis – der sogenannte Cost-Average-Effekt.
Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Dieser Effekt bringt keine höhere Rendite. Untersuchungen zeigen, dass eine Einmalanlage bei langfristig steigenden Märkten im Schnitt besser abschneidet, weil das Geld früher investiert ist.
Der eigentliche Nutzen liegt woanders. Ein Sparplan nimmt die Entscheidung über den Einstiegszeitpunkt aus der Hand – und damit die Versuchung, bei fallenden Kursen auszusetzen und bei steigenden nachzulegen. Genau dieses Verhalten kostet Privatanleger die meiste Rendite. Und für den, der monatlich aus dem Einkommen spart, ist der Sparplan ohnehin die einzige praktikable Form.
Was ein Sparplan kostet
Drei Kostenblöcke sind zu unterscheiden.
| Kostenart | Größenordnung | Wem gezahlt |
|---|---|---|
| Ausführungsgebühr | 0 bis 1,5 % der Rate | Broker |
| Fondskosten (TER) | 0,10 bis 0,30 % jährlich | Fondsgesellschaft |
| Spread beim Kauf | meist unter 0,10 % | Handelsplatz |
Die Ausführungsgebühr ist der Posten mit dem größten Unterschied zwischen Anbietern. Viele Broker führen Sparpläne auf ausgewählte ETFs kostenlos aus, andere verlangen einen Prozentsatz der Rate. Bei 100 Euro monatlich und 1,5 Prozent sind das 18 Euro im Jahr – bezogen auf die eingezahlte Summe wenig, bezogen auf die erwartete Rendite spürbar.
Ein Hinweis zu kostenlosen Aktionsangeboten: Sie sind oft befristet. Läuft die Aktion aus, greift die reguläre Gebühr – ein gelegentlicher Blick in die Konditionen lohnt.
Welcher ETF in den Sparplan gehört
Diese Entscheidung wiegt schwerer als jede Gebührenfrage. Für den langfristigen Aufbau spricht vieles für einen breit gestreuten Weltindex als Basis. Der MSCI World ist der Klassiker, mit der bekannten Einschränkung eines USA-Anteils von rund 72 Prozent. Wer Schwellenländer einschließen will, greift zum MSCI ACWI oder FTSE All-World.
Einzelne Länder- oder Branchenindizes eignen sich als Beimischung, nicht als Kern. Ein Sparplan auf den TecDAX etwa konzentriert das Risiko auf eine Branche in einem einzigen Land.
Thesaurierende ETFs sind im Sparplan meist praktischer, weil die Wiederanlage der Dividenden automatisch läuft und kein zusätzlicher Kaufauftrag nötig wird.
Steuern in Deutschland
Erträge aus ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei Aktien-ETFs bleibt ein Teil der Erträge über die Teilfreistellung steuerfrei.
Wichtig ist der Freistellungsauftrag beim Broker. Bis zum Sparer-Pauschbetrag bleiben Kapitalerträge steuerfrei – ohne Auftrag führt die Bank die Steuer trotzdem ab, und das Geld muss über die Steuererklärung zurückgeholt werden.
Bei thesaurierenden Fonds fällt jährlich die Vorabpauschale an, für die Liquidität auf dem Verrechnungskonto vorhanden sein sollte. Diese Angaben ersetzen keine Steuerberatung – bei größeren Beträgen lohnt der Gang zum Fachmann.
Wie viel am Ende herauskommt
Der entscheidende Faktor ist nicht die Höhe der Rate, sondern die Zeit. Ein Beispiel bei angenommenen sieben Prozent Rendite im Jahr:
| Laufzeit | Eingezahlt bei 200 Euro monatlich | Endwert (gerundet) |
|---|---|---|
| 10 Jahre | 24.000 Euro | rund 34.000 Euro |
| 20 Jahre | 48.000 Euro | rund 98.000 Euro |
| 30 Jahre | 72.000 Euro | rund 226.000 Euro |
| 40 Jahre | 96.000 Euro | rund 480.000 Euro |
Die Zahlen sind Modellrechnungen ohne Steuern und Kosten; die tatsächliche Rendite schwankt erheblich. Sie zeigen aber das Prinzip: Zwischen 30 und 40 Jahren verdoppelt sich das Ergebnis, obwohl nur ein Drittel mehr eingezahlt wird.
Dieser Effekt ist der eigentliche Grund, früh zu beginnen – nicht die Höhe der Sparrate. Die Mechanik dahinter erklärt der Beitrag zum Zinseszins.
Die Ausführungsintervalle
| Intervall | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| monatlich | gleichmäßiger Einstieg, einfache Planung | mehr Ordervorgänge |
| vierteljährlich | weniger Gebühren bei Festpreisen | weniger Glättung der Kurse |
| wöchentlich | feinere Verteilung | kaum messbarer Zusatznutzen |
Für die meisten Anleger ist die monatliche Ausführung der sinnvolle Standard. Häufigere Intervalle bringen rechnerisch kaum Vorteile.
Worauf es beim Depot ankommt
Prüfen Sie vier Punkte: ob Ihr Wunsch-ETF sparplanfähig ist, welche Ausführungsgebühr anfällt, ab welchem Mindestbetrag und in welchen Intervallen gespart werden kann, und ob die Depotführung kostenlos ist.
Ein Wechsel ist später möglich, aber mit Aufwand verbunden – ein Depotübertrag dauert Wochen. Es lohnt sich, am Anfang genauer hinzusehen.
Fragen und Antworten
Ab welchem Betrag lohnt sich ein Sparplan?
Sobald die Kosten je Ausführung unter etwa einem Prozent der Rate liegen. Bei kostenlosen Sparplänen gilt das ab dem ersten Euro, bei prozentualen Gebühren praktisch immer.
Kann man den Sparplan pausieren?
Ja, jederzeit und kostenfrei. Raten lassen sich aussetzen, erhöhen oder senken – anders als bei Versicherungsverträgen entstehen dabei keine Nachteile.
Wie viele ETFs braucht man?
Ein breit streuender Welt-ETF reicht für den Anfang. Wer ergänzen möchte, nimmt üblicherweise Schwellenländer oder einen Anleihe-ETF als Sicherheitsbaustein dazu.
Was passiert bei einem Börsencrash?
Der Depotwert sinkt, die Sparrate kauft aber mehr Anteile zum niedrigeren Kurs. Wer durchhält, profitiert von der Erholung – wer verkauft, realisiert den Verlust.
Thesaurierend oder ausschüttend?
Für den Vermögensaufbau ist die thesaurierende Variante meist praktischer, weil die Wiederanlage automatisch erfolgt. Wer laufende Erträge möchte, wählt die ausschüttende.
Die häufigsten Fehler
Zu früh verkaufen. Der häufigste Fehler ist der Ausstieg nach einem Kursrückgang. Damit wird aus einem Buchverlust ein realer.
Zu viele Positionen. Fünf ETFs, die sich stark überschneiden, streuen nicht besser als einer – sie erhöhen nur den Aufwand.
Auf die Vergangenheit setzen. Der ETF mit der besten Entwicklung der letzten drei Jahre ist selten der beste der nächsten drei. Entscheidend sind Streuung und Kosten.
Steuern übersehen. Der Freistellungsauftrag sollte gestellt sein, sonst führt die Bank Steuern ab, die man sich erst später zurückholt.
Fazit
Der ETF-Sparplan ist das unaufwendigste Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau: automatisiert, flexibel, mit kleinen Beträgen möglich und jederzeit anpassbar.
Aus Sicht der Marktteilnehmer entscheidet über den Erfolg weniger die Auswahl des Produkts als das Durchhalten. Wer zwanzig Jahre lang stur weiterspart – auch und gerade in schwachen Marktphasen –, erreicht mehr als jemand, der die letzten 0,05 Prozentpunkte Kostenquote optimiert und bei jedem Rücksetzer aussetzt.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Als Sparplan-Varianten kommen außerdem ein Robo-Advisor und – über den Arbeitgeber – vermögenswirksame Leistungen in Betracht.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.
Konkrete Beträge liefert der ETF-Rechner.