Ein Bull Put Spread ist eine Optionsstrategie für leicht steigende oder seitwärts laufende Märkte. Der Anleger verkauft einen Put mit höherem Basispreis und kauft gleichzeitig einen Put mit niedrigerem Basispreis auf denselben Basiswert und mit gleicher Laufzeit. Weil der verkaufte Put teurer ist als der gekaufte, fließt zu Beginn eine Nettoprämie. Sie ist zugleich der maximale Gewinn. Der gekaufte Put begrenzt im Gegenzug den möglichen Verlust. Die Strategie zählt damit zu den sogenannten Credit Spreads.
Definition und Aufbau
Der Bull Put Spread besteht aus zwei Bausteinen:
- Short Put mit Basispreis K1, meist leicht unter dem aktuellen Kurs oder am Geld.
- Long Put mit niedrigerem Basispreis K2 als Absicherung.
Ohne den zweiten Baustein wäre die Position ein einfacher Short Put, dessen Verlust bis zum Totalverlust der Aktie reichen kann. Der gekaufte Put kappt dieses Risiko bei der Differenz der Basispreise. Dafür fällt die eingenommene Prämie kleiner aus. Zum Vergleich: Wer Kursanstiege mit Calls statt mit Puts spielen möchte, kann einen Bull Call Spread nutzen, der zu Beginn Geld kostet statt Geld bringt.
Funktionsweise und Formeln
Pro Aktie gelten am Verfallstag folgende Werte, wobei N die Nettoprämie bezeichnet:
- Maximaler Gewinn = N, erreicht bei einem Kurs auf oder über K1
- Maximaler Verlust = (K1 − K2) − N, erreicht bei einem Kurs auf oder unter K2
- Gewinnschwelle = K1 − N
Zwischen den beiden Basispreisen verläuft das Ergebnis linear. Weil Aktienoptionen an der Eurex meist 100 Aktien umfassen, werden die Werte je Kontrakt mit 100 multipliziert.
Beispiel mit Zahlen
Die fiktive Aktie der Moselbach Energie notiert bei 44,10 Euro. Ein Anleger erwartet in den nächsten sechs Wochen keine größeren Kursverluste und baut einen Bull Put Spread mit einem Kontrakt auf:
- Verkauf eines Puts mit Basispreis 42 Euro für 1,48 Euro
- Kauf eines Puts mit Basispreis 39 Euro für 0,61 Euro
- Nettoprämie: 1,48 − 0,61 = 0,87 Euro je Aktie, also 87 Euro pro Kontrakt
Daraus folgen ein maximaler Gewinn von 87 Euro, ein maximaler Verlust von (3,00 − 0,87) × 100 = 213 Euro und eine Gewinnschwelle von 42 − 0,87 = 41,13 Euro. Das Verhältnis von möglichem Gewinn zu möglichem Verlust liegt bei rund 41 Prozent.
| Kurs am Verfall | Short Put 42 € | Long Put 39 € | Gesamt je Kontrakt |
|---|---|---|---|
| 36,00 € | −452 € | +239 € | −213 € |
| 39,00 € | −152 € | −61 € | −213 € |
| 40,50 € | −2 € | −61 € | −63 € |
| 41,13 € | +61 € | −61 € | 0 € |
| 42,00 € | +148 € | −61 € | +87 € |
| 46,00 € | +148 € | −61 € | +87 € |
Der Anleger gewinnt also, solange die Aktie am Verfall über 41,13 Euro steht. Er muss nicht auf steigende Kurse setzen. Es genügt, dass die Aktie nicht deutlich fällt. Ab 39 Euro abwärts ändert sich das Ergebnis nicht mehr, weil der gekaufte Put jeden weiteren Verlust ausgleicht.
Basispreise und Laufzeit wählen
Die Wahl der Basispreise bestimmt das Profil:
- Abstand zum aktuellen Kurs: Je weiter der Short Put aus dem Geld liegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, die volle Prämie zu behalten, aber desto kleiner fällt sie aus.
- Breite des Spreads: Ein größerer Abstand zwischen K1 und K2 bringt mehr Prämie, erhöht aber auch den maximalen Verlust.
- Laufzeit: Viele Anwender wählen 30 bis 60 Tage, weil der Zeitwertverfall in dieser Phase spürbar zunimmt. Der Zusammenhang zwischen Zeitwert und Basispreis wird im Beitrag At the Money erklärt.
Eine hohe implizite Volatilität erhöht die Prämien und macht Credit Spreads attraktiver. Gleichzeitig signalisiert sie, dass der Markt größere Bewegungen erwartet.
Bedeutung für Anleger
Der Bull Put Spread eignet sich für Anleger, die eine leicht positive oder neutrale Erwartung haben und ihr Risiko klar beziffern möchten. Der maximale Verlust steht vom ersten Tag an fest. Bei der Eurex wird die Margin für solche Kombinationen im Rahmen des Risikomodells berücksichtigt, sodass meist deutlich weniger Sicherheiten nötig sind als beim ungedeckten Short Put. Details zur Sicherheitsleistung erläutert der Beitrag zur Margin.
Wer Bull Put Spread und Bear Call Spread kombiniert, erhält einen Iron Condor, der auf eine Seitwärtsbewegung innerhalb eines Korridors setzt. Das Spiegelbild für fallende Erwartungen ist der Bear Call Spread.
Grenzen und Risiken
- Ungünstiges Chance-Risiko-Verhältnis: Im Beispiel stehen 87 Euro Gewinn 213 Euro Verlust gegenüber. Die Strategie lebt von einer hohen Trefferquote, einzelne Verluste wiegen schwer.
- Vorzeitige Andienung: Bei amerikanischen Optionen kann der Short Put vor dem Verfall ausgeübt werden, besonders wenn er tief im Geld liegt. Der Anleger erhält dann Aktien, während der Long Put noch läuft.
- Kurslücken: Fällt die Aktie über Nacht unter den unteren Basispreis, tritt der maximale Verlust sofort ein.
- Kosten: Zwei Optionsgeschäfte bedeuten doppelte Gebühren und zwei Geld-Brief-Spannen, was bei kleinen Prämien stark ins Gewicht fällt.
- Verfall zwischen den Basispreisen: Endet der Kurs zwischen K2 und K1, wird nur der Short Put ausgeübt. Ohne rechtzeitiges Glattstellen landet eine Aktienposition im Depot.
Fazit
Der Bull Put Spread kombiniert einen verkauften und einen günstigeren gekauften Put zu einer Strategie mit festem Prämienertrag und begrenztem Risiko. Er profitiert von steigenden, stabilen oder nur leicht fallenden Kursen sowie vom Zeitwertverfall. Wer ihn nutzt, sollte sich bewusst sein, dass der mögliche Verlust in der Regel größer ist als der mögliche Gewinn, und Basispreise, Laufzeit und Kosten sorgfältig wählen.
Fragen und Antworten
Wann verdient ein Bull Put Spread Geld?
Wenn der Kurs des Basiswerts am Verfall über der Gewinnschwelle liegt, also über dem höheren Basispreis abzüglich der Nettoprämie.
Wie hoch ist der maximale Verlust?
Er entspricht der Differenz der beiden Basispreise abzüglich der eingenommenen Nettoprämie, multipliziert mit der Kontraktgröße.
Was ist der Unterschied zum Short Put?
Beim Bull Put Spread wird zusätzlich ein Put mit niedrigerem Basispreis gekauft. Das senkt die Prämie, begrenzt aber den Verlust nach unten.
Muss ich den Spread bis zum Verfall halten?
Nein. Beide Optionen lassen sich jederzeit gemeinsam glattstellen. Viele Anleger schließen die Position vorzeitig, wenn ein Großteil der Prämie bereits verdient ist.
Quellen
- OCC: Characteristics and Risks of Standardized Options
- Eurex: Equity Options
- Eurex Clearing: Risikoparameter
- Cboe Global Markets: Optionsbörse und Produktinformationen
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.