Die 200-Tage-Linie gehört zu den bekanntesten Werkzeugen der Charttechnik. Sie zeigt, ob eine Aktie im langfristigen Aufwärts- oder Abwärtstrend steckt. Wir haben für alle 30 Werte des Dow Jones berechnet, wie weit sie zum Handelsschluss am Freitag, 23. Oktober 2026, über oder unter ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (GD 200) notieren.
Das Ergebnis: 21 der 30 Aktien liegen über ihrer 200-Tage-Linie, 9 darunter. Der Dow Jones selbst schloss bei 52.215 Punkten und damit 3,3 Prozent über seinem GD 200 von 50.532 Punkten. Am weitesten darüber liegt Salesforce mit 25 Prozent, am weitesten darunter Nike mit 20 Prozent.
Was der GD 200 aussagt
Der GD 200 ist der Durchschnitt der Schlusskurse der vergangenen 200 Handelstage, also ungefähr der letzten zehn Monate. Liegt der Kurs darüber, gilt der langfristige Trend als intakt. Liegt er darunter, überwiegen die Verkäufer. Viele institutionelle Anleger beobachten die Linie, deshalb wirkt sie oft als Unterstützung oder Widerstand.
Ein großer Abstand nach oben zeigt einen starken Trend, kann aber auch auf eine Überhitzung hindeuten. Ein großer Abstand nach unten zeigt, dass eine Aktie deutlich an Vertrauen verloren hat. Für sich allein ist der Abstand weder ein Kauf- noch ein Verkaufssignal.
Alle 30 Dow-Werte im Vergleich
| Rang | Aktie | Kürzel | Schluss (USD) | GD 200 (USD) | Abstand |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Salesforce | CRM | 248,57 | 198,66 | +25,1 % |
| 2 | Travelers | TRV | 398,28 | 326,88 | +21,8 % |
| 3 | Chevron | CVX | 233,21 | 191,63 | +21,7 % |
| 4 | Microsoft | MSFT | 524,51 | 436,51 | +20,2 % |
| 5 | Visa | V | 407,92 | 340,56 | +19,8 % |
| 6 | Amgen | AMGN | 439,26 | 371,61 | +18,2 % |
| 7 | Apple | AAPL | 347,73 | 294,41 | +18,1 % |
| 8 | UnitedHealth | UNH | 418,09 | 361,03 | +15,8 % |
| 9 | Merck & Co. | MRK | 145,27 | 125,86 | +15,4 % |
| 10 | Coca-Cola | KO | 92,71 | 81,59 | +13,6 % |
| 11 | Disney | DIS | 112,52 | 103,55 | +8,7 % |
| 12 | Procter & Gamble | PG | 161,02 | 148,51 | +8,4 % |
| 13 | 3M | MMM | 173,46 | 160,92 | +7,8 % |
| 14 | Johnson & Johnson | JNJ | 263,81 | 245,47 | +7,5 % |
| 15 | Cisco | CSCO | 106,50 | 100,32 | +6,2 % |
| 16 | Nvidia | NVDA | 210,96 | 203,67 | +3,6 % |
| 17 | JPMorgan Chase | JPM | 331,58 | 322,51 | +2,8 % |
| 18 | Amazon | AMZN | 248,00 | 243,29 | +1,9 % |
| 19 | Walmart | WMT | 119,89 | 118,42 | +1,2 % |
| 20 | IBM | IBM | 253,56 | 250,45 | +1,2 % |
| 21 | Sherwin-Williams | SHW | 337,06 | 333,32 | +1,1 % |
| 22 | Honeywell | HON | 221,15 | 230,73 | −4,2 % |
| 23 | American Express | AXP | 313,22 | 327,30 | −4,3 % |
| 24 | Home Depot | HD | 319,83 | 335,56 | −4,7 % |
| 25 | Alphabet | GOOGL | 320,21 | 341,31 | −6,2 % |
| 26 | Goldman Sachs | GS | 875,68 | 958,56 | −8,6 % |
| 27 | McDonald’s | MCD | 248,46 | 284,56 | −12,7 % |
| 28 | Boeing | BA | 188,35 | 218,59 | −13,8 % |
| 29 | Caterpillar | CAT | 687,00 | 808,62 | −15,0 % |
| 30 | Nike | NKE | 37,30 | 46,74 | −20,2 % |
Berechnung auf Basis der Schlusskurse bis 23. Oktober 2026, Kurse in US-Dollar. Der GD 200 ist der einfache Durchschnitt der letzten 200 Schlusskurse.
Die fünf Aktien mit dem größten Abstand nach oben
Salesforce: +25 Prozent
Salesforce führt die Liste an, obwohl die Aktie seit Jahresbeginn noch rund 6 Prozent im Minus liegt. Der Grund ist eine scharfe Erholung: Ende August übertraf der Softwarekonzern mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen deutlich und hob die Jahresprognose an. Damit ließen die Sorgen nach, Salesforce könnte durch KI-Anwendungen an Bedeutung verlieren. Allein im August stieg die Aktie um rund 40 Prozent.
Travelers: +22 Prozent
Der Versicherer Travelers liegt seit Jahresbeginn 37 Prozent im Plus und notiert nahe am Jahreshoch. Am 16. Oktober meldete er für das dritte Quartal einen Gewinn von 9,04 Dollar je Aktie nach 8,24 Dollar im Vorjahr, die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 86,8 Prozent. Hinzu kommen Aktienrückkäufe von 1,5 Milliarden Dollar im Quartal.
Chevron: +22 Prozent
Chevron profitiert direkt vom hohen Ölpreis. Brent kostet nach den Angriffen auf die Ölinfrastruktur am Golf mehr als 110 Dollar je Barrel. Die Aktie schloss am Freitag auf dem höchsten Stand der vergangenen zwölf Monate und liegt seit Jahresbeginn gut 50 Prozent im Plus.
Microsoft: +20 Prozent
Microsoft notiert nur knapp 4 Prozent unter dem Hoch der vergangenen zwölf Monate. Die Aktie hielt sich auch beim Einbruch der Technologiewerte in dieser Woche vergleichsweise stabil. Ende Oktober werden die nächsten Quartalszahlen erwartet. Sie dürften zeigen, ob der Abstand zum GD 200 gerechtfertigt ist.
Visa: +20 Prozent
Visa stieg allein im Oktober um rund 11 Prozent und erreichte Mitte des Monats ein Rekordhoch. Die Gewinnerwartungen der Analysten haben sich dabei kaum verändert, die Aktie ist also vor allem teurer geworden. Am 27. Oktober legt Visa nach US-Börsenschluss seine Zahlen vor.
Die fünf Aktien mit dem größten Abstand nach unten
Nike: −20 Prozent
Nike ist mit einem Minus von gut 40 Prozent seit Jahresbeginn der schwächste Dow-Wert. Im September fiel die Aktie auf den tiefsten Stand seit rund zwölf Jahren. Belastend sind die schwache Nachfrage in China, wo heimische Marken Anteile gewinnen, die Zölle und Zweifel am Tempo des Umbaus unter Konzernchef Elliott Hill. Zuletzt hat sich der Kurs leicht stabilisiert.
Caterpillar: −15 Prozent
Caterpillar ist ein Sonderfall: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch rund 20 Prozent im Plus, im vergangenen Monat verlor sie aber gut 16 Prozent. Der Baumaschinenhersteller hatte stark von der Nachfrage nach Stromaggregaten für Rechenzentren profitiert. Seit die Zweifel an den KI-Investitionen zunehmen, nehmen Anleger Gewinne mit. Hohe Zinsen und teurer Diesel kommen hinzu. Am 29. Oktober folgen die Quartalszahlen.
Boeing: −14 Prozent
Boeing steht seit Jahresbeginn rund 13 Prozent tiefer. Ende September verlor die Aktie an einem Tag fast 7 Prozent, nachdem die US-Luftfahrtbehörde FAA die Zulassung der 737 MAX 10 wegen eines Softwareproblems verschoben hatte. Davon hängt ab, wann Boeing gelagerte Flugzeuge ausliefern und damit Geld einnehmen kann.
McDonald’s: −13 Prozent
McDonald’s hat seit Jahresbeginn fast 19 Prozent verloren. In den USA kommen weniger Gäste, Konkurrenten wie Chick-fil-A gewinnen Marktanteile, und viele Franchisenehmer zögern bei teuren Umbauten. Die Quartalszahlen folgen am 4. November.
Goldman Sachs: −9 Prozent
Goldman Sachs hat trotz starker Quartalszahlen im vergangenen Monat gut 6 Prozent verloren. Die Investmentbank übertraf Mitte Oktober die Erwartungen deutlich, vor allem dank eines um 72 Prozent höheren Ertrags im Aktienhandel. Belastet hat zuletzt der allgemeine Rückgang am Aktienmarkt, von dem Banken mit großem Handelsgeschäft besonders betroffen sind.
Knapp an der Linie
Spannend sind auch die Werte, die nur knapp über ihrem GD 200 liegen, denn hier kann schon eine kleine Bewegung den Trend drehen. Dazu gehören Sherwin-Williams, IBM und Walmart mit jeweils gut 1 Prozent Abstand sowie Amazon mit knapp 2 Prozent. Auch Nvidia liegt nach dem Einbruch der Chipwerte nur noch 3,6 Prozent über der Linie. Knapp darunter liegen Honeywell und American Express mit gut 4 Prozent.
Was Anleger daraus ablesen können
- Breite des Marktes: 21 von 30 Werten über dem GD 200 zeigen einen insgesamt intakten Aufwärtstrend, auch wenn die Technologiewerte zuletzt deutlich nachgegeben haben.
- Defensive Werte vorn: Neben Salesforce und Microsoft liegen vor allem Versicherer, Gesundheits- und Konsumwerte wie Travelers, Amgen, UnitedHealth, Merck und Coca-Cola weit über ihrem Durchschnitt.
- Großer Abstand ist kein Freifahrtschein: Aktien, die mehr als 20 Prozent über dem GD 200 liegen, haben schon viel gute Nachricht eingepreist. Rücksetzer in Richtung der Linie sind dann nicht ungewöhnlich.
- Unter der Linie heißt nicht billig: Werte wie Nike oder McDonald’s notieren nicht ohne Grund darunter. Eine Trendwende zeigt sich in der Regel erst, wenn der Kurs nachhaltig über den GD 200 zurückkehrt.
Chart: Dow Jones mit 200-Tage-Linie
Dow Jones Chart von TradingView
Fazit
Der Dow Jones steht trotz der jüngsten Schwäche der Technologiewerte über seiner 200-Tage-Linie, und die Mehrheit der Einzelwerte ebenfalls. Am stärksten sind Salesforce, Travelers, Chevron, Microsoft und Visa, am schwächsten Nike, Caterpillar, Boeing, McDonald’s und Goldman Sachs. In den kommenden zwei Wochen legen viele dieser Unternehmen Zahlen vor, die entscheiden dürften, ob sich die Abstände weiter vergrößern oder ob die Kurse zur Linie zurücklaufen.
Fragen und Antworten
Was ist der GD 200?
Der GD 200 ist der gleitende Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 200 Handelstage. Er glättet kurzfristige Schwankungen und zeigt den langfristigen Trend einer Aktie oder eines Index.
Welche Dow-Aktie liegt am weitesten über der 200-Tage-Linie?
Salesforce mit rund 25 Prozent, gefolgt von Travelers und Chevron mit jeweils knapp 22 Prozent (Stand 23. Oktober 2026).
Welche Dow-Aktie liegt am weitesten darunter?
Nike mit rund 20 Prozent, vor Caterpillar mit 15 Prozent und Boeing mit knapp 14 Prozent.
Ist eine Aktie unter dem GD 200 ein Kaufsignal?
Nein, nicht automatisch. Ein Kurs unter der Linie zeigt einen Abwärtstrend. Viele Anleger warten ab, bis der Kurs die Linie wieder nachhaltig überschreitet, bevor sie von einer Trendwende ausgehen.
Quellen
- S&P Dow Jones Indices, Dow Jones Industrial Average – spglobal.com
- Travelers, Ergebnisse drittes Quartal 2026 (SEC) – sec.gov
- New York Stock Exchange, Kursdaten – nyse.com
- Nasdaq, Kursdaten – nasdaq.com
- Federal Aviation Administration, Boeing 737 MAX – faa.gov
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Kursangaben ohne Gewähr, Stand: Handelsschluss 23. Oktober 2026.